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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) dankt König Ludwig (dem Deutschen) (Hludowico glorioso regi) in Beantwortung eines über dessen Zusammenkunft mit König Karl (dem Kahlen) (in Metz) berichtenden Briefes für seine Bemühungen um den dort abwesenden, in (Frankfurt) jedoch anwesenden Lothar (II.), beklagt hingegen mit Bezug auf dessen Berichte (n. 849) die geringen Erfolge der päpstlichen und königlichen Ermahnungen an Lothar (II.), verbietet diesem zunächst, nach Rom zu kommen, da er die Rückkehr Waldradas in die Gallia auf ihrer (er-sten) Romreise in Pavia (Ticinum) veranlaßt und sie noch nicht (erneut) nach Rom gesandt habe, da er (weiterhin) seit der Rückkehr seines Legaten (Arsenius) Theutberga nicht als Königin behandle und da für Trier und Köln eine kanonische Wahl und Weihe neuer Vorsteher (antistes) unter Ausschluß der Günstlinge der ehemaligen (Erz)Bischöfe Thietgaud (von Trier) und Gunther (von Köln) sowie derjenigen Waldradas bisher noch nicht stattgefunden habe. – (In einer Nachschrift) verfügt der Papst zusammen mit dem (königlichen) Boten die Erhebung und Ablieferung der Einkünfte aus den in (Bayern) gelegenen Besitzungen des hl. Petrus bis zum Mai 868 (mediante Maio mense huius primae indictionis), nachdem sein Legat Arsenius in Rom nichts übergeben hatte, und erwägt nach Aufzählung verschiedener Transportmöglichkeiten auch unter Bezugnahme auf mögliche Hilfe des Kaisers (Ludwig II.) eine spätere Übersendung nach Bologna oder Ravenna (Bononiam aut Ravennam), damit er selbst einen Weitertransport nach Rom (Romam) veranlassen könne.

Originaldatierung:
Data III. Kalendas Novembris indictione prima.
Incipit:
Syllabarum vestrarum tenore pandistis vos ...
Empfänger:
König Ludwig (dem Deutschen)

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: Ende 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1557 fol. 76r-78r; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol 248v-251r; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 183r-188r.

Insert: Anselm von Lucca, Coll. can. (Version A) (12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 1363 fol. 212v) (fragm.); Deusdedit, Coll. can. IV 175 (Wolf von Glanvell 487) (fragm.); Coll. XIII librorum (12. Jh., Berlin StBibl. Preuß. Kulturbesitz: Ms. Savigny 3 fol. 143rb) (fragm.); Ivo von Chartres (?), Coll. tripartita I 62, 12 (Ende 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3858B fol. 64vb; 13. Jh., Berlin StBibl. Preuß. Kulturbesitz: Ms. Lat. Fol. 197 fol. 83ra) (fragm.); Coll. X partium (12. Jh., Köln Hist. Arch.: W. Kl. Fol. 199 fol. 134v); Coll. III librorum (Anf. 12. Jh., Rom Vat.: Cod. Vat. lat. 3831 fol. 82ra) (fragm.); Coll. Caesaraugustana (12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3876 fol. 37v; 12. Jh., Barcelona Arch. Cor. Aragón: S. Cugat 63, fol. 60r); Coll. IX librorum (12. Jh., Rom Bibl. Vat. Arch. di San Pietro: C. 118 fol. 75vb) (fragm.); Coll. XIII librorum (12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 1361 fol. 221rb) (fragm.); Coll. can. (Anf. 12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 3829 fol. 264r) (fragm.); Gratian, Decretum C. II q. I c. 16 (Friedberg I 445) (fragm.).

Drucke: Carafa, Epist. III 205; Sirmond, Conc. Gall. III 339; Labbe-Cossart, Conc. VIII 441; Mansi, Coll. XV 327; Migne, PL CXIX 1174; (Bouquet, Recueil VII 428; MG Epist. VI 334-338 n. 51.

Reg.: Bréquigny, Table I 278; J 2183; Anal. iur. pont. X 161 n. 139; Goerz, Mittelrhein. Reg. 187f. n. 661; JE 2884; Böhmer-Mühlbacher 1281d; Böhmer-Mühlbacher2 n. 1316a; Oediger, Reg. Köln I 72 n. 217; GP VII 28 n. 46; GP X 35 n. 42.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 169f.; Imbart de la Tour, Élections épiscopales 138; Parisot, Lorraine 303f.; Perels, Patrimonien in Deutschland 485; Foerster, Kölner Bischofswahlen 59; Perels, Nikolaus 130f. und 145f.; Haller, Nikolaus 63 Anm. 169, 72-74, 133 Anm. 358; Grotz, Hadrian 98; Bishop, Nicholas 157, 226; Staubach, Herrscherbild 151f.; Heidecker, Kerk, huwelijk en politieke macht 181, 194f., 201; Bigott, Ludwig der Deutsche 203.

