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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Kaiser Basileios (I. von Byzanz) schreibt Papst Nikolaus (I.) (Basilius fidelis imperator Romanorum Nicolao sanctissimo papae Romano spirituali quoque patri nostro) wie in einem früheren Schreiben (n. 868) über die Beseitigung des Photios’ und die Wiedereinsetzung des Ignatios auf den (Patriarchen)sitz gemäß den päpstlichen Entscheidungen, erbittet das päpstliche Urteil zu den Geistlichen, die von Photios geweiht oder erneut geweiht worden seien oder sich anderweitig schuldig gemacht hätten, bittet jedoch um Milde für die Reumütigen, schickt aus beiden Parteiungen Abgesandte, von Seiten des Ignatios den Metropoliten Johannes von Sylaion, von Seiten des Photios den Metropoliten Petrus von Sardis sowie von kaiserlicher Seite den Spathar Basilios (Pinakas) und bittet zur möglichst schnellen Beilegung aller Streitigkeiten um die Entsendung von päpstlichen Legaten.

Originaldatierung:
Missa est mense Decembris die undecimo.
Empfänger:
Papst Nikolaus (I.)

Überlieferung/Literatur

Druck: Akten des IV. Konzils von Konstantinopel von 869-870 (Mansi, Coll. XVI 46f., 324f.).

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 178); Brief Hadrians II. an Kaiser Basileios I. von 869 Juni 10 (JE 2914; MG Epist. VI 754-758 n. 40); Widmungsbrief des Anastasius Bibliothecarius an Hadrian II. (von 871) (MG Epist. VII 408).

Reg.: Dölger, Reg. des oström. Reiches I 58 n. 474; MMFH 152 n. 35.

Lit.: Hergenröther, Photius II 23-25; Dümmler, Ostfränk. Reich II 210; Gay, L’Italie I 82f.; Vogt, Basile Ier 214; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 453f.; Stiernon, Konstantinopel 85f.; Lounghis, Ambassades byzantines 191 Anm. 2; Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche 107; Nerlich, Diplomatische Gesandtschaften 201; Gemeinhardt, filioque-Kontroverse 229f.

Kommentar

Der Brief ist wie zahlreiche Papstbriefe nach Byzanz (vgl. etwa n. 525) nur im Zusammenhang mit den von Anastasius Bibliothecarius übersetzten Akten des IV. Konzils von Konstantinopel, wo er vorgelesen wurde, überliefert. Das genannte frühere Schreiben ist nicht erhalten, vgl. hierzu n. 868. Die Erwähnung in der Hadriansvita des Lib. pont. nennt den von Basileios entsandten Spathar namentlich und schildert die Anrufung des päpstlichen Urteils. Eine weitere, von Dölger-Müller, Reg. des oström. Reiches I,2 3 n. 474 angeführte Erwähnung dieses Schreibens im Brief Papst Hadrians II. an den Patriarchen Ignatios (JE 2909) ist nicht eindeutig und wurde deshalb nicht in den Mittelteil des Regests aufgenommen. Zur Konstruktion einer Verschwörungstheorie (Verfälschung päpstlicher Schreiben durch Michael III.) vgl. Gemeinhardt. Der Brief war noch an Nikolaus I. adressiert; offensichtlich wußte man in Byzanz zur Abfassungszeit noch nichts vom Tod des Papstes. Das Schreiben nahm Hadrian II. entgegen, wobei der Ankunftszeitpunkt der Gesandtschaft nicht mehr eindeutig zu klären ist. Spätestens erreichte sie Rom Anfang Juni 869 vor der Abfassung der Antworten Hadrians (JE 2913, JE 2914); da sich Hadrian aber bei Basileios für den langen Aufenthalt der Legaten in Rom entschuldigt (JE 2944), ist wohl ein deutlich früherer Ankunftszeitpunkt anzunehmen, wahrscheinlich nach dem 1. August 868, da Hadrian die Gesandtschaft des Basilios in seinen an diesem Datum verfaßten Briefen (JE 2908, JE 2909) nicht erwähnt.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 869, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a96af538-4ed2-4bdc-aa1d-1ddf9b2e166c
(Abgerufen am 16.01.2017).