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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Theutberga erkennt gegenüber (Papst) Nikolaus (I.) in einem Brief sowie in mündlichen Berichten ihrer Gesandten die Rechtmäßigkeit ihrer Verurteilung und Verstoßung durch ihren Ehemann (König) Lothar (II.) an, erklärt ihre Bereitschaft zum Verzicht auf die königliche Würde, räumt die Ungültigkeit ihrer Ehe mit Lothar ein und begründet diese mit ihrer Unfruchtbarkeit sowie der fehlenden religiösen Weihe (matrimonium ... non divinitus fuerit ordinatum); sie erklärt die Verbindung zwischen Lothar und Waldrada für rechtens, kündigt ihre Romfahrt an, erbittet den Schutz des Heiligen Petrus und wünscht die Auflösung ihrer Ehe aufgrund ihres Willens zur Enthaltsamkeit.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 840; n. 841; n. 843.

Reg.: Böhmer-Mühlbacher2 n. 1313c.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 155; Parisot, Lorraine 293f.; Lot, Année 437 (ND 459); Haller, Nikolaus 66; Bougard, Divorce de Lothaire 45.

Kommentar

Der Inhalt des nicht erhaltenen Schreibens ist vor allem aus dem Antwortbrief des Papstes n. 841 sowie aus dessen Schreiben an Lothar II. (n. 840) zu rekonstruieren. In beiden Briefen weist Nikolaus Theutbergas Äußerungen als erzwungene Geständnisse zurück und erklärt sie für nichtig. Die Zusammensetzung der Gesandtschaft Theutbergas ist nicht genauer bestimmbar, und die Ereignisse sind nur näherungsweise zu datieren: Die päpstlichen Antwortbriefe n. 840, n. 841, n. 842 und n. 843 bilden aufgrund ihrer Datierung sowie weitgehender inhaltlicher und sprachlicher Übereinstimmungen eine Gruppe von Schreiben, für die das Eintreffen des erzwungenen Briefes Theutbergas in Rom den Schreibanlaß lieferte; sie dienen deshalb als Terminus ante quem. In n. 843 tadelt Nikolaus Karl den Kahlen, sich als Gegenleistung für die Übertragung einer Abtei in der Eheangelegenheit auf die Seite Lothars II. geschlagen zu haben, und spielt mit diesem Vorwurf offensichtlich auf das Herrschertreffen in der villa Ortivineas des Klosters Saint-Quentin zu Arras im Juli oder August 866 an, bei dem Karl von Lothar die Abtei Saint-Vaast erhalten hatte, vgl. Ann. Bertiniani a. 866 (Grat 128) sowie Lot 403-405 (ND 425-427). Außerdem hielt Nikolaus dem westfränkischen König die Bedrängnis Theutbergas und ihre durch Todesangst erzwungene Verzichtserklärung auf die Würde der rechtmäßigen Königsgattin und Herrscherin vor, die er wegen seines illoyalen Seitenwechsels mitzuverantworten habe. Folgt man dieser Logik, so sind Theutbergas Brief und Gesandtschaft nach dem Treffen im Sommer 866 anzusetzen. Zu erwägen ist aber ebenso eine Datierung auf das Herrschertreffen von Attigny im September desselben Jahres (vgl. n. 818 und n. 821), zu dem Theutberga jedoch von einer bereits angetretenen Romreise zurückbeordert wurde (vgl. Ann. Bertiniani a. 866 [Grat 129]). Möglicherweise hatte sie diese im betreffenden Schreiben angekündigt, das damit vor Theutbergas Abreise – wohl spätestens in den August 866 – zu datieren wäre. Parisot geht von einer Entstehung des Briefes während der Synode in Trier im Oktober oder November 866 aus, Böhmer-Mühlbacher2 datiert in den November 866. Aus diesen verschiedenen Überlegungen ergibt sich die vorgeschlagene zeitliche Eingrenzung.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 802, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f038613a-57c9-4354-84a6-d9ed05b35db5
(Abgerufen am 23.07.2017).