Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

Sie sehen den Datensatz 626 von insgesamt 870.

Papst Nikolaus (I.) bestätigt (confirmatam ... decernimus) dem Erzbischof Hinkmar von Reims (confratri nostro Hincmaro Remorum archiepiscopo) auf dessen Bitten (n. 609) die Beschlüsse der am 26. April 853 veranstalteten Synode von Soissons (synodum ... in urbe Suessorum anno incarnationis dominicae DCCCLIII. indictione prima VI. Kalendas Maii) gemäß dem Vorbild seines Vorgängers Benedikt (III.) (n. 376), jedoch unbeschadet der Rechte des Apostolischen Stuhles; er befiehlt (sancimus) in der Reimser Kirchenprovinz (... Remorum Durocortorum provintia regionis Belgicae...) die Beachtung der Kanones, insbesondere des Konzils von Nikaia sowie der Dekrete von Syricus, Innozenz (I.), Zosimus, Coelestin (I.), Bonifaz (I.), Leo (I.), Hilarius, Gelasius (I.), Gregor (II.) sowie von anderen Päpsten, bestätigt (confirmamus) nach dem Vorbild der Palliumverleihung Papst Leos (IV.) (vgl. n. 138, n. †[?] 239 und n. †[?] 240) sowie des Privilegs Benedikts III. (n. 376) die Primitialrechte der Reimser Metropole und bekräftigt abschließend die Gültigkeit des vorliegenden Privileges, solange Hinkmar nicht von den apostolischen Weisungen abweiche.

Originaldatierung:
Scriptum per manum Zachariae notarii regionarii et scriniarii sanctae Romanae ecclesiae in mense Aprili indictione XI. ... Data IV. kalendas Maii per manum Tiberii primicerii sanctae sedis apostolicae, imperante domino piissimo imperatore Augusto Hludowico a Deo coronato, magno, pacifico, imperii anno XIV., indictione XI.
Incipit:
Pastoralis sollicitudinis cura constringimur et ...
Empfänger:
Erzbischof Hinkmar von Reims

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 9. Jh., Laon Bibl. mun.: Ms. 407 fol. 68-70v; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 244v-246v; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 178v-181r.

Insert: Coll. Sinemuriensis (Ende 11./Anf. 12. Jh., Semur-en-Auxois Bibl. mun.: Ms. 13 fol. 63v) (fragm.).

Erw.: n. 692; n. 836; n. 837; n. 838; n. 848; n. 854; Schreiben Hinkmars an Egilo von Sens (MG Epist. VIII 190-194 n. 186); Ann. Bertiniani a. 866 (Grat 128).

Drucke: Baronius, Ann. eccles. a. 863 n. 64-68; Sirmond, Conc. Gall. III 215; Marlot, Metropolis Remensis hist. 426; Conc. coll. reg. XXII 390; Labbe-Cossart, Conc. VIII 488; Hardouin, Acta Conc. V 326; Cocquelines-Mainardi, Bull. Rom. I 194; Mansi, Coll. XV 374; Migne, PL CXIX 821; Tomassetti, Bull. Rom. I 310; MG Epist. VI 365-367 n. 59.

Reg.: Bréquigny, Table I 264; J 2051; Anal. iur. pont. X 90f. n. 39; JE 2720.

Lit.: Schrörs, Hinkmar 251f.; Dümmler, Ostfränk. Reich II 88; Krusch, Remigius-Fälschungen 532f.; Perels, Nikolaus 105f. und 132; Fuhrmann, Patriarchate 2 42; Devos, Anastase 108; Bishop, Nicholas 78, 84, 327f.; Hartmann, Synoden 247, 317; Goetz, Auctoritas et Dilectio 39; Schieffer, Beziehungen karolingischer Synoden 159f.; Herbers, Leo 346; Patzold, Episcopus 329.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Perels, Briefe I 550-562 sowie Ramackers, PUU Frankreich IV 36 und Jasper, Beginning 111-114. Die bemerkenswerterweise nur im Zusammenhang von Briefsammlungen überlieferte Papsturkunde steht in der Tradition des Privilegs Benedikts III. (n. 376), aus dem auch einige Passagen übernommen wurden, vgl. MG Epist. VI 365 Anm. 8. Die oben angegebenen Erwähnungen gehen aus der Rückschau, einerseits aus der Perspektive Hinkmars (n. 692; n. 848; n. 854; Ann. Bertiniani), andererseits aus der päpstlichen Perspektive mit starker Kritik an Hinkmar (n. 836; n. 837; n. 838) auf das Privileg ein. Zur Coll. Sinemuriensis, die wohl auf die Reimser Überlieferung zurückgeht, vgl. Kéry, Canonical collections 203f. und Fowler-Magerl, Clavis Canonum 104-110. Devos vermutet aufgrund der Verwendung von 2 Cor. 11,28 die Autorschaft des Anastasius. Zur Verwendung des LD, besonders in der Poenformel vgl. Santifaller, LD 94. Entscheidend im Vergleich zu dem genannten Benediktprivileg sind die zahlreichen Klauseln, welche die Geltung der zunächst zugestandenen Vorrechte einschränken, so daß Hinkmar möglicherweise selbst in einer Handschrift hierzu die Bemerkung niederlegte, Nikolaus habe das, was er im Anschluß an die eigenen Vorgänger bestätigte, hinterher wieder entkräftet und sei mit einer Chimära, vorne Löwe, hinten Drache, zu vergleichen, vgl. hierzu Schrörs, Krusch und Perels in MG Epist. VI 367 Anm. *. Die Berufung auf die zahlreichen päpstlichen Vorgänger ist wohl eher allgemein zu werten, jedenfalls können keine bestimmten Dekrete dieser Päpste identifiziert werden, vgl. schon MG Epist. VI 365 Anm. 10. Bei der Erwähnung der Palliumsverleihung Leos IV. schweigt Nikolaus bezeichnenderweise zum täglichen Gebrauch des Palliums, vgl. Herbers 347F. Die Bestätigung der Synodalakten von 853 erlangte insbesondere bei der Neuverhandlung des Falls der Ebo-Kleriker um Wulfad im Jahr 866 Bedeutung, vgl. n. 806. Schrörs reiht das vorliegende Privileg nach n. 623 ein; dieser Einordnung ist auch Perels in MG Epist. VI gefolgt. Interessant ist der unterschiedliche Überlieferungskontext beider Schriftstücke. Zu den in der Datierung genannten Personen vgl. Halphen, Administration 94 und Santifaller, Elenco 53f. und 260. Bischof Odo von Beauvais brachte das päpstliche Privileg wohl gleichzeitig mit anderen Papstschreiben von seiner Romreise mit, vgl. n. 635.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 626, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ed88ae9c-8692-4dba-b210-a4af585556da
(Abgerufen am 16.01.2017).