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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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(Papst) Nikolaus (I.) schreibt Königin Theutberga (dilectae filiae Theutbergae gloriosae reginae), ihren Brief und den Bericht ihrer Gesandten (n. 802) mit Befremden zur Kenntnis genommen zu haben, stimme doch ihre eigene Darstellung nicht mit den täglichen Berichten aus der Gallia und der Germania über die Repressalien gegen ihre Person überein; Nikolaus weist die von Theutberga angeführten Gründe für die Ungültigkeit ihrer Ehe mit König Lothar (II.) und für die Rechtmäßigkeit seiner Verbindung mit Waldrada als inhaltlich falsch und zudem als durch Lothar erzwungen zurück; er ermahnt Theutberga unter Hinweis auf biblische Vorbilder zur Standhaftigkeit und Wahrheitsliebe, sichert ihr den Schutz des Heiligen Petrus und des Apostolischen Stuhls zu, dem er allein die Entscheidung im Ehestreit vorbehält; er gestattet die von ihr gewünschte Reise zum Apostolischen Stuhl erst im Anschluß an die Abreise Waldradas nach Rom, um Theutbergas Sicherheit zu gewährleisten und um nicht durch Abwesenheit die Fortsetzung des ehebrecherischen Verhältnisses zwischen Waldrada und Lothar (II.) zu ermöglichen; er erklärt schließlich unter Berufung auf eine Sentenz Papst Gregors (I.) (JE 1817) Theutbergas einseitig geäußerten Wunsch nach Enthaltsamkeit als Grund für eine Eheauflösung für unzureichend.

Originaldatierung:
Data VIIII. Kalendas Februarii indictione XV.
Incipit:
Epistolam suggestionis tuae praesulatui nostro ...
Empfänger:
Königin Theutberga

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: Ende 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1557 fol. 42r-43r und 57r-58r; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 178r-180r; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 106r-108v.

Erw.: n. 843.

Drucke: Carafa, Epist. III 190; Sirmond, Conc. Gall. III 320; Conc. coll. reg. XXII 299; Labbe-Cossart, Conc. VIII 425; Hardouin, Acta Conc. V 266; Hartzheim, Conc. Germ. II 349; Mansi, Coll. XV 312; Migne, PL CXIX 1136; (Bouquet, Recueil VII 417; MG Epist. VI 319-322 n. 45.

Reg.: Bréquigny, Table I 276; J 2172; Anal. iur. pont. X 148 n. 127; JE 2870.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 157f.; Parisot, Lorraine 293f.; Perels, Nikolaus 145; Haller, Nikolaus 6 Anm. 14, 66, 140 Anm. 375; Bishop, Nicholas 205, 410f.; Goetz, Auctoritas et Dilectio 33f.; Bauer, Ehestreit Lothar II. 50, 81; Heidecker, Kerk, huwelijk en politieke macht 177, 180f., 192, 197f.; Airlie, Private Bodies 31; Bougard, Divorce de Lothaire 45; Esmyol, Geliebte 165 Anm. 133, 167.

Kommentar

Zu den Handschriften und zur Überlieferung vgl. Perels, Briefe I 550-553 und 565-569 sowie Jasper, Beginning 112-114. Die Gesandtschaft Theutbergas ist nur in diesem Brief allgemein erwähnt und die Person deshalb nicht näher zu identifizieren. Auf welche Briefe bzw. Berichte aus der Gallia und der Germania Nikolaus genau anspielt, ist unsicher, vgl. aber auch n. 840. Das vorliegende Schreiben wird in der angegebenen Erwähnung (n. 843) in die päpstliche Begründung eingebaut und gehört in den Zusammenhang der gleichzeitig expedierten Schreiben n. 840, n. 842 und n. 843, die zu vergleichen sind, weil hieraus die angedeuteten möglichen vertraulichen Informationen zumindest abgeleitet werden könnten.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 841, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b28c107b-58f4-41d2-8e91-f1dc1115be3f
(Abgerufen am 21.01.2017).