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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) verspricht dem Erzbischof Ado von Vienne (reverentissimo et sanctissimo Adoni Viennensi confratri nostro archiepiscopo) auf dessen Bitte hin das Pallium unter der Bedingung, daß der Papst die Meinung Ados nicht nur zu den vier älteren, sondern auch zum fünften und sechsten Allgemeinen Konzil baldmöglichst erfahre; er übersendet ihm Kapitel der im März (!) in Rom abgehaltenen Synode (in mense Martio pro diversis ecclesiae utilitatibus synodum Romae celebravimus) (n. 540) und ermahnt Ado, diese an seine Miterzbischöfe (confratribus vestris archiepiscopis) weiterzuleiten und seinen Suffraganen bekannt zu machen.

Incipit:
Sanctioni et institutioni canonicae obtemperantes ...
Empfänger:
Erzbischof Ado von Vienne

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 17. Jh., Carpentras Bibl. Inguimbertine (Bibl. mun.): Ms. 518 I p. 982; 17. Jh. (1614), Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 5662 p. 119.

Erw.: Series episcoporum Viennensium (MG SS XXIV 814).

Drucke: Du Boys-Olivier, Veteris Floriacensis bibliothecae regiae laevum xyston 53; Baronius, Ann. eccles. a. 863 n. 1; Le Lièvre, Antiquité Vienne 207f.; Mansi, Coll. XV 469; Migne, PL CXIX 796; MG Epist. III 99 n. 21; MG Epist. VI 669 n. 154.

Reg.: J 2032; Anal. iur. pont. X 79f. n. 12; JE 2693; Chevalier, Reg. dauphin. I n. 729 c. 123; Gall. Pont. III 99f. n. †84b.

Lit.: Gundlach, Streit Arles und Vienne 6f., 151-153, 164; Lapôtre, De Anastasio Bibliothecario 226f. Anm. 3 (ND 350f. Anm. 3); Parisot, Lorraine 194 Anm. 4; Kremers, Ado von Vienne 42 Anm. 26; Haller, Nikolaus 33 Anm. 86; Schilling, Guido 316-319, 641.

Kommentar

Vom vorliegenden Brief war bis vor kurzem keine handschriftliche Überlieferung bekannt (Wiederhold, PUU Frankreich III 7 [ND 251] erwähnt die angeführten, freilich späten Kopien bei der Auflistung der durchgesehenen Fonds nicht), vgl. jetzt auch Gall. Pont. III. Die weiter genannte Pariser Überlieferung, die von einem Canonicus Durand aus Vienne stammt, ist etwa zeitgleich mit den beiden ältesten Drucken entstanden und stellt lediglich eine Abschrift des Drucks von Du Boys-Olivier dar, vgl. Schilling 251f. n. 43 und 45; sie enthält an der umstrittenen Stelle zur Meinungsäußerung über die fünfte und sechste Synode auch das sinnentstellende, erst von Du Boys-Olivier nachträglich in vos emendierte nos (qualiter nos de ipsis quinta et sexta synodis sentiatis). Die Erwähnung in den Series berichtet über den Erhalt des Palliums, eine Privilegienbestätigung und die Übersendung von Konzilsakten (vgl. auch n. 562). Die Echtheit ist seit langem bezweifelt worden; einen ausführlichen Beweis gegen die Zuverlässigkeit erbrachte schon Gundlach (mit Erörterung des Streites zwischen Arles und Vienne). Der Hinweis auf die Anerkennung der alten vier ökumenischen Konzilien im Brief Ados könnte vielleicht darauf deuten, daß der Fälscher echte Briefe benutzte, vgl. Gundlach 164; Schilling verweist in Gall. Pont. III dagegen auf sprachliche Parallelen zu Ados Chronik (Migne, PL CXXIII 115). Daß Ado das siebte allgemeine Konzil nicht anerkannte, hebt Kremers hervor. Martí Bonet, Palio 94 glaubt zwar, daß auch die Pallienverleihungen des 9. Jh. für Vienne einen echten Kern enthalten könnten, behandelt aber das vorliegende Stück nicht genauer. Schilling geht hingegen wiederum von einer Fälschung aus und weist darauf hin, daß die Praxis eines Bekenntnisses des neugewählten Bischofs zur Orthodoxie gegenüber dem Papst binnen dreier Monate nach der Wahl als Bedingung für die Pallienverleihung erst von Johannes VIII. zur verbindlichen Norm erhoben wurde, vgl. die Konzilien von Rom 875, Ravenna 877 und Troyes 878, vgl. hierzu JE 3021, JE I p. 394f., JE I p. 402 sowie Hartmann, Synoden 336-340 und 344-350. Der Auftrag zur Übermittlung der Konzilsbeschlüsse an die weiteren Erzbischöfe knüpft an Vorstellungen über den Primat von Vienne an, vgl. Gundlach. Mit der erwähnten Märzsynode (die Baronius, Ann. eccles. auf das Konzil von 863 bezieht) könnte n. 540 gemeint sein, obwohl dieses Konzil bereits im Februar 861 stattfand. Sollte dies zutreffen, so bieten sich hier ebenso wie aus der erwähnten Palliumbitte (die eher an den Anfang der 859-860 angetretenen Erzbischofswürde zu legen wäre) Orientierungspunkte zum Zeitpunkt, auf den hin gefälscht wurde.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. †541, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ef4e3af1-ef55-46b4-a909-7a48012af3e0
(Abgerufen am 29.03.2017).