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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) verwendet sich bei König Karl (dem Kahlen) (dilecto filio Karolo glorioso regi) für den (Grafen) Balduin (von Flandern), der sich widerrechtlich mit der entführten Tochter (Judith) des Königs vermählt hatte, von den Bischöfen mit dem Anathem belegt worden und sodann zu dessen Lösung nach Rom gereist war (vgl. n. 585); der Papst berichtet mit Erwähnung einer ähnlichen Angelegenheit unter Kaiser Lothar (I.) über die Balduin erteilte Absolution (n. 585), bittet (non tamen iussa misimus, sed preces obtulimus) den König um die rechtmäßige Überlassung seiner Tochter; er informiert Karl weiterhin (mit teilweise wörtlichen Übernahmen) über seine Briefe in der Angelegenheit (Bischof) Rothads (von Soissons) an (Erz)bischof Hinkmar (von Reims) (n. 629) und an den Episkopat in Karls Reich (n. 628), verweist auf Rothads Appellation an den Hl. Stuhl (n. 577) vor und nach seiner Verurteilung, trägt dem König auf (monemus ... exoramus ... praecipiendo ... mandamus), Rothad nach Rom zu schicken, und unterstreicht die Privilegien der römischen Kirche; schließlich erwähnt er die lobenden Berichte von Bischof Odo (von Beauvais) (n. 620) und dem päpstlichen (Legaten) Primus über den König und äußert sich freudig über die Niederwerfung der Normannen.

Incipit:
O quam vera est, fili ...
Empfänger:
König Karl (dem Kahlen)

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: Ende 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1557 fol. 66r-67v; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 225r-228r; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 155r-158v.

Drucke: Carafa, Epist. III 138; Sirmond, Conc. Gall. III 212; Conc. coll. reg. XXII 274; Labbe-Cossart, Conc. VIII 409; Hardouin, Acta Conc. V 250; Mansi, Coll. XV 296; Migne, PL CXIX 833; (Bouquet, Recueil VII 391; MG Epist. VI 369-372 n. 60.

Reg.: Bréquigny, Table I 266; J 2056; Anal. iur. pont. X 89 n. 32; JE 2722; Diplomatarium Danicum I,1, 47 n. 109.

Lit.: Schrörs, Hinkmar 249; Dümmler, Ostfränk. Reich II 91; Perels, Nikolaus 73f., 103f., 285; Haller, Nikolaus 102, 106, 140 Anm. 375, 144 Anm. 383; Sproemberg, Judith 94f.; Congar, Nicolas Ier 395 und 410; Devos, Anastase 103; Fried, Formen päpstlichen Schutzes 347; Bishop, Nicholas 176, 181-183, 199-201, 236; Staubach, Herrscherbild 195; Boshof, Odo 47; Esmyol, Geliebte 218.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Perels, Briefe I 550-556 und 565-569 sowie Jasper, Beginning 112-114. Aus der Verwendung von bestimmten Formulierungen folgert Devos die Autorschaft von Anastasius, allerdings scheint die oben zitierte Passage eines „bittenden" Papstes Nikolaus in diesem Zusammenhang eher ungewöhnlich, vgl. hierzu auch n. 661. Zur Vorgeschichte vgl. n. 585, n. 598 und n. 599 und zu einem späteren Brief n. 661. Die im Text erwähnte ähnliche Angelegenheit unter Kaiser Lothar I. könnte sich vielleicht auf Fulkrich beziehen (vgl. n. 246 und MG Epist. VI 370 Anm. 2). Im zweiten Teil des Briefes erwähnt Nikolaus von den Anweisungen an die Bischöfe (n. 628) und Hinkmar (n. 629) in der Rothad-Angelegenheit vor allem die Vorladung zum Verfahren in Rom sowie die angedrohten Strafen. Interessant ist ferner die nur hier belegte zweifache Appellation Rothads vor und nach seiner Absetzung, vgl. hierzu allgemein n. 577. Der sonst nicht bekannte Primus war offensichtlich der Überbringer von n. 607 und n. 608. Da Bischof Odo von Beauvais das päpstliche Schreiben gleichzeitig mit anderen Papstbriefen von seiner Romreise mitnahm (vgl. n. 635), ergibt sich ein Anhaltspunkt für die Datierung.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 627, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a84bb6e0-a9f8-4d36-b8f2-58dbba24bca7
(Abgerufen am 21.09.2017).