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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) beantwortet die durch Bischof Salomon (I. von Konstanz) überbrachten Fragen König Ludwigs des Deutschen (n. 698): 1. Er tadelt den König, weil er den unrechtmäßigen Ehebund zwischen (König) Lothar (II.) und Waldrada nicht verhindert habe und fordert ihn zu einer öffentlichen Mißbilligung dieser Verbindung sowie zur Ermahnung Lothars auf, bemängelt Ludwigs Nichterscheinen auf der (Metzer) Synode (n. 642), verlangt Enthaltsamkeit im Umgang mit den beiden abgesetzten (Erzbischöfen) Gunther (von Köln), der augenblicklich sein Amt widerrechtlich ausübe, und Thietgaud (von Trier) (vgl. n. 670) sowie mit (König) Lothar (II.), falls dieser den Ermahnungen nicht folge. 2. Der Papst erfüllt mit Bezug auf Kaiser Ludwig (den Frommen) und Papst Gregor (IV.) dem Bremer Erzbischof (Ansgar) und dessen Nachfolgern die königliche Bitte um die Metropolitangewalt in Bremen, (in ... loco Bremon) über die Dänen und Schweden (super Danos et Swevos), deren Übertragung (Erzbischof) Gunther (von Köln) unbefugterweise erlaubt habe. 3. Falls der Bischof (Erchanfried) von Regensburg seiner Krankheit wegen vom Amt zurücktreten wolle, solle er dies schriftlich dem zuständigen Metropoliten (von Salzburg) erklären, damit ein Nachfolger von Klerus und Volk mit Zustimmung des Metropoliten gewählt werden könne. 4. Ebenso solle der seit vier Jahren gelähmte Bischof Hartwig von Passau schriftlich auf seine Amtswürde verzichten, andernfalls möge zumindest ein vom Klerus gewählter Verwalter und ein vom Metropoliten (von Salzburg) bestellter (Nachbar)bischof das Amt wahrnehmen. 5. In Bezug auf einen jugendlichen Bischof und 6. auf Erzbischof Liutbert (von Mainz) will der Papst nach königlichem Wunsch handeln. 7. Das Gloria soll nach römischem Brauch und Darlegung des Papstes Innozenz’ (I.) (JK 311; IP IV 82 n. 1) nur an Ostern gesungen werden; 8. der Papst dankt für die Gabe (votum) des Dänenkönigs (Horich II.) in der Hoffnung auf dessen baldige Bekehrung gleich dem Hauptmann Cornelius, versichert 9. den König (Ludwig den Deutschen) seiner Fürbitte für die Zusammenkunft mit dem Bulgarenkönig (Boris) und für dessen Bekehrung in Tuln (Tullinam) sowie die Unterwerfung des (Mährerherzogs) Rastislav, 10. und 11. schließlich will er etwaige bekanntwerdende Verleumdungen über den König (Ludwig den Deutschen) wunschgemäß nicht beachten.

Incipit:
Fateor veraciter apostolatum nostrum commotum...
Empfänger:
König Ludwigs des Deutschen

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 10402 fol. 118r-122r.

Drucke: Baluze, Miscellanea (Mansi) I 400; Mansi, Coll. XV 454; Boczek, Cod. dipl. Moraviae I 27 n. 27 (fragm.); Friedrich, Cod. dipl. Bohemiae 7 n. 10 (fragm.); Migne, PL CXIX 872; MG Epist. VI 290-293 n. 26; Marsina, MMFH III 146f. n. 23 (nur 9) (mit Übers.); Ratkoš, Pramene 156f. n. 32 (nur 9); Cod. Slovaciae I 11 n. 13 (nur 9); Fontes Bulgaricae VII 62 (nur 9).

