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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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(Papst Nikolaus I.) unterstützt den Bischof Petrus und die übrigen Bischöfe der Emilia gegen die Bedrängungen seitens des Erzbischofs Johannes (VII.) von Ravenna, wogegen sie auf der römischen Synode (n. 559), auf der Bischöfe aus Campanien, Tuszien und der Pentapolis zusammen mit dem genannten Johannes anwesend waren, Klage erhoben hatten; er verweist auf die Übersendung eines Exemplars der Konzilsakten (n. 559) und verbietet zusätzlich wunschgemäß durch Präzept (praecipimus expresse, iubemus atque omni interdictione prohibemus) sowohl Übergriffe des Erzbischofs von Ravenna auf die (Suffraganbistümer) als auch Geldforderungen; er untersagt außerdem die Ladung zu Konzilien in Ravenna außerhalb des kanonisch festgelegten Zwei-Jahres-Turnus’, den Zwang zu trigesimale, angaria und anderen Leistungen; er verordnet, daß der Erzbischof von Ravenna die Kleriker in ihren Fahrten nicht behindern dürfe, insbesondere, wenn diese nach Rom reisen wollten, und gebietet, daß der Erzbischof von Ravenna sie bei Konzilien nicht zu einem längeren Aufenthalt als 15 Tage lang zwingen dürfe. Der Papst untersagt die Minderung von Rechten in den Diözesen, und verfügt abschließend, daß lediglich den Kanones gemäß Leistungen zu erbringen seien, die denjenigen der übrigen Bischöfe Liguriens, Venetiens und Istriens gegenüber ihren Metropoliten entsprächen.

Originaldatierung:
Scriptum per manum Leonis scriniarii sanctae Romanae ecclesiae in mense Novembrio indictione X (XI, Kopie 10. Jh.).
Incipit:
Sollicitudinem omnium ecclesiarum Dei circumferentes ...
Empfänger:
Bischof Petrus und die übrigen Bischöfe der Emilia

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 10. Jh., Modena Bibl. capitolare: O. II. 2 fol. 241r-243r; 11. Jh., Padua Bibl. del seminario vescovile 529 fol. 56r-57r; 12. Jh., Modena Bibl. capitolare: A. 6. XIX.

Drucke: Zaccaria, Biblioteca antica e moderna II 414; Agnellus, Lib. pont. Rav. (Bacchini II app. 80); Ughelli, Italia Sacra II2 347; Muratori, Scriptores IIa 204; Coleti, Conc. X 189; Mansi, Coll. XV 599-602; Speroni Degli Alvarotti, Adriensium episcoporum series 20; Cappelletti, Chiese d’Italia II 84; Migne, PL CVI 787; MG Epist. VI 613-617 n. 105.

Reg.: Sillingardus, Cat. episcoporum Mutinensium 26; J p. 238 und 240; JE I p. 343 und 345; IP V 9 n. 36, 163 n. 2 und 301 n. 2.

Lit.: Werminghoff, Synoden 629; Schmidt, Kirche von Ravenna 763; Perels, Nikolaus 47 und 51f.; Devos, Anastase 107; Simonini, Autocefalia 176; Fasoli, Dominio Ravenna 104; Belletzkie, Nicholas and John of Ravenna 264, 268, 271; Bosl, Gesellschaftsgeschichte Italiens 93; Reuter, Plunder and Tribute 83; Hartmann, Synoden 296; Scholz, Politik 201.

Kommentar

Das päpstliche Schreiben, wohl eine Synodalurkunde, ist nur in den beiden Codices aus Modena, die auch die Akten des Novemberkonzils 861 enthalten (einer der beiden Codices wurde früher irrig nach Monza verlegt, vgl. IP V 301 n. 2 und Perels in MG) sowie in einer Hs. aus Padua (Bibl. del seminario vescovile 529) überliefert. Zur Hs. Modena Bibl. capitolare: O. II. 2 vgl. Perels, Briefe I 573f. und Mordek, Bibl. capitularium 268-270. Zur Hs. Modena Bibl. capitolare: A. 6. XIX vgl. Perels I 574, zur Hs. Padua Hartmann in MG Conc. IV 61 und 62. In der Hs. des 12. Jh. steht der Text noch vor den Konzilsunterschriften, im Paduaner Cod. erscheint der Brief als Einschub zwischen zwei Kapiteln des Decretum Burchardi, wird von Praefatio und Unterschriftenliste der Synodalbeschlüsse eingerahmt und ersetzt hier die Liste der Kanones. Das Präzept hat keine Adresse, sondern setzt gleich mit der Arenga ein und wiederholt in der Narratio ausführlich die von den Bischöfen auf dem Konzil vorgebrachten Beschwerden, die in der Dispositio erneut aufgenommen werden; vgl. die Verweise (auch zu den Beschlüssen der Synode, n. 559) in den Anmerkungen der MG-Edition. Einer der Klagepunkte zeigt Ähnlichkeiten mit n. 480. Der Name des Adressaten erscheint mehrfach im Text (Kopie 12. Jh. im Lemma), eine Identifizierung mit Petrus von Imola oder von Modena ist möglich, aber nicht sicher. Zur Verwendung von 2 Cor. 11,28 und zur möglichen Verfasserschaft durch Anastasius Bibliothecarius vgl. Devos. Zur Benutzung des LD vgl. Santifaller, LD 94. Zu dem in der Datierung genannten Leo vgl. Santifaller, Elenco 53 und 259. Die abweichende Indiktionszahl in der älteren Kopie beruht wohl auf einem Versehen; anzunehmen ist eine Ausstellung im Anschluß an n. 559.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 560, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/afb93166-16aa-48bc-8263-99d759438e2e
(Abgerufen am 13.12.2017).