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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) lobt die Könige Ludwig (den Deutschen) und Karl (den Kahlen) (Hludowico et Karolo gloriosissimis regibus) wegen ihrer (in Tusey) geschlossenen Eintracht (Böhmer-Mühlbacher2 n. 1304e und n. 1457b), tadelt jedoch mit Erwähnung der an die Erzbischöfe und Bischöfe in ihren Reichen und an die Erzbischöfe und Bischöfe im Reiche Lothars (II.) ergangenen Briefe (n. 723 und n. 724) die Antwort der Könige über die Nichtentsendung der Bischöfe zur Synode, kritisiert insbesondere neben der angeblichen Verweigerung des Durchzuges durch kaiserliches Gebiet für die Bischöfe aus dem Reich König Lothars (II.) die von Karl dem Kahlen angeführte Entschuldigung über die Beteiligung der Bischöfe beim Abwehrkampf gegen die (normannischen) Piraten, begründet die Notwendigkeit einer Synode zur Beratung über König Lothar (II.), vermißt die im königlichen Brief als Beilage genannte Mahnschrift an König Lothar (II.), verbietet (interdicimus) eine auch bereits durch kaiserliche Boten erbetene Romreise Lothars, billigt eine zweite angekündigte Ermahnung an Lothar (II.) um Johannis (24. Juni) (circa missam sancti Iohannis) durch beide Könige, fordert Lothars (II.) Eid über eine geziemende Behandlung der (Königin) Theutberga, gestattet eine Trennung der beiden nur bei beiderseitigem Keuschheitsgelöbnis, verweist auf die in dem durch den ehemaligen Bischof Radoald (von Orte) und Bischof Johannes (von Cervia) überbrachten Brief (n. 604) angedeutete (Exkommunikation) bei weiterem Widerstand Lothars (II.), übersendet durch Boten den Königen Abschriften der dem Bischof Arsenius mitgegebenen päpstlichen Schreiben (n. 737, n. 738, n. 739, n. 740 und n. 742), empfiehlt ihnen Vertrauen in Arsenius bezüglich (Bischof) Rothads von Soissons und (Graf) Albuins, ansonsten nur bei Feststellung der Authentizität der Schriftstücke, bittet um Informationen über die Verhandlungsergebnisse, entscheidet (decernimus) aufgrund ihrer Anfrage, in der Kölner Kirche einen Vorsteher (antistes) und ebenso in Cambrai nach kanonischer Wahl einen Bischof weihen zu lassen, tadelt schließlich die herabwürdigende Bezeichnung des dreißigjährigen Episkopates von (Bischof) Rothad von Soissons durch Karl (den Kahlen).

Incipit:
Credimus ex Dei dono, filii...
Empfänger:
Ludwig (der Deutsche) und Karl (der Kahle)

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1458 fol. 178r-180r; Ende 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1557 fol. 46r-47r; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 185r-188r; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 113r-116r. Insert: Deusdedit, Coll. can. IV 174 (Wolf von Glanvell 483) (fragm.); Bonizo von Sutri, Liber de vita christiana III 89 (Perels 101) (fragm.); Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 202r) (fragm.) Ivo von Chartres (?), Coll. tripartita I 62, 9 (Ende 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3858B fol. 64ra; Anf. 13. Jh., Berlin StBibl. Preuß. Kulturbesitz: Ms. Lat. Fol. 197 fol. 82va) (fragm.); Ivo von Chartres, Decretum V 334 (Migne, PL CLXI 424-425) (fragm.); Coll. VII librorum (Ende 11. Jh., Turin Bibl. naz. univ.: Ms. D. IV. 33 fol. 139r) (fragm.); Coll. Taurinensis (12. Jh., Turin Bibl. naz. univ.: Ms. E. V. 44 [903] fol. 79r); Coll. X partium (12. Jh., Köln Hist. Arch.: W. Kl. Fol. 199 fol. 91v) (fragm.); Coll. Caesaraugustana (12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3875 fol. 25v; 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3876 fol. 24v; 12. Jh., Barcelona Arch. Cor. Aragón: S. Cugat 63, fol. 34r) (fragm.); Gratian, Decretum C. II q. V c. 22, C. XXVII q. II c. 26 und C. XXXIII q. II c. 4 (Friedberg I 464, 1070 und 1151f.) (fragm.).

Drucke: Carafa, Epist. III 132; Sirmond, Conc. Gall. III 270; Conc. coll. reg. XXII 264; Labbe-Cossart, Conc. VIII 403; Hardouin, Acta Conc. V 244; Hartzheim, Conc. Germ. II 296; Mansi, Coll. XV 290; Migne, PL CXIX 921; (Bouquet, Recueil VII 401; MG Epist. VI 309-312 n. 38.

