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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Das Konzil unter Vorsitz von Papst Nikolaus (I.) faßt am (dritten) Tag (sequenti vero die, Lib. pont.) in der domus Leoniana (des Lateran) auf vorgetragene Beschwerden von Leuten aus der Emilia folgende Beschlüsse bezüglich des Erzbischofs Johannes (VII.) von Ravenna: (1) Johannes solle alle zwei Jahre (jedes Jahr, Lib. pont.) nach Rom kommen (B und Lib. pont.); (2) Johannes solle die Bischöfe in der Emilia erst nach Wahl durch (den dux, Lib. pont.) Klerus und Volk (und nach Vorlage eines päpstlichen Erlaubnisschreibens, B und Lib. pont.) weihen; (3) Johannes solle den Bischöfen, die nach Rom reisen wollen, den Besuch beim Apostolischen Stuhles gestatten; (4) Johannes solle keine unkanonischen Forderungen an sie stellen und insbesondere diejenige des tricesimalis unterlassen (nur Lib. pont.); (5) Johannes solle die Rechte und Besitztitel von Personen nicht bestreiten oder beanspruchen und Streitigkeiten vor dem Papst, seinem Abgesandten oder dem Vestarar klären (B und Lib. pont.); (6) Johannes solle die Freien und die freien Kolonen der Pentapolis und Emilia nicht von der öffentlichen Gerichtsbarkeit ausnehmen (B); (7) Johannes solle die widerrechtlich auf die Ravennater Kirche S. Apollinaris (in Classe) übertragenen Besitzungen und Rechte des hl. Petrus rückgängig machen und zukünftig unterlassen (B und C). Pontificatus domini Nicholai summi pontificis et universalis papae anno IIII (III, B), imperii piissimi Augusti Hludoici anno undecimo, die octava decima mensis Novembris, indictione X (B und C).

Überlieferung/Literatur

Drucke: Konzilsakten (nach Hss. mit verschiedenen Kanones): MG Epist. VI 614 Anm. 1 (Fassung B); Mansi, Coll. XV 598 (Fassung C); Lib. pont. (Duchesne II 157f.; Přerovský II 607f.); MG Conc. IV 62-67 (Berücksichtigung der Fassungen B und C sowie einer weiteren Hs.).

Erw.: n. 560; n. 565; Lib. pont. (Duchesne II 157f.; Přerovský II 607f.); Libellus de imp. potestate (Zucchetti, FSI LV 201f.); Pseudo-Liudprand, Liber (Migne, PL CXXIX 1251); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 295f.).

Reg.: Georgisch, Reg.I 125; J p. 238 und 240; JE I p. 343 und 345; Böhmer-Mühlbacher2 n. 1222a; IP V 8 n. 35 und 41 n. 108; Reg. chartarum Pistoriensium 37f. n. 43; Böhmer-Zielinski n. 201.

Lit.: Werminghoff, Synoden 629; Schmidt, Kirche von Ravenna 765f.; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 287 und IV,2 1343f.; Buzzi, Ravenna e Roma 117; Perels, Nikolaus 51; Brandi, Ravenna und Rom 33; Simonini, Autocefalia 177; Belletzkie, Nicholas and John of Ravenna 262-264 und 269; Bishop, Nicholas 316; Heidrich, Ravenna 29; Hartmann, Synoden 294-296; Hartmann, Konzilien und Geschichtsschreibung 492f.; Rauty, Storia di Pistoia 177; Scholz, Politik 201.

Kommentar

Zur komplizierten Überlieferung vgl. inzwischen vor allem Hartmann in MG Conc. IV 58-62. Die beiden Fassungen B und C gehen auf zwei verschiedene hs. Überlieferungsstränge zurück, C ist eine Kurzfassung mit nur drei Kanones. Der Lib. pont. läßt die beiden letzten Kanones weg, hat dafür aber einen weiteren (4). Aus dieser Überlieferungslage folgt auch eine unterschiedliche Numerierung der Kanones in B und C (Lib. pont. ist nicht numeriert). Bei Hartmann (MG Conc. IV) werden die verschiedenen Fassungen mit entsprechenden Differenzierungen im Apparat zusammengefaßt. Der unter (4) regestierte und nur im Lib. pont. belegte Beschluß, den auch n. 560 aufgreift, wird von Hartmann (in MG Conc. IV 60) gesondert abgedruckt. Berücksichtigt man diesen als Synodalentscheidung, so ergibt sich die von Hartmanns Edition hier abweichende Anzahl von 7 Konzilskanones. Pseudo-Liudprand basiert auf dem Lib. pont. und verzeichnet inter cetera nur den Passus zur Weihe der Bischöfe. Auch die Lib. pont.-Fassung des Petrus Guillelmus sowie der davon abhängige Thomas Ebendorfer führen Kanones der Synode auf (die bei Ebendorfer teilweise sogar auf die entsprechenden Stellen der gängigen Sammlungen wie Gratian bezogen werden, vgl. die Edition 296 mit Anm. 12 und 13). Zum System der tricesimalis, das auch in n. 560 erneut thematisiert wird, vgl. Duchesne II 169 Anm. 31. Viele der Beschlüsse werden in n. 560 aufgegriffen. Dieser Brief gehört in den Zusammenhang der Synode und beschreibt die Beschwerden der Bischöfe im einzelnen. Fassung B enthält nach diesem Synodalbrief den in n. 560 besprochenen Vermerk zum Schreiber Leo, der vielleicht auch für die Abfassung der Synodalkanones gelten könnte. Es folgen je nach Überlieferungsstrang unterschiedliche Unterschriftslisten der an der Synode teilnehmenden Bischöfe und Kleriker (vgl. MG Conc. IV 64-67).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 559, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/cfa8d9be-3add-46ca-a9fd-cca54914c490
(Abgerufen am 19.10.2017).