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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) bannt Ingiltrud, die Gemahlin (des italischen Grafen) Boso.

Empfänger:
Ingiltrud

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 670; n. 671; n. 845; n. 863.

Reg.: –.

Lit.: Sdralek, Hinkmars Gutachten 186; Dümmler, Ostfränk. Reich II 17; Parisot, Lorraine 166; Poupardin, Provence 302; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 249f.; Perels, Nikolaus 68 Anm. 4; Cazzani, Vescovi Milano 80; Hlawitschka, Oberitalien 159; Bougard, Divorce de Lothaire 42 Anm. 44.

Kommentar

Über die Umstände, die zum Bann über Ingiltrud geführt haben, berichten vor allem die beiden Erwähnungen n. 670 und n. 863 mit leichten Abweichungen: Während n. 670 nur von einer päpstlichen sententia auf Rat des Erzbischofs Tado von Mailand und anderer Bischöfe spricht, verzeichnet n. 863 das Anathem durch eine päpstlich gebilligte Synode in Mailand, das aufgrund des Fernbleibens Ingiltruds innerhalb einer festgelegten Frist verhängt und vom Papst gemäß den Kanones (JK 664; Hinschius, Decretales 642) bestätigt worden sei (consensu nostro firmavimus). Da n. 863 die Vorgeschichte in Bezug auf Ingiltrud insgesamt wesentlich ausführlicher darlegt, spricht einiges für eine Synode in Mailand, die laut Perels jedoch zeitlich nicht sicher festzulegen sei. Die päpstliche Bestätigung dürfte unmittelbar im Anschluß an diese Synode (die offensichtlich nur in n. 863 erwähnt wird und in MG Conc. IV entsprechend unberücksichtigt blieb) erfolgt sein; zu einer späteren Urteilsbestätigung siehe n. 670. Der von Cazzani für die Mailänder Synode vorgeschlagene späte Termin von 863 ist allerdings schon deshalb unwahrscheinlich, weil Ingiltruds Gemahl Boso bereits im Juni 860 – wohl nach der Synode – den Koblenzer Verhandlungen (Böhmer-Mühlbacher2 n. 1290b, n. 1443b) beiwohnte. Geht man von der Sedenzzeit des Erzbischofs Tado von Mailand aus, der sein Amt nach neueren Forschungen Ende November 860 antrat (vgl. n. 528), dann ist eine noch von Sdralek, Parisot, Poupardin und Hefele-Leclercq erwogene Frühdatierung auf Ende 859 bis Anfang 860 ebenso ausschließen wie der von Dümmler vertretene Zeitansatz (Frühjahr 860). Bougard weist zudem darauf hin, daß die Exkommunikation Ingildtruds in den von Graf Boso im Oktober 860 ins Westfrankenreich überbrachten Papstbriefen (n. 517; n. 518) noch als Drohung und nicht als vollendete Tatsache erscheint; deshalb sollte auf Ende 860 datiert werden.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 537, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c518eefb-1ed8-43ad-a4d1-bf0da94c8374
(Abgerufen am 17.01.2017).