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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) antwortet dem Erzbischof Arduicus von Besançon (reverentissimo et sanctissimo confratri nostro Arduico Bisontionesi archiepiscopo) mit Hinweisen auf die Gehorsamspflicht gegenüber dem Papst auf dessen Anfragen (Gall. Pont. I 40 n. *6): I. Zu Ehefragen bezüglich zweier nacheinander mit zwei Schwestern oder Brüdern eingegangenen Ehen verweist er auf das Konzil von Neocaesarea und Papst Siricius (JK 255), auch hinsichtlich der Erteilung des viaticum. II. Zum Inzest nennt der Papst die Entscheidungen der Päpste Gregor (II.) (JE I p. 250 oder Gregor III., JE 2239), Zacharias (JE 2277 und JE 2306) und weiterhin biblische Beispiele. Demnach solle nach Trennung und Buße keine neue Ehe eingegangen, sondern keusch gelebt werden, nur nach Tod eines Partners könnten auch Frauen eine neue Verbindung beginnen, wie schon Papst Leo (I.) (JK 544) bestimmt habe. III. BeimVergehen der Sodomie solle nach Bußleistung keusch gelebt werden. IV. Eine Bischofswahl sei bei Wahl durch Klerus und Große der civitas und bei Vorliegen eines Glaubensbekenntnisses gültig, ein so gewählter Bischof dürfe nicht mehr von seinem Amt entfernt werden. V. Zum Chorepiskopat verweist Nikolaus bezüglich der Weihe von Priestern und Diakonen auf die Kanones, verweigert diesen aber das Recht zur Kirchweihe und tadelt Arduicus. Auch das Recht zur Firmung (infantes consignare) wird mit Verweis auf (Papst) Innozenz (I.) (JK 311; IP IV 82 n. 1) den Bischöfen vorbehalten. VI. Zum Fall eines Priesters antwortet der Papst, daß dieser nach einem Vergehen nicht, wie schon Papst Gregor (I.) (JE 1513) dargelegt habe, wieder aufgenommen werden könne. – Der Papst verweist abschließend auf weitere Beratungsmöglichkeiten mit Bischof Arsenius (von Orte), den er als Apokrisiar und Gesandten geschickt habe (n. 759). In einem (später zugefügten) VII. Kapitel regelt Nikolaus (I.) die Strafen bei kognatischen Verwandtenmorden.

Incipit:
Inter cetera virtutum tuarum insignia ...
Empfänger:
Erzbischof Arduicus von Besançon

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 10. Jh., Troyes Bibl. mun. Ms. 1406 fol. 11r-13r; 17. Jh., Brüssel Bibl. des Bollandistes Ms. 220 fol. 10.

Insert: Coll. can. (12. Jh., Troyes Bibl. mun. 1064, fol. 7v).

Drucke: Achéry, Spicilegium XII 42, I 596; Mansi, Coll. XV 459; Migne, PL CXIX 918; MG Epist. VI 641-643 n. 123.

Reg.: J 2107; Anal. iur. pont. X 129 n. 93; JE 2787; Gall. Pont. I 40 n. 7.

Lit.: Imbart de la Tour, Élections épiscopales 137; Perels, Nikolaus 175 Anm. 3; Congar, Nicolas Ier 409; Haller, Nikolaus 50 Anm. 127; Hartmann, Konzil von Worms 70f.; Szabó-Bechstein, Libertas Ecclesiae 68; Fohlen, Hist. Besançon I 214; Bishop, Nicholas 80, 250 Anm. 2, 264; Heidecker, Kerk, huwelijk en politieke macht 183.

Kommentar

Zur Überlieferung des päpstlichen Antwortschreibens, das von Perels in MG Epist. VI noch nach älteren Drucken wiedergegeben wurde, vgl. Gall. Pont., wo auch die kanonistische Überlieferung zu Kapitel IV angegeben ist. Wegen eines Brandes konnten die Hss. in Troyes nicht eingesehen werden. Die Anfrage an den Papst (Gall. Pont. I 40 n. *6) ist sonst nirgendwo belegt. Zur zitierten Dekretale Leos I. (JE 544) in Ehefragen vgl. n. 711. Die Bestimmungen über die Kirchweihe (V) gehen auf Gelasius I. zurück, vgl. hierzu allgemein Benz, Kirchweihe 5f.; interessanterweise wird aber auch in den pseudoisidorischen Dekretalen besonderer Wert darauf gelegt, den Chorbischöfen die Kirchweihe zu untersagen (Hinschius, Decretales 438f., 513, 628), vgl. MG Epist. VI 643 Anm. 3 sowie Fuhrmann, Pseudoisidor. Fälschungen I 235 u. ö. Zur Institution des Chorepiskopats im allgemeinen vgl. Kottje, Chorbischof (LexMA II 1884-1886). Die im selben Abschnitt (V) verwendete Bezeichnung infantes consignare könnte mit Blick auf das Zitat aus dem Innozenzbrief vielleicht nicht nur als Taufe, sondern auch als Firmung verstanden werden, vgl. Cabié, Lettre du pape Innocent Ier 22f. mit Anm. 2 und 44-48. Aus der abschließenden Bemerkung, Arsenius sei ins Frankenreich entsandt worden (vgl. n. 759), ergibt sich die ungefähre zeitliche Einordnung.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 758, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c148f4b8-c350-4a1b-9510-f7464de125a6
(Abgerufen am 24.07.2017).