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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Benedikt (III. oder Nikolaus I.) übergibt drei lothringischen Adeligen, Frotmund und dessen Brüdern, einen (Geleit)brief zur Fortsetzung ihrer als Buße unternommenen Pilgerreise.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Gesta Conwoionis III 8 (Mirakelteil) (MG SS XV, 1, 458; Brett 207). Reg.: -. Lit.: Levillain, Réformes ecclésiastiques 243-245; Riché, Welt der Karolinger 335f.; Poulin, Dossier hagiographique 154f.; Herbers, Leo 376f.; Herbers, Rom im Frankenreich 152-154.

Kommentar

Die im dritten Buch der Gesta Conwoionis (Sammlung von Wundergeschichten) berichtete Begebenheit ist in der MG-Edition nur auszugsweise wiedergegeben; die gesamte Geschichte ist bei Brett zu vergleichen. Zu diesem Mirakelteil der Gesta Conwoionis vgl. auch n. 211. Laut dem zuvor gegebenen Bericht entstammten Frotmund und dessen Brüder einem adeligen Geschlecht und waren durch den Mord an ihrem Onkel, einem Priester in palatio regis, und an ihrem jüngsten Bruder durch eine von König Lothar (II.) einberufene Synode zum Kettentragen als Bußleistung verurteilt worden. Dieser Passus nennt Rom als erste Station (per multos dies ) ihrer Bußreise, weitere Aufenthaltsorte folgten, vgl. n. 417 . Im Reich Lothars hat sich laut sonstigen Berichten keine Synode während des Pontifikates Benedikts mit diesem Verhandlungsgegenstand befaßt, vgl. MG Conc. III. Der Name Frotmund ist mit verschiedenen Mitgliedern einer alten Adelsfamilie im Anjou verbunden, vgl. Werner, Untersuchungen Bd. 19, 172f. Deshalb hat die ältere Forschung angenommen, daß der in der benachbarten Bretagne lebende Autor der Gesta Conwoionis vielleicht aus Gutgläubigkeit eine Geschichte aufgrund von Pilgerberichten erfand, in der nur die alles übertreffende Wunderkraft der unter Papst Leo IV. von Rom nach Redon übertragenen Marcellinusreliquien (n. 202) bedeutend erschien, so z. B. Levillain. Allerdings könnte man-zumal die Verfasser des dritten Buches (Miracula) vielleicht chronologisch nicht ganz exakt berichteten-unter dem Adeligen Frotmund denjenigen Adeligen verstehen, der sich mit einigen weiteren gegen König Karl den Kahlen erhoben hatte und der auf dem Konzil von Savonnieres (14. Juni 859) exkommuniziert wurde (MG Conc. III 482). Sollte dieser, zuerst von Poulin vertretene Vorschlag zutreffen, dann bietet die Mirakelerzählung das politische Nachspiel einer Synodalentscheidung, vgl. Herbers. Folglich wäre allerdings der Papstname von Benedikt III. in Nikolaus I. zu ändern. Die vorgeschlagene Datierung berücksichtigt beide Möglichkeiten: Weil im Text ein rex Lothar sowie Papst Benedikt genannt werden, mithin wegen deren Regierungs- und Pontifikatszeiten die Monate September-Oktober 855 Terminus post quem sind, wäre unter Berücksichtigung von n. 417 am ehesten die Anfangszeit des Pontifikates Benedikts ein möglicher Anhaltspunkt zur Datierung. Sollte jedoch der durchaus wahrscheinliche Bezug zur Synode von Savonnières zutreffen, wäre der Papstname zu ändern und dieses Konzil als zeitlicher Orientierungspunkt in Betracht zu ziehen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 381, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0855-00-00_1_0_1_4_2_381_381
(Abgerufen am 19.01.2017).