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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Auf einer unter Vorsitz von Papst Leo IV. tagenden Synode werden von den 59 anwesenden Bischöfen und den sieben Bischofsvertretern nach einer durch den Diakon Nikolaus verlesenen päpstlichen Ermahnung und nach einer durch den Diakon Benedikt vorgetragenen Antwort der Bischöfe 42 Kanones erlassen. In der weiteren Verhandlung verurteilt die Synodalversammlung unter Berufung auf Beschlüsse des Konzils von Antiochia und unter ausführlicher Berücksichtigung der Vorgeschichte (n. 158, n. 161, n. 208, n. 237, n. 287, n. 288, n. 294), nach Laudes auf Papst Leo, nach einer vom Notar und Skriniar Theodor verlesenen Ansprache des Papstes an die kaiserlichen Missi, die Bischöfe Joseph von Ivrea, Petrus (II.) von Spoleto und Noting (von Brescia), sowie an die ganze Synode, nach einer erneuten Lesung von n. 294 durch Theodor und nach einer Befragung der Missi den Kardinalpresbyter Anastasius von S. Marcello und enthebt ihn des priesterlichen Amtes ohne die Möglichkeit einer späteren Wiedereinsetzung. Anno scilicet pontificatus sanctissimi hac quoangelici et universalis quarti papae Leonis septimo atque invictissimorum dominorum nostrorum Hlotharii hac Hludoici imperatorum anno quoque imperii eorum V. et tricesimo septimo, mense Decembri, die octava, indictione II .

Überlieferung/Literatur

Druck: Konzilsakten (MG Conc. III 316-346). Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 129, 141, 143 und 175; Prerovský II 572, 581 und 588); Ann. Bertiniani (Grat 146f.); Konzilsakten Rom Feb. 861 (MG Conc. IV 51); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 290f., 292). Reg.: J p. 233; JE I p. 336; Werminghoff, Synoden 620; IP I 75 n. 7; Böhmer-Zielinski n. 114. Lit.: Lapôtre, Anastasio 293-298; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 196 und IV,2 1324; Perels, Nikolaus 197-201; Arnaldi, Anastasio 26; Zimmermann, Papstabsetzungen 42; Hartmann, Konzilsprotokolle 260; Hartmann, Synoden 235-237; Herbers, Leo 217-222.

