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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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(Angeblicher) Pontifikat der Päpstin Johanna .

Überlieferung/Literatur

Erw.: Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 428); Lib. pont. (Prerovský II 580 Anm. q und r); Tholomeus von Lucca, Hist. eccl. (Muratori, SS rer. Ital. XI, 1013f.); Ranulf Higden, Polychr. (Babington, SS rer. Brit. XLI,6, 330-4); Andrea Dandolo, Chr. (Pastorello, SS rer. Ital. XII, 1, 153); Amalricus Augerius, Actus pont. (Muratori, SS rer. Ital. III,2, 293f.); Eulogium (Haydon, SS rer. Brit. IX, 1, 243 und 287); Antonio Confalonieri, Chr. de regiminibus pont. (Cattaneo 101); Thomas von Elmham, Hist. monasterii S. Augustini Cantuarensis (Hardwick, SS rer. Brit. VIII 16); John Capgrave, Chr. of England (Hingeston, SS rer. Brit. I 110); Thomas Ebendorfer, Schismentraktat (Zimmermann 33); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 291) Reg.: -. Lit.: Döllinger, Papstfabeln 1-53; D'Onofrio, Papessa Giovanna; Herbers, Johanna; Boureau, Papesse Jeanne; Gössmann, Mulier papa.

Kommentar

Seit dem Hochmittelalter und insbesondere seit der Mitte des 13. Jh. (Martin von Troppau) findet sich in vielen Quellen (die oben nur in Auswahl aufgenommen wurden) die Notiz über eine Päpstin Johanna, die zwischen Leo IV. und Benedikt III. zwei Jahre, zwei Monate und vier Tage regiert haben und die Papst Leo IV. bereits zum Kardinal gemacht haben soll. Vor Martin von Troppau schreibende Quellenautoren, wie Marianus Scottus, Otto von Freising, Richard von Poitiers, Gottfried von Viterbo und Gervasius von Tilbury bieten die Notiz zum Pontifikat einer teilweise noch namenlosen Päpstin (die auch in anderen Quellen nicht immer Johanna heißt) nur in manchen Hss., die nach dem heutigen Stand der Forschung wohl insgesamt Interpolationen aus der Zeit nach 1250 sind, vgl. Herbers 187 mit Anm. 96. Die frühesten eigenständigen Belege ordnen nicht alle den Pontifikat einer Päpstin im Anschluß an Papst Leo IV. ein; die dominikanischen Historiographen Johannes von Mailly und Stephan von Bourbon legen den Pontifikat der Päpstin ins ausgehende 11. Jh.; die Chr. minor minoritae Erphordiensis berichtet zum Jahre 897, vgl. die Belege und Interpretationsmöglichkeiten bei Herbers 187-191. Auch in die spätmittelalterliche Fassung des Lib. pont. wurde eine entsprechende Notiz integriert. Wurde bis ins beginnende 16. Jh. der Pontifikat einer Päpstin im 9. Jh. als Möglichkeit zunehmend akzeptiert (vgl. zu den einzelnen Facetten die Literaturangaben, zum späten Mittelalter besonders Boureau), so führten die konfessionellen Auseinandersetzungen der frühen Neuzeit zu heftigen Disputen; vgl. zur Sichtung dieses umfangreichen Materials jetzt Gössmann mit teilweisem Abdruck. Erst seit Döllinger, Papstfabeln, wird der Pontifikat der Päpstin Johanna eindeutig in das Reich der Legende verwiesen. Die in jüngerer Zeit vereinzelten Versuche, die historische Existenz der Päpstin zu belegen (so z. B. von Morris, Pope Joan, welche die Regierungszeit der Päpstin in die Zeit nach dem Pontifikat Benedikts III. legen will) sind abzulehnen. Zu den einzelnen Varianten über die Herkunft, Ausbildung und das Ende des Pontifikates im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes sowie der Bedeutung, die vielleicht die Person des Anastasius Bibliothecarius oder Papst Johannes VIII. für die Entstehung der Geschichte von einer Päpstin gehabt haben könnten, vgl. die genannte Literatur. Vgl. dort auch Interpretationsmöglichkeiten, welche der jeweilige Kontext der einzelnen Quellen, die Wortwahl u. a. zulassen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. F335, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0855-00-00_1_0_1_4_2_335_F335
(Abgerufen am 06.12.2016).