Reg.: Böhmer-Mühlbacher2 n. 1454a; J 2084; Anal. iur. pont. X 112 n. 70; JE 2758; Erben, Reg. Bohemiae et Moraviae I 14 n. 33; Goerz, Reg. Trier 2; Goerz, Mittelrhein. Regesten 184 n. 650; Böhmer-Will, Reg. 73 n. 3; Ladewig-Müller, Reg. Konstanz I 19 n. 129; GP I 141 n. 5, 162 n. 11 und 269 n. 3; Hasse, Schleswig-Holstein-Lauenburgische Reg. 5 n. 12; Stimming, UB Mainz I 81 n. 146; May, Reg. Bremen 13 n. 41; Oediger, Reg. Köln I 67 n. 199; Diplomatarium Danicum I,1 50 n. 117; GP VI 30 n. 20; GP VII 24 n. 31; Boshof, Reg. Passau 35 n. 140; GP X 32 n. 30; Bohemia-Moravia Pont. (GP V,3) 11 n. 3; Tiroler UB II,1 73 n. 99.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 82-85; Janner, Regensburg I 211-213; Mestwerdt, Anfänge Hamburg 474; Riegel, Salomo I. 182f.; Schmeidler, Hamburg-Bremen 150f.; Perels, Nikolaus 86f., 96f., 98f.; Heuwieser, Bistum Passau 142; Haller, Nikolaus 54, 80f.; Seegrün, Papsttum 35-40; Drögereit, Verdener Gründungsfälschung 65, 67f. (ND 317, 319f.); Boba, Moravia’s History 42f.; Drögereit, Ansgar 114-116, 119, 123 (ND 362-364, 367, 371); Reinecke, Erzbistum Hamburg-Bremen und Köln 67; Seegrün, Erzbistum Hamburg-Fiktion 11f.; Drögereit, Erzbistum Hamburg 195-201, 207, 219, 223; Drögereit, Ansgar Missionsbischof 25f. (ND 397f.) und 44f. (ND 416f.); Seegrün, Erzbistum Hamburg 36f.; Patze, Mission und Kirchenorganisation 683; Bishop, Nicholas 174, 208, 250 Anm. 2; Staubach, Herrscherbild 147; Döpmann, Streit zwischen Rom und Byzanz 64; Magyar, Questio Bulgarica 846; Staubach, Herrscherbild 147; Hoddinott, Ninth century Bulgaria 274; Löwe, Ermenrich 227; Schieffer, Adnotationes 537f.; Tapkova-Zaimova/Simeonova, Cultural policy 159; Wood, Christians und Pagans 38f. und 49; Hausberger, Gesch. Regensburg 37; Meyer-Gebel, Arbeitsweise 77; Goetz, Auctoritas et Dilectio 42 mit Anm. 106; Eggers, Das „Großmährische Reich" 138; Hartmann, Ludwig der Deutsche 157, 202f.; Bigott, Ludwig der Deutsche 153-155, 179, 230, 243f., 250.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. MG Epist. VI 262 und 290 sowie Perels, Briefe I 573; die einzige, oben angegebene Kopie stammt vielleicht aus dem heute verlorenen Reimser Codex, den Baluze noch benutzen konnte. Die Kopie verrät in der Überschrift die Gesandtschaft Salomons, die auch durch Rimberts Vita Anskarii 23 (MG SS rer. G. [55] 49f.) gesichert ist, vgl. n. 698, n. 706 und n. 713. Das Schreiben ist formal an den Bischof Salomon gerichtet und spricht vom eigentlichen Adressaten Ludwig in der dritten Person. – Die im Brief erwähnte Synode von Metz fand im Juni 863 statt, vgl. n. 642. In der Forderung Nikolaus’, das Verhalten Lothars II. öffentlich zu mißbilligen, will Staubach den Einfluß Hinkmars von Reims auf den Papst erkennen. Zum Bezug auf Gregor IV. vgl. JE 2574 (= GP VI 25 n. 11-13) und n. †53 sowie n. †207. Gestritten hat die Forschung bezüglich des zweiten Abschnitts darüber, inwieweit die hier formulierten Bestimmungen von n. 706 abwichen (vgl. Drögereit), jedoch hat Seegrün zur Erklärung der Unterschiede hervorgehoben, Salomon habe wohl geographisch genau, rechtlich aber unvollständig formuliert. Zu den Voraussetzungen in Passau vgl. Boshof, Reg. Passau 35 n. 138 und 139; ein Chorbischof Alberich könnte in Passau Bistumsverweser geworden sein, jedoch ist dies quellenmäßig nicht belegt, vgl. ibid. n. 140. An den Metropoliten von Salzburg richtete Nikolaus ein eigenes Schreiben, vgl. n. 703. GP I 141 n. 5 identifiziert den jugendlichen Bischof aus Abschnitt 5 unter Berufung auf Dümmler 84 Anm. 3 mit dem in n. 704 genannten Lanfred von Säben-Brixen, zustimmend Bigott. Das in Abschnitt 6 geäußerte Versprechen, hinsichtlich Liutberts von Mainz wie gewünscht zu verfahren, ist wohl auf die Palliumsverleihung zu beziehen, vgl. n. 708. Zur Interpretation des in Kapitel (8) genannten votum vgl. Seegrün. Die Lage Moravias, des Herrschaftsgebiets Herzog Rastislavs, in der Theißebene, nicht in Mähren, folgern Boba und Eggers aus dem 9. Abschnitt. Zu datieren ist nach n. 698 und gleichzeitig mit bzw. kurz nach n. 706.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 705, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b24a9474-9fd5-429f-93bb-2b0f6aefc88e
(Abgerufen am 23.05.2017).