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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Graf Gerhard (von Vienne) und seine Frau Berta geben Papst Nikolaus (I.) (Domino beatissimo et sacratissimae sedis apostolico atque peculiari patri nobis Nicholao) sowie dem Klerus und Volk der Stadt Rom (... quam clero et omni populo sacrae Urbis) bekannt, daß sie das Kloster Pothières an der Seine in Burgund (... super amnem preterfluentis Sequane, in agro respiciente ad villam quam ex antiquo Pultarias nominant, in pago Laticense in regno Burgundiae et in parrochia Lingonicae civitatis) aus ererbtem sowie aus durch unter anderem von König Karl (dem Kahlen) verliehenem Besitz mit besonderer Erwähnung von Sixte und Villemanoche im Gau von Sens (in pago Senonico Sextam ...; Magniscam villam) sowie das Kloster Vézelay (... venerabilem et sacrum locum sub honore eiusdem dei et domini nostri Iesu Christi et veneratione genitricis ipsius beatissimae virginis Mariae in loco vel agro qui dicitur Vizeliacus, in pago Avalense et regno Burgundiae) aus Schenkungen Kaiser Ludwigs (des Frommen) und anderem Gut mit besonderer Erwähnung der villae Dornecy, Cisternae, Fontenoy, Molnitum und weiterem Besitz in den Gauen Avallon und Tonnerre (... Dorniciacum, ... Cisternas, ... Fontanas, atque Molnitum vel quicquid in nominato pago Avalense vel Tornodorense) gegründet hätten; sie übertragen die Klöster dem Papst mit Vorbehalt der eigenen Nutzung zu Lebzeiten (… commendamus, subdimus et ad disponendum nostri desiderii votum stabiliter per apostolatus vestri studium perpetuo committimus, ut ... gubernare, tutari et defensare dignemini) mit einem jährlichen Zins von (zusammen) zwei Pfund Silber, fordern die freie Abts- bzw. Äbtissinnenwahl mit anschließender päpstlicher Bestätigung sowie die Verhinderung von Übergriffen jeglicher Personen <ebenso wie das Verbot von Amtshandlungen des Diözesanbischofs (episcopus, cui nec ordinatio aliqua nec dominatio loci conceditur) nach dem Tod der Stifter>, schlagen für Übertretung eine Strafe von 300 Pfund Goldes vor und bekräftigen den Brief, der ewig in der apostolischen Bibliothek aufzubewahren sei, mit (32) Unterschriften.

Überlieferung/Literatur

Druck: Huygens, Mon. Vizeliacensia 249-254 n. 2.

Erw.: n. 639. Reg.: Bréquigny, Table I 263; Anal. iur. pont. X 87 n. 29.

Lit.: Fabre, Etude sur le Liber Censuum 40-42; Saxer, Statut juridique de Vézelay 231-233; Louis, Girart I 85-88; Boshof, Traditio Romana 15f.; Boshof, Odo 51.

Kommentar

Der Brief an den Papst ist insbesondere vor dem Hintergrund dynastischer Auseinandersetzungen erklärbar, vgl. Louis. Einige Passagen verweisen auf das „Testament" Gerhards und Bertas (vgl. n. 479), jedoch lassen Unstimmigkeiten vermuten, daß möglicherweise spätere Überarbeitungen erfolgten, so z. B. die Ausschaltung des Diözesanbischofs, vgl. Boshof, Traditio Romana. Im Brief selbst wird das eigene Seelenheil als Motiv für die Unterstellung der Abteien hervorgehoben. Unterschrieben haben den Brief neben Gerhard, Bertha und deren Tochter Aeva 29 weitere, namentlich genannte Personen; überbracht wurde er von Saro, dem ersten Abt von Pothières, vgl. n. 615 und weiterhin zur Datierung Louis 13f. Vielleicht reiste Saro gemeinsam mit der Gesandtschaft Odos (vgl. n. 620).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 614, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e7958786-01a5-4922-b9c8-d17aa3175c1f
(Abgerufen am 24.01.2017).