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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) empfängt die Gesandten Petrus, den Sohn des bulgarischen Königs (Boris-Michael), Johannes und Martin, die reiche Geschenke und einen Katalog von Anfragen übermitteln und um bischöfliche und priesterliche Legaten zur Glaubensverbreitung bitten (mense augusto, indictione XIIII).

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 822; Lib. pont. (Duchesne II 164); Ann. Bertiniani a. 866 (Grat 134); Brief Johannes’ VIII. von 879 Juni 8 (JE 3261; MG Epist. VII 153f. n. 192); Andreas von Bergamo (MG SS rer. Lang. 227).

Reg.: J p. 249; JE I p. 359.

Lit.: Perels, Nikolaus 161; Grotz, Hadrian 102f.; Stiernon, Konstantinopel 70; Dujčev, Diplômes bulgares 17-26; Leisching, Inhalt der Responsa 241; Heiser, Responsa ad consulta 73-76; Tapkova-Zaimova/Simeonova, Cultural policy 159f.; Eggers, Das „Großmährische Reich" 241; Meyer-Gebel, Arbeitsweise 92; Scholz, Politik 209; Herbers, 866 – Bulgarien 17.

Kommentar

Dieser ersten belegten Kontaktaufnahme Bulgariens mit Rom ging die unter Einfluß von Konstantinopel erfolgte Taufe des Fürsten Boris (wohl 864) voraus, der seitdem den Namen Michael führte. Er trat an den Papst und an König Ludwig den Deutschen mit der Bitte um Entsendung von Glaubenslehrern heran. Allerdings gelangten die Missionare aus dem ostfränkischen Reich wohl erst relativ spät nach Bulgarien, so daß sie schon die Missionare des Papstes, die Bischöfe Paulus von Populonia und Formosus von Porto (vgl. n. 822 und n. 833), antrafen (vgl. Ann. Fuldenses a. 867, MG SS rer. G. [7] 65, Böhmer-Mühlbacher2 n. 1462 und Boshof, Reg. Passau 143 mit weiterer Literatur). Bei Andreas von Bergamo wird in diesem Zusammenhang wohl irrig über eine Taufe des Boris in Rom berichtet, die jedoch in Konstantinopel stattfand. Die genannten Anfragen in Rom lassen sich in ihrer Substanz vor allem aus den Responsa (n. 822) indirekt erschließen; Dujčev hat mit ziemlicher Sicherheit nachgewiesen, daß den in n. 822 gegebenen 106 Antworten wohl 114 oder 115 Fragen entsprachen; zu weiteren Thesen (z. B. daß weniger Anfragen als 106 vorgelegt wurden) vgl. Heiser 73-76. Ob die Anfragen in griechischer Sprache formuliert waren und von Anastasius Bibliothecarius übersetzt wurden, oder lateinisch verfaßt waren, bleibt unklar, vgl. ibid. Die Ann. Bertiniani teilen mit, es seien Fragen zu Sakramenten und zu Glaubenssätzen gewesen. Die Zusammensetzung der Gesandtschaft wird im Lib. pont. nicht genauer aufgeschlüsselt, laut den Ann. Bertiniani waren es der Sohn von Boris und einige proceres regni. Nur im angegebenen Brief Papst Johannes’ VIII. werden sie namentlich genannt; vgl. auch Dümmler, Ostfränk. Reich II 191f. und 256f. Wenn die Einträge im Evangeliar von Cividale sich auf diese Gesandtschaft beziehen (vgl. Eggers sowie Cronia, Revision 10 und Schmid, Verbrüderungsbücher 192), könnten weitere Teilnehmer erschlossen werden. Die überbrachten Geschenke müssen laut dem Lib. pont. recht umfangreich gewesen sein, die Ann. Bertiniani erwähnen u. a. die arma, die Boris bei seinem im christlichen Namen errungenen Sieg über seine Widersacher trug (vgl. auch n. 805). Die Datierungsangabe findet sich im Lib. pont.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 804, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ea4420da-219b-4371-b53f-822bc5c6ddca
(Abgerufen am 18.11.2017).