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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) bestätigt (indulgemus, concedimus atque firmamus) unter allgemeiner Verkündigung (uniuersis Christi fidelibus) dem Kloster Saint-Denis in Leberau (dilectis filiis monasterii Christi martyris Dionysii in abbatiola Lebracensi ... degentibus) gemäß dem Bittbrief König Karls (des Großen) (scripta petitoria ... regis Caroli) und gemäß den königlichen Urkunden, insbesondere derjenigen Karls (des Großen) (MG DD Kar. 1 n. †262; Böhmer-Mühlbacher2 n. †380) allen Besitz, Rechte und Einkünfte, erläßt Alienationsverbot, erklärt widersprechende Briefe für nichtig, verbietet Übergriffe von Erzbischöfen und Bischöfen oder deren iudices und empfiehlt auf Bitten Karls das Kloster der besonderen Fürsorge der Erzbischöfe von Mainz und Trier sowie deren Suffragane. Datum XIIII. kal. maii per manus Huberti cancellarii sancte apostolice sedis in Lateranensi basilica, pontificatus nostri anno tercio.

Incipit:
Quoniam, iuxta scripta petitoria filii...
Empfänger:
Kloster Saint-Denis in Leberau

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 1348, Nancy Arch. dép. Meurthe-et-Moselle: Vidimus König Karls IV. von 1348 April 27 G 393.

Drucke: Grandidier, Hist. Strasbourg II Cod. dipl. CLIf.; Migne, PL CXXIX 1013-1015; Große, PUU Frankreich IX 92-95

Reg.: J CCCXLIII; JE †2686; Große, PUU Frankreich IX 32 n. 22

Lit.: Hessel, Bulles St-Denis 399f.; Levillain, Études III 326f. Anm. 3; Santifaller, Elenco 259; Büttner, Lothringen 60-64, 72.

Kommentar

Die seit langem als Fälschung erwiesene Urkunde ist vollständig wohl nur im angegebenen Schriftstück Karls IV. tradiert, vgl. zu dessen Überlieferungen Meinert, PUU Frankreich I 99 sowie allgemein zu den Archivalien von Leberau GP III 52 und zuletzt eingehend Grosse. Eine deutsche Übersetzung des Vidimus von Karl IV. findet sich laut Hessel 399 in Paris Bibl. nat., Coll. de Lorraine 138 fol. 20, vgl. zu allen diesen Abschriften Grosse. Nach Böhmer-Huber n. 6526 bestätigte Karl IV. wohl auch die oben erwähnte Urkunde Karls des Großen (MG DD Kar. 1 n. †262; Böhmer-Mühlbacher2 n. †380) für Leberau. Zur Verwendung des LD vgl. Santifaller, LD 94 und die Neuedition bei Grosse samt Vorbemerkung. Das Formular folgt ansonsten der Urkunde n. 618 und JL 4456 (Grosse n. 17), einer Urkunde Nikolaus’ II. (besonders in der Datierung). Ebenso gibt es leichte Anklänge an eine Urkunde Coelestins III. (Grosse n. 100). Zu weiteren Formularübereinstimmungen mit gefälschten karolingischen Königsdiplomen vgl. schon Büttner 60-62 (ND 240-243) sowie 75f. (ND 261f.). Die von Abt Fulrad von Saint-Denis gegründete Mönchszelle Leberau (Lièpvre) hatte dieser dem Kloster Saint-Denis in seinem Testament vermacht, vgl. hierzu außer der in GP III genannten Literatur Büttner 60f. (ND 238f.), Wilsdorf, Prieuré de Lièpvre 120-124 sowie Stoclet, Autour de Fulrad 112 (mit weiteren Literaturhinweisen in Anm. 2). Die Erwähnung einer Nikolausurkunde im Privileg Nikolaus’ II. (JL 4456; Grosse n. 17) für Leberau bezieht sich wohl auf n. 624, so daß die vorliegende Bestätigung erst später als diese Urkunde Nikolaus’ II. gefälscht worden sein kann, wofür auch die erwähnte Übernahme von Teilen des Formulars spricht. Das Datum der Urkunde Nikolaus’ II. wurde in der vorliegenden Bestätigung von anno tertio domni Nicolai secundi pape in: pontificatus nostri anno tertio geändert. Als Fälschungszeitpunkt kommt laut Hessel frühestens das ausgehende 12. Jh. in Frage, spätestens die Zeit kurz vor dem Transsumpt Karls IV.; Büttner 61f., 64 und 71 (ND 240f., 245 und 255) denkt eher an das 13. als an das 14. Jh., besonders wegen der in dieser Zeit aktuellen Be-stimmungen zur Vogtei in den verschiedenen mit dieser Urkunde zusammenhängenden Fälschungen. Der Name des in der Datierung genannten Kanzlers Hubert (vgl. Santifaller, Elenco 53 und 259 sowie 178) ist vielleicht aus der Datierung der Urkunde Nikolaus’ II. übernommen und spielt damit eventuell auf den unter diesem Papst als Datar tätigen Bischof Humbert von Silva Candida an.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. †544, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c105b70d-52b4-46e7-8550-df42ed107db6
(Abgerufen am 17.01.2017).