Kommentar

Zur Überlieferung der Konzilsakten vgl. Hartmann in MG Conc. III 311-316. Vgl. auch dort die Bemerkungen zur Nachwirkung und zur kanonistischen Rezeption. Zur weiteren Rezeption in der C-Version Anselms von Lucca vgl. Landau, Rezension 32, 34 und 35 (= Anselm V 37, V 95 und VI 28, die letzte Zuschreibung ist unsicher, weiterhin VI 122). Die aufgeführten Erwähnungen verzeichnen vor allem die Verurteilung des Anastasius, vgl. auch n. 238; bei Thomas Ebendorfer folgt hierauf ein Exkurs zur Kardinalswürde. Von den Kanones existieren zwei Kurzformen, die bei Pseudo-Liudprand und in einer Wolfenbütteler Handschrift überliefert sind (Druck: MG Conc. III 339-346). Vgl. zur Rezeption der kurzen Version auch JL 6254 (siehe Hermann von Tournai, Liber, MG SS XIV 316). Außer den angeführten Erwähnungen könnte sich auch n. 238 auf das Konzil beziehen. Nur statuta eines von Leo IV. veranstalteten Konzils werden in den römischen Konzilsakten von 861 erwähnt. Die Datierung steht zu Beginn der Konzilsakten; die anschließenden 42 Kanones entsprechen mit geringfügigen Zusätzen oder Änderungen bis auf die letzten vier denjenigen der Synode von Rom 826 (MG Conc. II 566-583). Die ersten 38 Kanones betreffen (wie die schon in Rom 826 promulgierten und weitgehend mit kleinen Ergänzungen und Veränderungen benutzten Rechtssätze) verschiedene kirchenrechtliche Fragen, unter anderem zu Episkopat und Klerus sowie zu Eigenkirche und Mönchtum, die (neuen) Kanones 39-42 regeln vor allem das Verhältnis der Priester zu ihren Bischöfen: die Zahl der zu weihenden Priester (39, vgl. Kanon 9), die Teilnahmepflicht der Priester an Diözesansynoden (40) und den Schutz der Priester an Eigenkirchen gegen eventuelle laikale Übergriffe (41) und (42). Welche Rolle Leo beim Erlaß dieser Kanones spielte, ist nicht eindeutig erkennbar. Vgl. zum Inhalt dieser Kanones Hefele-Leclercq, Hist. IV, 1, 51-53. Zur Identifizierung der Vorlagen, der Personen und Orte vgl. die Kommentierung sowie die Anm. bei Hartmann (MG Conc. III 316-339). Außer dem Erlaß von Kanones war der Hauptzweck der Synode, Anastasius zu verurteilen. Das Verhandlungsprotokoll schildert ausführlich die Vorgeschichte und weist in der Urteilsbegründung vor allem auf das Konzil von Antiochia (341) c. 3 (Turner, Eccl. Occ. Mon. II 243 und 245) hin. Zur bildlichen Darstellung des Konzils vgl. auch n. 308.-Unterschrieben hat in der anschließenden Liste zunächst Papst Leo IV. (Leo sanctae catholice et apostolice Romane ecclesiae quartus episcopus in hac excommunicatione et anathemate sive depositione Anastasii presbiterii tituli sancti Marcelli a me facta sicut superius legitur manu propria subscripsi.), es folgt die Unterschrift von Kaiser Lothar I., aus der man jedoch nicht die Anwesenheit des Kaisers schlüssig folgern kann, wie bereits Böhmer-Mühlbacher 2 und auch Hartmann (MG Conc. III 335 Anm. 158) hervorgehoben haben. Anschließend stehen die Unterschriften von 66 Bischöfen (sieben davon wurden von Stellvertretern geleistet): Joseph von Ivrea, Petrus II. von Spoleto, Petrus II. von Arezzo, Noting von Brescia, Leo von Bagnorea, Johannes III. von Velletri, Hadrian von Ferentino, Johannes von Sutri, Agatho II. von Todi, Nikolaus von Anagni, Petrus von Gabii, Andreas von Osimo, Johannes von Furconia, Dominik von Foligno, Megistus von Ostia, Maius von Piperno, Stephan von Narni, Racipert von Nocera, Rodoald von Porto, Cancius von Siena, Leo von Silva Candida, Georg von Bomarzo, Dominik II. von Civitavecchia, Alipert von Fondi, Colo von Rieti, Arnulf von Valva und Sulmona, Albinus von Amelia, Benedikt von Nepi, Roderich von Città di Castello, Theodor von Monterano oder Martarano (vgl. MG Conc. III, 336 Anm. 189), Johannes II. von Tuscania, Tanimund von Sovana, Jordanes von Terracina, Sergius von Umana, Hadrian von Cerveteri, Petronacius von Albano, Johannes von Fano, Ragubel von Pesaro, Talarus von Minturno, Samuel von Sinigaglia, Adroald von Veroli, Johannes von Falerii, Dominik von Gallese, Andreas von Cagli, Bonipert von Segni, Leo von Alatri, Jordanes von Castro, Johannes von Fossombrone, Odalpert von Populonia, Konstantin von Urbino, Erfo von Gubbio, Sergius von Sabina, Andreas von Bieda, Ivo von Assisi, Anastasius von Tres tabernae, Ursus von Tivoli, Petrus von Orvieto, Liuderisius, Bischof der Marser, Crescentius von Trevi. In Stellvertretung für nichtanwesende Bischöfe unterzeichneten: der Archidiakon Ursus für den Bischof Petrus von Chieti; der Diakon Paul für den Erzbischof Johannes VII. von Ravenna, Aimo für den Bischof Anastasius von Jesi; der Presbyter Johannes für den Bischof Benedikt von Perugia, Leo für den Bischof Stephan von Montefeltro, Raginbert für den Bischof Jeremias von Teramo, Walderamus für den Bischof Teuderad von Ascoli Piceno. Darüberhinaus unterzeichneten 20 Presbyter (Sergius von S. Clemente, Leo von S. Cecilia, Zacharias von S. Grisogono, Benedikt von S. Callisto in Trastevere, Leo von S. Lorenzo in Lucina oder S. Lorenzo in Damaso, Paul von S. Balbina, Leo von S. Ciriaco nelle Terme, Hadrian von S. Marco, Gregor von S. Anastasia, Romanus von SS. Giovanni e Paulo, Quirinus von S. Eusebio, Jobinianus von S. Sabina, Hadrian von S. Vitale, Georg von S. Lorenzo in Lucina oder S. Lorenzo in Damaso, Georg von SS. Giovanni e Paulo, Johannes von S. Grisogono, Leo von SS. Quattro Coronati, Martin von S. Marco, Johannes von S. Prisca) sowie der Archidiakon Johannes und weitere fünf Diakone (Johannes, Nikolaus, Benedikt, Leontius, Benedikt).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 307, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0853-12-08_1_0_1_4_2_307_307
(Abgerufen am 23.05.2017).