Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

Sie sehen den Datensatz 818 von insgesamt 870.

König Lothar (II.) entsendet Erzbischof Ado von Vienne und (Graf) Walther zu Papst Nikolaus (I.), um diesem vertraulich die königlichen Ansichten mitzuteilen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ann. Bertiniani a. 866 (Grat 129).

Reg.: Böhmer-Mühlbacher2 n. 1313b; Chevalier, Reg. dauphin. I n. 754 c. 126-127; Gall. Pont. III 108 n. *102.

Lit.: Lapôtre, De Anastasio Bibliothecario 226 (ND 350); Dümmler, Ostfränk. Reich II 149; Parisot, Lorraine 290-293; Lot, Année 421 (ND 443); Kremers, Ado von Vienne 30f.; Haller, Nikolaus 65f.

Kommentar

Hinkmar berichtet in den Ann. Bertiniani, Lothar II. habe nach einem Treffen mit Karl dem Kahlen und dessen Gattin Irmintrud in der Pfalz Attigny, zu dem auch Theutberga geladen worden war, wohl im September 866 Erzbischof Ado von Vienne sowie seinen Vertrauten, Graf Walther, nach Rom entsandt (vgl. Böhmer-Mühlbacher2 n. 1313b). Während Walther im päpstlichen Schreiben an den Episkopat in Lothars Reich (n. 842) tatsächlich als Bote Lothars erwähnt wird – freilich ohne Bezugnahme auf eine konkrete Gesandtschaft, jedoch mit Verweis auf eine Instruktion des Gesandten durch Nikolaus –, fehlt für Ado von Vienne jeder Beleg seiner Anwesenheit beim Papst im betreffenden Zeitraum. Kremers vermutet daher gegen Lapôtre, Ado habe sich aufgrund des tiefen Dissenses zwischen ihm und Lothar II. bezüglich der anhängigen Eheangelegenheit dem königlichen Auftrag entzogen (so auch Haller 66 Anm. 175). Aus der Erwähnung in den Annalen geht der Betreff der an Nikolaus übersandten Nachrichten nicht hervor, jedoch ist aus dem Kontext der Darstellung sowie aus dem päpstlichen Schreiben n. 842 mit großer Wahrscheinlichkeit der Ehestreit Lothars als Hauptpunkt zu vermuten, so Dümmler, Parisot und Kremers. Ebenfalls in Attigny scheint König Karl der Kahle Erzbischof Egilo von Sens mit einer Gesandtschaft nach Rom betraut zu haben (vgl. n. 821), die jedoch nicht zwingend inhaltlich mit Lothars Mitteilungen an den Papst zusammenhing, sondern sich eher auf den Fall Wulfads bezog. Möglicherweise reisten die Boten beider Herrscher dennoch gemeinsam nach Rom. Aus der unterschiedlichen Datierung der päpstlichen Antwortschreiben (n. 836, n. 837, n. 838 sowie n. 840, n. 841, n. 842 und n. 843) ist vielleicht zu schließen, daß beide Gesandtschaften zeitlich versetzt bei Nikolaus vorstellig wurden. Anhaltspunkte für eine Datierung der Gesandtschaft Lothars bilden das Herrschertreffen in Attigny (wohl im September 866) und das Ausstellungsdatum der päpstlichen Schreiben vom 24. Januar 867.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 818, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a42770e7-2850-4246-aecd-7f3fcb21b440
(Abgerufen am 21.09.2017).