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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) bestätigt dem Kloster Montecassino unter Abt Bassacius (Bassacio religioso abbati monasterii beati Benedicti confessoris Christi siti in monte Casino) wunschgemäß mit den zugehörigen Klöstern S. Salvator (in Piedemonte) und den vier Nonnenklöstern S. Maria in Piumarola, S. Maria in Cingla, S. Sophia in Benevent, S. Maria in Cosenza (monasterium beati Benedicti ... atque ... Scolastice seu ... monasterium domini Saluatoris sub prefato monte constructum seu et quattuor monasteria puellaria, unum sanctę Marię in loco qui Plumbariola, alium eiusdem sanctę Marię in loco qui Cingla, et monasterium sanctę Sophie constructum infra ciuitate Beneuentana, seu et monasterium sanctę Marię in ciuitate Cosentia) samt den zugehörigen Kirchen die Unterstellung unter die römische Jurisdiktion (ut sub iurisdicione sanctę cui Deo auctore deseruimus ecclesię constitute), der Papst erlaubt Amtshandlungen von Bischöfen, insbesondere der Altar- und Klerikerweihe, nur auf Einladung des Abtes, erläßt für Gastalden und Bischöfe Invasions- und Zinserhebungsverbot, untersagt Exkommunikationen durch jemand anderen als den Papst, bestätigt das Predigt- und Beichtrecht und verlangt einen Zins von einem Paar licines, einem Paar Kerzen und Räucherwerk, der am Fest Peter und Paul (29. Juni) zu leisten ist.

Originaldatierung:
Scriptum per manum [Anastasii] notarii regionarii et scriniarii sanctę Romanę ecclesię, in mense aprilis, indictione VII. … Dat. XIIII kal. maias per manus Uualperti episcopi sanctę Portuensis ecclesię, anno Deo propitio pontificatus domni nostri Nicolai summi pontificis et uniuersalis pape in sacratissima sede beati Petri apostoli VI., imperante domno piissimo ... a Deo coronato magno imperatore [Karolo Augusto anno 2].
Incipit:
Quoniam semper sunt concedenda que ...
Empfänger:
Kloster Montecassino unter Abt Bassacius

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Montecassino Arch. abb.: Aula III capsula VII cassetto I n. 6a; 12. Jh., Montecassino Arch. abb.: Reg. 3 (Registrum Petri diaconi) fol. 3v n. 4; 16. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 12117 fol. 206v (fragm.); 17. Jh., Brescia Bibl. Queriniana: A IV 21 fol. 7r-9r (fragm.).

Erw.: Leo Marsicanus, Chr. (MG SS XXXIV 71f.).

Drucke: Ughelli, Italia sacra I 556f.; Kehr, Bolle pontificie di Montecassino 23-26 (ND 149-152).

Reg.: IP VIII 125 n. 33; Leccisotti, Montecassino regesti I 223f.; Russo, Reg. Calabria 44 n. 92; Bloch, Monte Cassino I 169f. n. 1 und 253 n. 1; Martin/Cuozzo/Gasparri/Villani, Regesti 412 n. 833.

Lit.: Szaivert, Klosterexemtion 290 und 293; Anton, Klosterprivilegien 141; Hoffmann, Abtslisten von Montecassino 258; Picasso, Sede apostolica 201-213; Pohl, Werkstätte der Erinnerung 157f.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP sowie Leccisotti. Zur Verwendung des LD vgl. Santifaller, LD 93f. Die vorliegende Urkunde diente als VU für n. † 619 und für eine Urkunde Johannes’ VIII. (JE 3381; IP VIII 126 n. 37). Die Formulierungen werden wiederholt von Benedikt VII. (JL 3790 und 3791; Zimmermann, PUU I 482-484 n. 244 und 493f. n. 250; Böhmer-Zimmermann n. 555 und n. 558) und von Johannes XV. von (992 oder 994) Januar 19 (Zimmermann, PUU I 601f. n. 310; Böhmer-Zimmermann n. 700). Das Privileg wird in der Literatur zuweilen als Exemtionsprivileg bezeichnet. Zur Altar- und Klerikerweihe vgl. insbesondere Szaivert. Die genannten Besitzungen des Klosters werden auch auf den von Bloch, Monte Cassino I 253-255 ausführlich besprochenen Bronzetüren verzeichnet (vgl. dort außerdem zu den Listen in den Papsturkunden: II 643); vgl. allgemein zum Hintergrund Bloch, Tertullus. In der Sanctio wird nochmals eine umfassende Personengruppe kirchlicher und weltlicher Amtsträger genannt. Im Urkundentext sind zumindest Verfälschungen anzunehmen: der Name des Abtes ist irrig, denn Abt Bassacius starb wohl schon am 17. März 856, vgl. Hoffmann, Abtslisten von Montecassino 255-257. Das Eschatokoll stammt wohl aus einer Urkunde Johannes’ VIII. (JE 3381; IP VIII 126 n. 37); anstelle der Namen von Skriniar und Kaiser blieben in der ältesten Kopie nach Rasuren nicht neu beschriebene Lücken zurück, in denen wohl vorher die Namen Anastasius und Karolus standen. In der Handschrift des Petrus Diaconus ersetzte dieser Karolo durch Lothario, vgl. Caspar, Petrus Diaconus 160 und IP. Diese Version bietet auch der Druck bei Ughelli sowie die heute im Cod. Vat. lat. 12117 belegte fragmentarische ÜberlieferungF. Während Kehr in IP die Echtheit der Urkunde vor allem wegen der Textgleichheit mit dem Johannesprivileg verteidigte, geht die neuere Forschung (Hoffmann, Picasso) eher von einer Fälschung aus (bei Pohl 157 Anm. 28 könnte diese Urkunde durch die Nennung der JE-Nummer †2858 irrig mit n. † 619 gleichgesetzt werden, der Verfasser meint aber wohl das vorliegende Stück). Zu den in der Datierung genannten Personen vgl. Santifaller, Elenco 53 und 258. Die erschlossene Jahreszahl ergibt sich aus der Indiktionsangabe und bezeichnet lediglich den Zeitpunkt, auf den hin gefälscht worden sein könnte.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. †(?)497, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/da6aec89-f286-4378-aeae-78656c3c7ad9
(Abgerufen am 27.03.2017).