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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) teilt König Karl (dem Kahlen) (dilecto filio Karolo glorioso regi) unter Verwendung eines Zitates von Papst Innozenz (I.) (JK 286) mit, die Priester seines Reiches hätten in Verachtung des Papstes, an den Bischof Rothad (von Soissons) appelliert hatte (n. 577), diesen seines Sitzes beraubt, verweist auf den Einfluß des (Erz)bischofs Hinkmar von Reims in dieser Angelegenheit sowie auf seine eigenen Briefe mit der Vorladung zu einer rechtlichen Entscheidung in Rom (n. 607 und n. 608), begründet ein Urteil in Rom mit (genannten) Konzilkanones und Papstbriefen zu Chalkedon, Serdika, den Päpsten Innozenz (I.) (JK 286) und Julius (JK 186); er erwähnt die (schon früher) Bischof Odo (von Beauvais) mitgegebenen (n. 635) päpstlichen Mahnschreiben (n. 628, n. 629) und tadelt (Erzbischof) Hinkmar (von Reims), der den päpstlichen Brief an ihn und die Bischöfe (n. 628, n. 629) vier Monate zurückgehalten und ebensowenig entsprechend einiger Briefe gehandelt habe; er erwähnt dessen Schreiben an den Papst (n. 692) mit dem Hinweis auf den versperrten Weg nach Italien, zitiert weitere Schreiben der Päpste Simplicius (JK 583) und Zosimus (JK 339) und verweist auf den zweijährigen Zeitraum, den diese Angelegenheit schon in Anspruch genommen habe; Nikolaus unterstreicht, daß weder Odo noch die königlichen Gesandten eine Anklage gegen Rothad erhoben hätten, erwähnt das Schreiben der Bischöfe (im Anschluß an die Synode von Verberie) (n. 668), weiterhin Rothads achtmonatigen Aufenthalt in Rom (vgl. n. 712) und beteuert mit mehreren Zitaten aus Briefen der Päpste Coelestin (I.) (JK 375) und Bonifaz (I.) (JK 349) die Unschuld Rothads. Der Papst teilt schließlich die Wiedereinsetzung Rothads in sein früheres Amt und seine Würden mit (n. 749), erbittet die königliche Fürsorge für Rothad, die mehr zähle als die Übersendung kostbarer Steine, erinnert an Theoderich, Symmachus und Arrianus und fordert den König insbesondere auf, bei der Erstattung der durch den Invasor der Kirche von Soissons (Engelmodus) entfremdeten Güter zu helfen.

Incipit:
Quamquam Rothadum venerabilem episcopum sedem ...
Empfänger:
König Karl (dem Kahlen)

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 9. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: D 38 fol. 200v-202v; 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3854 fol. 208v-211r; Ende 12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 1344 fol. 103v-105r; 16. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1458 fol. 217v-220r; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 153v-156v.

Erw.: Ann. Bertiniani a. 865 (Grat 119).

Drucke: Carafa, Epist. III 158; Sirmond, Conc. Gall. III 254; Conc. coll. reg. XXII 773; Labbe-Cossart, Conc. VIII 791; Hardouin, Acta Conc. V 585; Mansi, Coll. XV 688; Migne, PL CXIX 893; (Bouquet, Recueil VII 405; MG Epist. VI 384-388 n. 69.

Reg.: Bréquigny, Table I 271; J 2098; Anal. iur. pont. X 123 n. 80; JE 2783.

Lit.: Schrörs, Hinkmar 262; Perels, Nikolaus 110; Haller, Nikolaus 36 Anm. 91, 58 Anm. 154, 101 Anm. 265, 103 Anm. 273, 104 Anm. 276, 105 Anm. 277, 109; Devos, Anastase 105; Fuhrmann, Pseudoisidor. Fälschungen II 258; Bishop, Nicholas 83 Anm. 7, 85, 177, 240, 247; Staubach, Herrscherbild 195.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Perels, Briefe I 547-556 und Jasper, Beginning 112-114. Die kanonistische Sammelhandschrift Paris Ms. lat. 1458 stammt in diesem Teil aus dem 16. Jh., vgl. Perels I 572. Zur Verwendung von Bibelzitaten, die auf eine vermutliche Autorschaft des Anastasius deuten, vgl. Devos. Zu den Zitaten der einschlägigen Kanones und Papstbriefe vgl. die Kommentierung in MG Epist. VI. Bei den erwähnten und zitierten Papstbriefen handelt es sich vielfach um Passagen, die wohl aus pseudoisidorischen Textbeständen entnommen wurden. Ein Schlußabschnitt findet sich auch bei Benedictus Levita (vgl. MG Epist. VI 388 Anm. 6). – Mehrfach wird der Rechtsinhalt früherer Schreiben resümiert, jedoch ist die Zuordnung nicht immer ganz eindeutig. Einen Seitenhieb auf die Auseinandersetzungen mit Byzanz läßt die Bemerkung erkennen, die sich auf die Beachtung des Konzils von Chalkedon bezieht, wobei Rom sogar als Ort des Romulus bezeichnet wird: Quod tamen nulli dubium est multo magis apud Romuleam urbem quam apud Constantinopolitanam esse penitus observandum (MG Epist. VI 385 Z. 23-25). Trotz des von Nikolaus verwendeten Singulars (epistola) ist die von ihm kritisierte viermonatige Zurückhaltung des päpstlichen Briefes durch Hinkmar sowohl auf das Schreiben an Hinkmar persönlich (n. 629) als auch auf das an die Bischöfe (n. 628), die an der Synode von (Pîtres)/Soissons teilgenommen hatten, zu beziehen, vgl. auch n. 754. Aus dem Hinweis auf den zum Ausstellungszeitpunkt des Schreibens bereits acht Monate währenden Aufenthalt Rothads in Rom ist der Brief zwei Monate später als der Libellus proclamationis – auf Ende Februar bis April 865 – zu datieren, vgl. n. 746. Terminus ante quem ist die Abreise des päpstlichen Legaten Arsenius, die spätestens am 22. April 865 erfolgte (vgl. n. 759). Dieser überbrachte das Schreiben Mitte Juli in der Pfalz von Attigny, vgl. Ann. Bertiniani a. 865 (Grat 119).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 753, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a9fcd6d3-74b1-44d3-b4e3-93e088588181
(Abgerufen am 28.03.2017).