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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) ermahnt den Episkopat im Reiche König Karls (des Kahlen) (omnibus reverentissimis et sanctissimis confratribus nostris archiepiscopis et episcopis in regno Karoli gloriosi regis constitutis) mit Zitaten zahlreicher Bibelstellen, sie mögen den König, dem an diesen gerichteten Papstschreiben (n. 737) entsprechend, zum Frieden anhalten; er ruft Karls einzuhaltendes Friedensversprechen gegenüber seinen Brüdern und deren Kindern (in Meersen 851) ins Gedächtnis, verweist auf den vom Papst aufgetragenen (n. 735) Kampf des Kaisers (Ludwig II.) gegen die Ungläubigen, der sein Schwert (macherae) gegen diese und nicht gegen Christen richten solle, erinnert an die von Papst (Leo IV.) vollzogene Kaiserkrönung (n. 220) und die kaiserliche Würde, empfiehlt schließlich seinen Legaten, Apokrisiar und Bischof Arsenius von Orte (Arsenium virum venerabilem episcopum Ortensem, apocrisiarium et missum apostolicae sedis et dilectum consiliarium nostrum), der im päpstlichen Auftrag (auctoritate nostra) handeln, schwierige Fälle (quae forte difficiliora sunt) jedoch dem Papst zur Entscheidung vorlegen solle (n. 759).

Incipit:
Studio nostro semper fuit et est...
Empfänger:
Episkopat im Reiche König Karls (des Kahlen)

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: Ende 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1557 fol. 68r-69r; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 229r-231v; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 159v-162r.

Erw.: n. 763; Ann. Bertiniani a. 865 (Grat 118).

Drucke: Carafa, Epist. III 130; Sirmond, Conc. Gall. III 268; Conc. coll. reg. XXII 261; Labbe-Cossart, Conc. VIII 401; Hardouin, Acta Conc. V 242; Mansi, Coll. XV 288; Migne, PL CXIX 913; (Bouquet, Recueil VII 404; MG Epist. VI 303-305 n. 34.

Reg.: Bréquigny, Table I 272; J 2104; JE 2774.

Lit.: Parisot, Lorraine 276; Engelmann, Legaten 66; Perels, Nikolaus 122-124; Haller, Nikolaus 50 Anm. 127, 57 Anm. 156, 59, 143; Trummer, Publizistische Allegorien 422; Bishop, Nicholas 161f.; Staubach, Herrscherbild 200; Goetz, Auctoritas et Dilectio 56 Anm. 103; Scholz, Politik 202f.; Erkens, Herrschersakralität 154f.

Kommentar

Zur Überlieferung in den angegebenen Handschriften vgl. Perels, Briefe I 550-553 und 565-568 sowie Jasper, Beginning 113f. Das Schreiben enthält auffällig viele Bibelzitate und stimmt teilweise mit dem gleichzeitig ergangenen Brief an Karl den Kahlen (n. 737) überein, vgl. auch dort zu möglichen Zusammenhängen sowie das weitere Schreiben in dieser Angelegenheit (n. 736). Zur Rolle Ludwigs II. vgl. Böhmer-Zielinski n. 241. Die Empfehlung des Arsenius ist an den eigentlichen, mit einer Sanctio endenden Brief angehängt. Zur Konzeption des Kaisertums vgl. Perels, zur Nennung des Schwertes Trummer. Die Annäherung des Papstes an Ludwig II. war vermutlich u. a. von allgemeinem politischem Kalkül bestimmt. Weil das Schreiben inhaltlich mit n. 736 sowie mit n. 737 und n. 741 zusammenhängt, ist es entsprechend zu datieren.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 740, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bba21c77-bacd-4c4e-983f-ecac980323b8
(Abgerufen am 21.10.2017).