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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) bekräftigt (stabilimus) König Karl (dem Kahlen) von (West)franken (Karolo regi Francię) in Beantwortung von dessen Brief (n. 584) mit Verweis auf die Verfügung des Königs Chlodwig (II.), des Sohnes König Dagoberts (I.) (MG DD Mer. 1 n. 85) und der Bischöfe für das Kloster Saint-Denis (... de monasterio sancti Christi martyris Dionysii, speciali ... patroni tui, quondam a Hludouico filio Dagoberto regis Francię, de potestatę sedis Parisiacę episcopi cum consilio pontificum eiusdem patrię quod fuerit ereptum ...) die Unterstellung dieses Klosters unter die alleinige königliche Gewalt.

Originaldatierung:
Scriptum per ma[nus] Sophronii notarii ac scriniarii sanctę Romanę ecclesię, in m[ense] aprili, indictione XIma… Data IIIIto kal. maias per manum Tiberii primicerii sanctę sedis apostolicę, imperante domno piissimo principe [augusto] Hludouico a Deo cor[ona]to [magno pacifico] imperatore anno XIIII regni eius.
Incipit:
Supernae miserationis respectu ad hoc...
Empfänger:
König Karl (der Kahlen)

Überlieferung/Literatur

Scheinorig.: 11. Jh., Paris Arch. nat.: L 220 n. 3v (linke Hälfte); 11. Jh., Paris Arch. nat.: K 13 n. 105 (rechte Hälfte) (2 Papyrusfragmente). Kop.: 11. Jh. (1061-65), Paris Bibl. nat.: Ms. Nouv. acq. lat. 326 fol. 15r-15v; 13. Jh., Paris Arch. nat.: LL 1156 fol. 73r-73v; Ende 13./Anf. 14. Jh., Paris Arch. nat.: LL 1158 p. 486f. n. 8; 17. Jh., Versailles Arch. dép.: D 518 p. 831f. n. 8. Faks.: Letronne, Diplomata Merowingicae Tafel 49 (nur rechte Hälfte); Atsma/Vezin, Saint Denis 695.

Insert: Transsumpt des Papstes Alexanders IV. von 1260 Juni 12 (Potthast, Reg. 12892).

Drucke: Doublet, Histoire de l’abbaye de St-Denis 456; Tardif, Monuments historiques 125 n. 190; Migne, PL CXIX 820f.; Große, PUU Frankreich IX 100-102 n. 13. Reg.:J 2050; JE 2719; Große, PUU Frankreich IX 33 n. 24; Atsma/Vezin, Saint Denis 689 n. 12b.

Lit.: Harttung, Diplomatisch-historische Forschungen 113-115; Hessel, Bulles St-Denis 393-396; Levillain, Abbaye de St-Denis 272-276, 279f. und 282; Boshof, Odo 48 Anm 55.

Kommentar

Das Scheinoriginal ist auf der Rückseite eines Landtauschvertrages auf Papyrus geschrieben, vgl. Hessel 374f. sowie die Abbildung bei Letronne. Dort fehlt allerdings der zweite Teil der Urkunde, der erst 1967 bei der Ablösung eines Papyrusfragmentes des Papstes Formosus für Saint-Denis (vgl. JL 3497 und 3497A) von einem Leinenstoff wieder zum Vorschein kam. Eine Neuedition der Urkunde auf dieser Grundlage bietet Grosse, PUU Frankreich IX 101f. Vgl. auch zu den Fälschungen von Saint-Denis Atsma/Vézin; die Tabellen (samt Abbildung) stellte mir Herr Dr. Atsma dankenswerterweise schon vor der Publikation zur Verfügung. Zur weiteren Überlieferung vgl. Delisle, Bibliothèque nationale 588 sowie Hessel 376-378 sowie allgemein zu diversen Chartularen mit Überlieferungen zu Saint-Denis Grosse, Remarques sur les Cartulaires. Die Urkunde gehört zu einer Reihe gefälschter Schriftstücke für das Kloster Saint-Denis. Ist schon ein Parallelschreiben an den König zum großen Privileg für das Kloster (n. 624) an sich verdächtig, so erregt vor allem die Befreiung der Abtei aus der Jurisdiktion des Pariser Bischofs Mißtrauen. Deshalb muß zumindest dieser Teil als verfälscht gelten, wie bereits Hessel vermutete. Wahrscheinlich ist jedoch der gesamte Text in Frage zu stellen, vgl. schon Harttung. Der Text zeigt einige Übereinstimmungen mit n. 624 (vgl. Levillain); das Scheinoriginal wurde wohl kurz vor 1065 zur Vorlage in Rom gefälscht und gehört in den Zusammenhang eines größeren, in dieser Zeit zusammengestellten Dossiers, vgl. hierzu Levillain sowie Conte, Regesto, bes. 151f. Das Privileg verwendete man bei der Fälschung einer Papsturkunde für Westminster von 967 (JL 3712; Zimmermann, PUU I 340f. n. †174; Böhmer-Zimmermann n. †409), die ihrerseits erst um 1100 angefertigt wurde. Zur Besitzliste, die nicht den Urkunden Karls des Kahlen und der Synode von Soissons folgt, vgl. Lohrmann, Kirchengut 58 Anm. 26. Zu den in der Datierung genannten Personen vgl. Halphen, Administration 94 und Santifaller, Elenco 52f. und 260.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. †625, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/de5e39dd-6210-4fcf-ad84-c8a7c41c82b3
(Abgerufen am 20.10.2017).