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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) wird in Anwesenheit Kaiser Ludwigs (II.) in S. Peter zum Papst geweiht und feiert selbst die Messe.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 152; Přerovský II 596f.); Eugenius Vulgarius, De causa formosiana c. 1 (Dümmler, Auxilius 119); Gregor von Catino, Chr. Farfense (Balzani, FSI XXXIV 243); Flodoard von Reims, De Christi triumphis (Migne, PL CXXXV 820); Pseudo-Liudprand, Liber (Migne, PL CXXIX 1251); Sigebert von Gembloux, Chr. a. 857 (MG SS VI 340); Andrea Dandolo, Chr. (Pastorello, SS rer. Ital. XII,1 154); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 294).

Reg.: J p. 237; JE I p. 342; Böhmer-Mühlbacher2 n. 1216c; Böhmer-Zielinski n. 172; Hack, Empfangszeremoniell 609.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 53; Dopffel, Kaisertum und Papstwechsel 130f.; Heimbucher, Papstwahlen 173-175; Duchesne, État pontifical 235; Hartmann, Geschichte Italiens III/1 244; Perels, Nikolaus 26; Schieffer, Karolinger in Rom 107.

Kommentar

Die Weihe Nikolaus’ I. wird nur in den genannten Quellen ausdrücklich erwähnt. Zu weiteren Notizen über den Amtsantritt Nikolaus’ I. vgl. n. 421 sowie die in n. 867 verzeichneten Sedenzzeiten. Zur wahrscheinlichen Beteiligung des Kaisers bereits bei der Wahl vgl. n. 421. Die Weihe zum Papst erfolgte ohne vorherige Priesterweihe, vgl. Andrieu, Carrière ecclésiastique 100. Im Lib. pont. (auch in der Fassung des Petrus Gullielmus) wird im Anschluß an den Bericht über diesen Akt vermerkt, apostolicaque sublimatus in sede factus est. Fraglich bleibt, ob ein wirklicher Thron in S. Peter gemeint ist (so Gussone, Thron 186) oder ob damit nur das apostolische Amt bezeichnet wird (diese Interpretation bei Maccarrone, Cathedra Sancti Petri 183 sowie Maccarrone, Cathedra Sancti Petri [1985] 383, der generell bis 875 Bezeichnungen für einen Thron in S. Peter eher symbolisch versteht). Ebenso erfolgte entgegen Annahmen in der älteren Literatur keine Krönung des Papstes; die Quellenstelle (coronatur denique urbs ...) wurde wohl aufgrund falscher Interpunktion teilweise mißgedeutet, vgl. Perels. Die Datierung auf den 24. April, der – wie für die Weihe üblich – ein Sonntag war, ergibt sich aus der Rückrechnung vom überlieferten Todesdatum (867 November 13, vgl. n. 867) nach der Sedenzzeit von neun Jahren, sechs Monaten und 20 Tagen. Nicht in Einklang zu bringen ist diese Berechnung mit den Notizen zur Vakanz nach dem Tod Benedikts III., die zumeist mit 15 Tagen (somit 7 Tage zuviel) angegeben wird, so Chr. Basileensia (MG SS XXXI 287), Chr. pont. s. Bartholomaei (MG SS XXXI 210), Chr. pont. et imp. (MG SS XXIV 112), Gilbert von Rom, Chr. (MG SS XXIV 130), Hugo von St-Victor, Chr. (MG SS XXIV 95), Johannes de Deo, Chr. (MG SS XXXI 318), Radulf von Diceto, Cat. MG SS XXVI I 288). Andrea Dandolo, Chr. vermerkt einmal 16 Tage, an einer späteren Stelle jedoch nur sechs Tage (Pastorello, SS rer. Ital XII,1 153 und 166). Vgl. auch die weiteren zu Benedikt III. aufgeführten Sedenzzeiten in n. 420. Da die Abfassung aller zuletzt genannten Notizen jedoch nicht weiter als ins 12. Jh. zurückreicht, ist der im Lib. pont. überlieferten Sedenzzeit größere Glaubwürdigkeit zuzubilligen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 424, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ba2e8456-838f-4269-b101-5d2bffbc82aa
(Abgerufen am 22.01.2017).