Kommentar

Zu den Handschriften und zur Überlieferung vgl. Perels, Briefe I 550-553 und 565-569 sowie Jasper, Beginning 112-114. Zu den kanonistischen Sammlungen ist zu vergleichen: zu Anselm von Lucca und Deusdedit Perels, Briefe II 73-83, Kéry, Canonical Collections 218-226 und 228-233, Jasper, Beginning 120-123 und Fowler-Magerl, Clavis Canonum 139-148 und 160-163. Zu dem Insert bei Anselm von Lucca auch Cushing, Papacy 185f., die eine Teiledition der Bücher XII und XIII vorgelegt hat (das Insert dort unter XII 34). Zur Coll. XIII librorum der Hs. Berlin, StBibl. Preuß. Kulturbesitz, Savigny 3 vgl. Kéry 226f. und Fowler-Magerl 155f.; zur Coll. tripartita Perels II 97-109, Kéry 244-250, Jasper 124 und Fowler-Magerl 187-190; zur Coll. X partium der Hs. Köln, Hist. Arch. W. Kl. Fol. 199 vgl. Kéry 287 und Fowler-Magerl 191f.; zur Coll. III librorum Kéry 269-271 und Fowler-Magerl 234f.; zur Coll. IX librorum im Arch. di San Pietro C. 118 Kéry 271f. und Fowler-Magerl 235f.; zur Coll. XIII librorum der Hs. Vat. lat. 1361 Kuttner 130-132, Kéry 291f. und Fowler-Magerl 225f. sowie zur Coll. can. der Hs. Vat. lat. 3829 Kéry 288, Jasper 123 und Fowler-Magerl 216-218. Die päpstliche Antwort auf den nicht erhaltenen Brief König Ludwigs wurde wohl zusammen mit n. 862 und n. 863 übersandt. Eventuell erfolgte die königliche Anfrage durch eine auf der Zusammenkunft von Frankfurt (Böhmer-Mühlbacher2 1315d) abgefertigte Gesandtschaft zusammen mit derjenigen, die zur Ausstellung von n. 862 führte, vgl. Parisot. Zu der angesprochenen Zusammenkunft von Metz vgl. Böhmer-Mühlbacher2 n. 1463, zu der vom Papst geforderten Romreise Waldradas und zu deren Abbruch in Pavia vgl. Dümmler 136 sowie n. 800 und n. 842. Die Wahl neuer Bischöfe in Trier und Köln hatte Nikolaus bereits in n. 855 gefordert, die im Brief genannten sacrorum canonum praecepta beziehen sich wohl auf das Konzil von Chalkedon c. 25 (Schwartz, Acta II,2 39f., 60, 92; Hinschius, Decretales 287). Die Schlußbemerkung des Papstes (auch zu den accusatores und zum accusator fratrum, vgl. n. 786), offenkundige Verbrechen wie dasjenige König Lothars II. bedürften nicht der Anklage, findet sich mit kleinen Abweichungen bei Gratian, Decretum C. II q. I c. 16 (Friedberg I 445), allerdings mit der Adresse an König Karl (den Kahlen); vielleicht ist deshalb sogar ein zeitgleiches Deperditum für diesen Herrscher anzunehmen. – Die Nachschrift, die den nicht näher gekennzeichneten königlichen Boten erwähnt, bezieht sich unter anderem auf den Auftrag des früheren Legaten Arsenius (n. 759) und dessen Unterschlagung der eingetriebenen Einkünfte, vgl. Engelmann, Legaten 73. Zum päpstlichen Besitz in Bayern vgl. außer Perels: Riedner, Patrimonien 11, Brackmann, Salzburger Kirchenprovinz 103-112, Klebel, Probleme der bayrischen Verfassungsgeschichte 325-331 sowie n. † 327 (Leo IV.) und GP I 12 n. 24. Die vor dieser Nachschrift stehende Datierung lautet nur in der römischen Handschrift abweichend auf den 29. Oktober 867, vgl. bereits Pflugk-Harttung, Iter 102; vielleicht ist dies auf einen Kopistenfehler zurückzuführen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 861, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c064c147-d70a-4615-bd19-14e511867095
(Abgerufen am 23.03.2017).