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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) entsendet die Bischöfe Radoald von Porto und Johannes von Cervia mit dem Auftrag zur Abhaltung einer Synode in Metz (n. 642) in der Eheangelegenheit König Lothars (II.) mit Theutberga und Waldrada.

Empfänger:
Bischöfe Radoald von Porto und Johannes von Cervia

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 594; n. 595; n. 596; n. 597; n. 598; n. 599; n. 863; Adventius von Metz, Narratio (MG Epist. VI 216 n. 5); Lib. pont. (Duchesne II 160); Ann. Fuldenses a. 863 (MG SS rer. G. [7] 57); Regino von Prüm, Chr. a. 865 (MG SS rer. G. [50] 82); Annalista Saxo (MG SS VI 578, MG SS XXXVII 81).

Reg.: –.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 62f.; Parisot, Lorraine 215f.; Engelmann, Legaten 53-63; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 315f.; Perels, Nikolaus 71; Haller, Nikolaus 35; De Clercq, Législation II 250; Riesenberger, Prosopographie 138; Schieffer, Beziehungen karolingischer Synoden 152f.

Kommentar

Die Namen der vom Papst ausgewählten Legaten sind vor allem aus den Erwähnungen in den angegebenen Papstbriefen bekannt; von den angeführten historiographischen Quellen nennt nur Regino von Prüm Radoald und als dessen Begleiter irrig den Bischof Hagano von Bergamo, vgl. auch Engelmann. Die Legation wird rückblickend in n. † 683, n. 739 und n. 742 jedoch nur in allgemeiner Weise gewürdigt. Zur Vorgeschichte der Gesandtschaft vgl. n. 574 und n. 579. Wie n. 595 erkennen läßt, hatte der Papst offensichtlich zunächst an die Entsendung anderer Legaten gedacht. Perels 210f. vermutet die Initiative des Anastasius Bibliothecarius bei der erneuten Verwendung des als Anhänger des Kaisers geltenden Bischofs Radoald von Porto, der Ende 861 von einer später kritisierten Legation aus Konstantinopel (vgl. n. 563 und n. 570) zurückgekehrt war, vgl. auch Georgi, Erzbischof Gunthar 23 zur erneuten Entsendung Radoalds trotz der wohl bereits bekannt gewordenen Vorwürfe zu dessen Verhalten in Byzanz. Der von Perels angenommene Einfluß des Anastasius im päpstlichen Umfeld könnte demnach in der zweiten Hälfte des Jahres 862 wieder zugenommen haben. Die Bischöfe Radoald und Johannes werden in n. 598 und n. 599 als Übermittler der entsprechenden Briefe bezeichnet, ziemlich sicher beförderten sie auch n. 594, n. 595, n. 596, n. 597 und wahrscheinlich n. 592 sowie möglicherweise die nicht erhaltenen Briefe bezüglich Ingiltruds (n. 593), sofern diese nicht erst zusammen mit n. 604 und n. 605 entsandt wurden. Da diese in n. 605 als epistolae synodicae bezeichnet werden, glaubt Hefele-Leclercq an die vorherige Bestätigung durch eine römische Synode, jedoch muß dies Spekulation bleiben; die Neubearbeitung in MG Conc. IV verzeichnet hierzu nichts. Ob die Legaten das zeitlich nicht eindeutig festzulegende Commonitorium (n. 589) persönlich vom Papst erhielten oder ob es ihnen nachgesendet wurde, kann nicht eindeutig geklärt werden. Sicher ergibt sich aber aus der Datierung der Briefe der Zeitpunkt des Legationsauftrags: Die beiden Bischöfe müssen bald im Anschluß unter dem Schutz von Kaiser Ludwig II. (vgl. n. 594) ins Frankenreich aufgebrochen sein. Es ist unnötig, mit Parisot eine Verzögerung des Aufbruchs bis Februar oder März 863 anzunehmen, da es dieser Annahme zur Erklärung späterer Schreiben nicht bedarf, vgl. n. 589. Außerdem wurde die Metzer Synode (n. 642) erstmals zum 2. Februar 863 von den Legaten wohl im Reiche Lothars II. einberufen, was einen Aufbruch der Gesandten Ende 862 trotz der schwierigen Reiseverhältnisse in dieser Zeit nahelegt, vgl. Engelmann und Haller.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 600, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d576bcd0-a3f7-4905-8be6-1651f344944e
(Abgerufen am 24.03.2017).