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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Patriarch Photios von Konstantinopel (Φώτιος ἐπίσκοπος Κωνσταντινουπόλεως, νέας Ῥώμης) verteidigt gegenüber Papst Nikolaus (I.) (Τῷ τὰ πάντα ἁγιωτάτῳ ... Νικολάῳ πάπᾳ τῆς πρεσβυτέρας Ῥώμης) in einem weitschweifigen Brief seine Erhebung: Er erwähnt dabei die erzwungene Übernahme des Amtes, fordert die Scheidung zwischen Verursachern und Opfern der Erhebung, verweist darauf, daß die von Nikolaus erwähnten (n. 526), angeblich übertretenen Kanones (von Serdika) in der Kirche von Konstantinopel nicht rezipiert worden seien, unterstreicht den Unterschied zwischen allgemein gültigen und nur (regional) gültigen Vorschriften; er erwähnt die Beispiele des Nicephorus und Tarasius (von Konstantinopel), Ambrosius (von Mailand) und Nectarius (von Konstantinopel), die sogar vor der Taufe zum Bischofsamt erhoben worden seien. Photios nennt weitere Männer, die vom Laienstand zum Bischofsamt aufgestiegen seien, wie Gregor, den Vater des Theologen (von Nazianz) oder Thalassios von Cäsarea; er, Photios, habe jedoch einem Konzilsbeschluß (Konstantinopel 861 c. 17) zugestimmt, der künftige Erhebungen vom Laien zum Bischof ohne Durchlaufen der Weihestufen verbietet. Er verweist weiterhin auf die Umtriebe der Häretiker und Ignatianer in Byzanz und den entsprechenden Synodalbeschluß (Konstantinopel 861 c. 15) sowie auf Konzilsbeschlüsse bezüglich der früher zu Rom gehörenden Sitze, über welche die weltliche Macht, nicht er, zu entscheiden habe; er lobt die päpstlichen Legaten (die Bischöfe Radoald von Porto und Zacharias von Anagni) und bittet abschließend den Papst, der den Primat innehabe, keine Pilger aus Byzanz ohne Empfehlungsschreiben zu empfangen, sondern nach Byzanz zurückzuschicken, da sich unter diesen Leuten viele Verbrecher befinden könnten.

Überlieferung/Literatur

Druck: Laourdas/Westerink, Photios Epist. III 123-138.

Insert: Johannes Bekkos, De pace (Laurent-Darrouzès, Dossier 450-453) Erw.: n. 570; n. 827; n. 831; Konzilsakten Konstantinopel 869, actio prima (Mansi, Coll. XVI 34); Johannes Bekkos (Laurent-Darrouzès 436f., 450-453). Übers.: Stiernon, Konstantinopel 294-299 (fragm.).

Reg.: Grumel, Regestes I/2 80-82 n. 469; Grumel-Darrouzès, Regestes I 105-107 n. 472.

Lit.: Hergenröther, Photius I 438-460; Perels, Nikolaus 38; Haller, Nikolaus 30; Dvornik, Photian Schism 92; Stiernon, Konstantinopel 48-50; Bishop, Nicholas 346f.; Stiernon, Interprétations 689-692; Nerlich, Diplomatische Gesandtschaften 231; Scholz, Politik 203-208.

Kommentar

Photios betont in seinem Schreiben weitschweifig die gleichsam erzwungene Übernahme des Amtes. Zu den Bezügen auf das Konzil von 861 vgl. Grumel-Darrouzès n. 471; u. a. versucht Photios mit dem Schreiben geschickt, die ignatianische Konkurrenz auszuschalten und vorsichtig in der Frage des Illyricum Stellung zu beziehen. Die oben angeführten Erwähnungen gehören in den Zusammenhang der weiteren Auseinandersetzungen zwischen Rom und Byzanz noch im 9. Jh., außer derjenigen bei Johannes Bekkos, der auch einen Auszug des Briefes in einem Dossier für das zweite Konzil von Lyon (1274) wiedergibt, vgl. hierzu ausführlich Laurent-Darrouzès, zum Traktat De pace 59-69; der Brief selbst (450-453) weicht in dieser späten Fassung teilweise von den weiteren Editionen ab. Zur Interpretation der päpstlichen Stellung durch Photios vgl. Stiernon, Interprétations. Hinsichtlich der Aufforderung an Nikolaus, Personen aus Byzanz ohne Empfehlungsschreiben zurückzuweisen vgl. Nerlich. Zu datieren ist die Abfassung vor dem Aufbruch der päpstlichen Legaten aus Konstantinopel, denn der Brief wurde wenige Tage nach der Rückkunft von Radoald und Zacharias aus Byzanz (vgl. n. 563) durch den byzantinischen Gesandten Leo zusammen mit einem Brief Michaels III. (n. 546) und den Konzilsakten überbracht, vgl. n. 564.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 545, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ee3198f8-59b5-445a-a549-9d54363ad0bc
(Abgerufen am 17.12.2017).