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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) behandelt in einer Predigt während der Messe an der Vigil von Weihnachten (in die vigiliarum nativitatis Domini nostri Iesu Christi) in der Kirche S. Maria Maggiore (in basilica Dei genitricis in Presepe) vor Klerus und Volk mit Rückgriff auf Bibelzitate und verschiedene Kanones die Angelegenheit (Bischof) Rothads (von Soissons), der abgesetzt und exspoliiert worden sei, sich jedoch an den römischen Stuhl gewandt habe (n. 577), und verurteilt dies in den Einzelheiten als unrechtmäßig; er verweist auf Unstimmigkeiten mit Erzbischof Hinkmar von Reims und König Karl (dem Kahlen), die widerrechtlich ohne päpstliche Erlaubnis trotz Rothads Appellation an den Papst (n. 577) ein Generalkonzil (in Pîtres/Soissons) einberufen hätten; sie hätten aufgrund eines Schreibens Rothads, in dem er lediglich Trost von einem Bischof erbeten habe, den Fall von gewählten Richtern entscheiden lassen und Rothad ohne päpstliches Einverständnis, das auch unabhängig von der Appellation notwendig gewesen sei, abgesetzt.

Incipit:
Propter eos, fratres, qui non ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 10.-11. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 1343 fol. 144r-145r; 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3854 fol. 207r-208r; Ende 12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 1344 fol. 102v-103v; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 151v-153r.

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 162f.).

Drucke: Carafa, Epist. III 156; Sirmond, Conc. Gall. III 252; Conc. coll. reg. XXII 769; Mansi, Coll. XV 685; Migne, PL CXIX 890; MG Epist. VI 379-381 n. 66a; MG Conc. IV 180-182.

Reg.: J p. 246; Anal. iur. pont. X 119 n. 77; JE I p. 355; Lohrmann, PUU Frankreich VII 148 n. 4.

Lit.: Schrörs, Hinkmar 258; Dümmler, Ostfränk. Reich II 95; Werminghoff, Synoden 635; Perels, Nikolaus 110-112; Haller, Nikolaus 100 Anm. 264, 105-107, 154 Anm. 414, 178 Anm. 476, 189 Anm. 500; Bishop, Nicholas 189 Anm. 1, 242, 250, 282f., 286; Hartmann, Synoden 316; Fuhrmann, Widerstände gegen den päpstlichen Primat 723f.; Goetz, Auctoritas et Dilectio 54 Anm. 86; Scholz, Politik 198.

Kommentar

Zu den Hss., die teilweise auch Pseudoisidor-Überlieferung enthalten, vgl. außer Hartmann in MG Conc. IV 177 und 180f. Anm. 26 bereits Perels, Briefe I 547f., 550-556 und Jasper, Beginning 112f. Im strikten Sinne liegt kein Brief, sondern eine Predigt vor, die entgegen den Angaben von Perels wohl nicht in die Hs. Paris, Bibl. nat. Ms. lat. 3859A aufgenommen wurde. Nur der Lib. pont. berichtet mit der oben eingefügten Datierung und Ortsangabe über die Messe und die dabei gehaltene Predigt in Anwesenheit Rothads sowie des römischen Klerus’ und Volkes. Hartmann in MG Conc. IV 176 Anm. 8 identifiziert die hier erwähnte Ansprache Nikolaus’ I. übereinstimmend mit Dümmler 95 Anm. 2 und Perels in MG Epist. VI 379 Anm. 2 mit dem in den angegebenen Handschriften überlieferten Text (Propter eos). Ursprünglich hatte der Papst wohl auf dem (für den 1. November anberaumten) Konzil (vgl. n. 710) Stellung nehmen wollen, das aber nicht stattfand. Das in der Ansprache mehrfach erwähnte Schreiben Rothads ist nicht erhalten, jedoch ist dieses wohl mit den im Libellus proclamationis (n. 746) genannten aliqua quoque capitula conscripta cuidam nostro confratri et coepiscopo (MG Conc. IV 183 Z. 5) und mit dem von Hinkmar in n. 692 angeführten libellus(o) suae professionis (MG Epist. VIII 152) zu identifizieren. Schrörs glaubt, während der Ansprache des Papstes sei auch der Libellus proclamationis (vgl. n. 746) vorgelegt worden, allerdings ist eine spätere Datierung auf die Januarsynode 865 in Rom (n. 747 und n. 749) wahrscheinlicher, vgl. auch n. 728. Zur Restitution Rothads vgl. n. 745 und n. 748. Zu den Urteilen von Pîtres und Soissons (Juni 862) vgl. MG Conc. IV 90-96; das angeblich alleinige Recht des Papstes, ein concilium generale einzuberufen, basiert wohl auf Sätzen der pseudoisidorischen Dekretalen, besonders auf den Capitula Angilramni c. 2 (Hinschius, Decretales 757). Die erschlossene Jahreszahl der Datierung ergibt sich aus der datierten Restitutionsurkunde für Rothad (n. 745).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 727, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/accf007b-66d3-4e32-90f3-e5314db81003
(Abgerufen am 20.01.2017).