Reg.: Bréquigny, Table I 272; J 2108; Anal. iur. pont. X 127 n. 89; JE 2788; Oediger, Reg. Köln I 70 n. 210; GP VII 27 n. 41.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 115f. und 129f.; Lapôtre, De Anastasio Bibliothecario 123-125 (ND 247-249); Parisot, Lorraine 270 und 274-276; Perels, Berufungsschreiben 136, 141f. und 144; Vogel, Normannen 210; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 361f.; Engelmann, Legaten 65f.; Perels, Nikolaus 120 Anm. 3, 124f. und 289-292; Haller, Nikolaus 59f., 63 Anm. 167, 66 Anm. 177; Prinz, Klerus und Krieg 22; Bittarelli, La consuetudo 18; Bishop, Nicholas 151, 191, 210; Staubach, Herrscherbild 150, 195; Nelson, Church’s Military Service 28f. (ND 130f.); Goetz, Auctoritas et Dilectio 56 Anm. 105; Heidecker, Kerk, huwelijk en politieke macht 195f.; Hack, Cod. Carolinus I 309 Anm. 499.

Kommentar

Die kanonistische Sammelhandschrift Paris Ms. lat. 1458 stammt in diesem Teil aus dem 9. Jh., vgl. dazu Perels, Briefe I 570-572, Mordek, Bibl. capitularium 412-414 und Jasper, Beginning 114; zu den anderen Hss. vgl. Perels I 550-553 und 565-568 sowie Jasper 113f. Zur Coll. Brit. und ihrer Entstehungszeit vgl. Perels, Briefe II 86-90, Herbers, Leo 63-72, Kéry, Canonical collections 237f., Jasper 109f., 122-124 und Fowler-Magerl 184-187. Zur Coll. tripartita vgl. Perels II 97-109, Kéry 244-250, Jasper 124 und Fowler-Magerl 187-190. Zur Coll. VII librorum in der Hs. Turin, Bibl. naz. univ.: Ms. D. IV. 33 und ihrer Entstehungszeit sowie dem Entstehungsort vgl. Kéry 265 und Fowler-Magerl 163-166. Zur Coll. Taurinensis vgl. Pflugk-Harttung, Fälschung von Canones, Perels II 120-125, Kéry 284 und Fowler-Magerl 172f. Zur Coll. X partium der Hs. Köln, Hist. Arch. W. Kl. Fol. 199 vgl. Kéry 287 und Fowler-Magerl 191f. Vgl. zu den drei Fassungen der Coll. Caesaraugustana n. 433 sowie Perels II 114-117, Kéry 260-262 und Fowler-Magerl 239-244. Der Brief verdeutlicht offen die päpstliche Entrüstung über die nicht zustandegekommene Maisynode von 865, vgl. zu deren Einberufung vor allem n. 723. Die Könige des Ostfranken- und Westfrankenreiches entsandten wohl nach der Zusammenkunft in Tusey am 19. Februar 865 (MG Capit. II 165; Böhmer-Mühlbacher2 n. 1304e und n. 1457b) einen gemeinsamen Boten mit Briefen, die jedoch nur im vorliegenden Papstschreiben erwähnt sind (vgl. das Regest bei Lot-Brunel-Tessier, Recueil II n. 282), nach Rom, dem der Papst die vorliegende Antwort mitgab. Daß die Könige nicht unbedingt, wie bisher angenommen, einen gemeinsamen, sondern jeweils eigene Briefe ausstellten, macht der nur an König Karl den Kahlen gerichtete päpstliche Tadel in Bezug auf die Charakterisierung des Bischofs Rothad von Soissons wahrscheinlich. Zu den Angelegenheiten um Rothad von Soissons vgl. vor allem n. 727, n. 728, n. 746, n. 747, n. 748, n. 749; zu Graf Albuin Dümmler 103f. Den Anfragen um die Bistumsbesetzungen in Cambrai und Köln waren bereits frühere Papstbriefe gewidmet (vgl. n. 632, n. 633, n. 634 und n. 678, beachtenswert ist jedoch, daß der Papst nunmehr Karl den Kahlen und Ludwig den Deutschen über die Bistümer im Reiche Lothars II. anspricht. Der Brief zeugt aufgrund der beigefügten Abschriften der Arsenius mitgegebenen Briefe von Vorbehalten Nikolaus’ I. gegenüber seinem eigenen Legaten. Ob dies darauf schließen läßt, daß Anastasius Bibliothecarius nicht an der Ausfertigung mitgewirkt hat, wie Lapôtre glaubte, ist nach den Forschungen von Perels, Nikolaus nicht sicher zu erweisen. Die Datierung hat wegen der Schlussbemerkung ... Hanc autem epistolam ideo more solito scribi non fecimus, quia et legatus vester sustinere non poterat et ob festa Paschalia scriniarios nostros, eo quod debitis vacabant occupationibus, habere ut debuimus non valuimus ... auf die Zeit um das Osterfest (22. April) 865 zu erfolgen, vgl. schon Anal. iur. pont. X 62, 127.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 763, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b573d68e-cc35-46d8-826d-f9e475b0c879
(Abgerufen am 20.01.2017).