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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Der nach Rom gereiste angelsächsische König Ethelwulf übergibt 〈in Gegenwart von Papst Leo (IV.)〉 den Peterspfennig an den hl. Petrus.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Wilhelm von Malmesbury, Libri V de rebus gestis regum Anglorum (Stubbs, SS rer. Brit. XC,1, 109); Gervasius von Canterbury, Chr. minor (Stubbs, SS rer. Brit. LXXIII,2, 43); Ann. Wintonienses (Luard, SS rer. Brit. XXXVI,2, 9); Roger von Wendover, Flores hist. a. 857 (MG SS XXVIII 24); Matthäus Paris, Chr. maiora (Luard, SS rer. Brit. LVII, 1, 387); Ricobald von Ferrara, Pomarium (Muratori, SS rer. Ital. IX 167 und 236); Walter von Coventry, Ann. Angliae (Stubbs, SS rer. Brit. LVIII, 1, 13); Vinzenz von Beauvais, Speculum historiale 974; Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 428); Matthäus von Westminster, Flores hist. (Luard, SS rer. Brit. XCV,1, 426); Robert von Gloucester (Wright, SS rer. Brit. LXXXVI, 1, 388); Chr. Turon. (Martène-Durand, Veterum scriptorum 967); Johannes Longus von Ypern, Chr. monasterii s. Bertini (Martène-Durand, Thesaurus III 515); Eulogium (Haydon, SS rer. Brit. IX, 1, 242); Richard von Cirencester, Speculum hist. (Mayor, SS rer. Brit. XXX, 1, 327f.); John Capgrave, Chr. of England (Hingeston, SS rer. Brit. I 109); Chr. Bononiense (A) (Sorbelli, SS rer. Ital. XVIII, 1, 1, 409f.); Matthäus Palmieri, Liber de temporibus (Scaramella, SS rer. Ital. XXVI, 1, 77); Liber monasterii de Hyda (Edwards, SS rer. Brit. XLV, 25);. Reg.: -. Lit.: Jensen, Peterspfennig 17f.; Herbers, Leo 318f.

Kommentar

Die meisten der verzeichneten Quellen, die freilich alle von den Ereignissen zeitlich entfernt sind, vermerken die Übergabe des Peterspfennigs an den hl. Petrus coram quarto Leone papa; demnach dürfte die Übergabe im Petersdom erfolgt sein. Merkwürdigerweise wird übereinstimmend Leo IV. und nicht Benedikt III. genannt, obwohl das Ereignis zeitlich zuweilen in ein Pontifikatsjahr Benedikts III. gelegt wird. Es ist allerdings nicht ganz auszuschließen, daß Ethelwulf noch in der Mitte des Jahres 855, also kurz vor dem Tod Leos IV. (n. 334) in Rom eintraf; zur Chronologie seiner Romreise vgl. n. †(?) 272 , n. † 273 und n. 377 . Der den Ereignissen näherstehende Bericht bei Asser, De rebus gestis Aelfredi a. 855 (Stevenson-Whitelock 15f.) (ähnlich einige, diesem folgende, spätere Quellen) weiß allerdings nichts von einer Übergabe des Peterpfennigs in Rom. Dort heißt es im Zusammenhang mit der Romreise des Königs Ethelwulf, dieser habe nach seiner Rückkehr im Jahre 856 die Anweisung gegeben, jährlich eine Summe von 300 Mankusen nach Rom zu senden, davon 200 für die Heiligen Petrus und Paulus zur Füllung der Öllampen in den Kirchen S. Peter und S. Paul am Osterfest und 100 für den Papst selbst, vgl. hierzu auch die aus der Mitte des 14. Jh. stammende Notiz im Black Book of Canterbury, fol. 20a (6th Report of the Royal Commision on Historical Manuscripts, London 1877, 498). Von den Quellenangaben bezieht der Liber monasterii de Hyda diese Tradition auf Leo IV und schreibt von einer Übergabe der Summe an diesen. Die weiteren Quellen verweisen auf eine zweite Tradition, die von der Abgabe eines silbernen Denars eines jeden Hauses in Ethelwulfs Reich an Leo IV zu berichten weiß; vgl. zu beiden Versionen auch Jensen. Welche der beiden Traditionen größeren Wahrheitsgehalt beanspruchen darf, ist unklar. Zumindest hat jedoch die erste Version eine gewisse Grundlage in dem zeitlich nahestehenden Bericht Assers, der allerdings eine Übergabe im Beisein Leos IV. ausschließt. Vielleicht bezog man auch die Schenkung König Offas an Papst Leo III. assoziativ auf König Ethelwulf und Papst Leo IV. Wahrscheinlich sind deshalb Fehler in der ohnehin erst relativ spät einsetzenden Historiographie anzunehmen, vor allem bezüglich des Papstnamens, obwohl die Traditionen einen echten Kern enthalten könnten.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 331, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0855-00-00_1_0_1_4_2_331_331
(Abgerufen am 21.10.2017).