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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Die Teilnehmer der Synode von Troyes (episcopi, qui preterito anno... apud Suessonicam urbem..., VIII. Kalendas Novembris, prima indictione apud Trecas...) berichten Papst Nikolaus (I.) (... papae Nicolao...) in Beantwortung von dessen Auftrag (n. 837) mit Nennung zahlreicher Personen, Orte, (Konzils)beschlüsse und Schriftstücke, insbesondere (Benedikts III.) (n. 376), Leos (I.) (JK 421), Paschalis’ (I.) (JE 2553), Gregors (IV.) (JE †2583), Kaiser Lothars (I.) an Papst Leo (IV.) (n. 137), (Coelestins I.) (JK 369), Gregors (I.) (JE 1747), Sergius’ (II.) (n. 54, n. 55, n. 57), Kaiser Lothars (I.) an Papst Leo (IV.) (n. 213), König Karls (des Kahlen) an Papst Leo (IV.) (n. 62), der gallischen Bischöfe an Papst Leo (IV.) (n. 63) (mit teilweise wörtlichen Übernahmen aus n. 848) über Herkunft, Erhebung und Absetzungen des Erzbischofs Ebo von Reims und verweisen auf ihre beiliegende Zusammenstellung der päpstlichen und anderer Schreiben sowie auf die Briefe Hinkmars von Reims (n. 848, n. 854) und der von Ebo geweihten, später abgesetzten Kleriker (n. 463) an den Papst. Sie erbitten den päpstlichen Entscheid, entschuldigen sich für die vor der päpstlichen Zustimmung erfolgten Erhebung des von Ebo geweihten Wulfad (zum Erzbischof von Bourges) und ersuchen trotzdem für diesen um die Verleihung des Pallium.

Originaldatierung:
Data IIII nonas Novembris, indictione prima.

Überlieferung/Literatur

Druck: MG Conc. IV 232-238.

Insert: Flodoard von Reims, Hist. III 11 (MG SS XIII 487f., MG SS XXXVI 216-218).

Erw.: Ann. Bertiniani a. 867 (Grat 138); Brief Hadrians II. an die Synode von Troyes von 868 Feb. 2 (JE 2894; MG Epist. VI 699f. n. 3).

Reg.: Bréquigny, Table I 278; Anal. iur. pont. X 163 n. 163.

Lit.: Schrörs, Hinkmar 287-289; Dümmler, Ostfränk. Reich II 168; Werminghoff, Synoden 638; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 416-418; Amann, Epoque carolingienne 393; Findlay, Deposition and Degradation 57; Wollasch, Berry 26; De Clercq, Législation 267f.; Zimmermann, Flodoards Historiographie 209; Hartmann, Unterschriftslisten 128; Goetting, Hildesheimer Bischöfe 69; Hartmann, Synoden 320; Hartmann, Konzilien und Geschichtsschreibung 495; Schieffer, Beziehungen karolingischer Synoden 160; Patzold, Episcopus 316 Anm. 417, 324, 342f., 356.

Kommentar

Das von Flodoard in großen Teilen ausgeschriebene, aber auch unabhängig überlieferte Synodalschreiben basiert in seinem Wortlaut teilweise auf dem ersten Teil des Briefes Hinkmars vom Juli 867 (n. 848), vgl. bereits die Erwähnung in den Ann. Bertiniani (zum Einfluß von Hinkmars Standpunkt auf die Darstellung der Angelegenheit der Ebo-Kleriker dort vgl. Hartmann, Konzilien und Geschichtsschreibung) sowie Schrörs, Perels (MG Epist. VIII 205 Anm. 1) und Zimmermann. Zur Überlieferung und zu weiteren Drucken vgl. Werminghoff und Hartmann in MG Conc. IV 230f., zur Kommentierung ibid. 232-238. Die bei Flodoard etwas abweichend lautende Fassung, die vor allem Mitteilungen zugunsten Ebos sowie weitere kanonistische Belegstellen enthält, interpretierte Schrörs als den eigentlichen Entwurf Hinkmars, den die Konzilsteilnehmer nur in abgeschwächter Form übernommen hätten. Zu wörtlichen Übereinstimmungen mit der Narratio clericorum Remnensium (hierzu n. 282) vgl. Fuhrmann, Pseudoisidor. Fälschungen I 208f. Anm. 43; zu den weiteren Übernahmen und den übrigen genannten Personen und kirchenrechtlichen Autoritäten vgl. Hartmann in MG Conc. IV (Anmerkungen). Die im Text erwähnte, vom Papst angeforderte Zusammenstellung der Schriftstücke über die Angelegenheit der von Ebo geweihten Kleriker (vgl. n. 806) wollen Coustant und Schrörs mit dem Cod. Laudunensis identifizieren, vgl. jedoch ablehnend Perels, Briefe I 561. Vgl. im einzelnen zu den genannten früheren Päpsten Hartmann in MG Conc. IV (zu ibid. 235 Anm. 41a vgl. auch JE 2585). Zu den angeführten Ereignissen vgl. Böhmer-Mühlbacher2 n. 938c sowie n. 806. Unterschrieben haben folgende Erzbischöfe und Bischöfe: Hinkmar von Reims, Herard von Tours, Wenilo von Rouen, Frothar von Bordeaux, Egilo von Sens, Wulfad von Bourges, Rothad von Soissons, Actard von Nantes, Hildegar von Meaux, Aeneas von Paris, Hinkmar von Laon, Gislebert von Chartres, Erchenradus von Châlons, Erchambert von Bayeux, Odo von Beauvais, Fulkrich von Troyes, Liudo von Autun, Johannes von Cambrai, Hilduin von Evreux und Abbo von Nevers. Die im Schreiben genannte Bitte, die erneuerten Privilegien und Dekrete zu achten (privilegia et decreta servari innovata constitutione decernatis ...), könnte als Anspielung auf die pseudoisidorischen Fälschungen verstanden werden, vgl. Amann und De Clercq. Dem Überbringer dieses und weiterer Schreiben, Bischof Actard von Nantes (vgl. MG Conc. IV 243), gab Karl der Kahle nach Lektüre noch eine andere Darstellung der Ebo-Angelegenheit nach Rom mit, vgl. n. 866. Dies veranlaßte Hinkmar von Reims zu einem zusätzlichen Schreiben an Anastasius Bibliothecarius (MG Epist. VIII 223 n. 200), vgl. Hefele-Leclercq IV,1 419. Die päpstliche Antwort gab nach dem Tod Papst Nikolaus’ I. erst dessen Nachfolger Hadrian II. (JE 2894, vgl. auch JE 2903).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 865, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b0672b46-f0fa-41ec-96f0-6ba1e373130b
(Abgerufen am 12.12.2017).