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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo IV. schreibt Kaiser Lothar (I.) (Lothario aug[usto]), (1) er sei verwundert, daß dieser für Georg, Adrian und Peter ein neues Urteil (... aliud ... iudicium ... ) verlange, obwohl doch bereits ein nur wegen des Osterfestes nicht vollstrecktes Todesurteil gemäß römischem Recht (iuxta le gern Romanam sententia ) in Anwesenheit der kaiserlichen Missi gefällt und verkündet worden sei; (2) er fordert den Kaiser auf, das römische Recht (Romana lex ) zur Geltung zu bringen.-[D]e illis tribus iam publice condemnatis ... (- Vestram flagitamus clementiam, ut sicut ...)

Incipit:
[D]e illis tribus iam publice condemnatis ... (- Vestram flagitamus clementiam, ut sicut

Überlieferung/Literatur

Orig.: - Kop.: - Insert: Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 170v-171r); Ivo von Chartres, Decretum X 88 (Migne, PL CLXI 720) [nur (1)] und IV 181 (Migne, PL CLXI 306) [nur (2)]; Ivo von Chartres, Panormia II 152 (Migne, PL CLXI 1118) [nur (2)]; 12. Jh., Gratian, Decretum D. X. c. 13 (Friedberg I 22) [nur (2)]; Anonymus Zwetlensis, Hist. Rom. pont. (Migne, PL CCXIII 1022) [nur (2)]. Drucke: Mansi, Coll. XIV 888 [nur (1)] und 887 [nur (2)]; Migne, PL CXV 657 [nur (1)] und 670 [nur (2)]; MG Epist. V 608 n. 43. Reg.: J 1973 [nur (1)]; J 1993 [nur (2)]; Ewald, Brit. Sammlung 392 n. 43; JE 2638. Lit.: Savigny, Rom. Recht II 206; Langen, Geschichte II 832; Hirschfeld, Gerichtswesen Rom 425; Brezzi, Roma 57; Hageneder, Crimen maiestatis 75f.; Herbers, Leo 237f.

Kommentar

Ivo verbindet in seinem Decretum das zweite Fragment mit n. 248, gibt das erste Fragment jedoch gesondert wieder. Obwohl JE alle drei Fragmente in einem Regest zusammenfaßt (JE 2638), ist wohl der von der MG-Edition befolgten Anordnung innerhalb der Coll. Brit. Vorrang einzuräumen, zumal es scheint, daß Ivo hier nur nach sachlichen, nicht chronologischen Gesichtspunkten gruppiert, vgl. auch n. 248. Zur Überlieferung beim Anonymus Zwetlensis vgl. Rost, Hist. Rom. pont. 68 sowie allgemein Stelzer, Gelehrtes Recht 63. Zu dem in Anwesenheit von kaiserlichen Missi abgehaltenen Gericht vgl. Hageneder, der nachweist (allerdings mit teilweise nicht mehr unbestrittenen Briefen Papst Leos IV. wie n. 220), daß die Päpste nach 823 den Anspruch aufgegeben haben, in Rom allein die Blutgerichtsbarkeit auszuüben. Zur Unsicherheit der kaiserlichen Kompetenzen nach 824 vgl. Herbers. Langen und Brezzi vermuten, die drei Verurteilten hätten an den Kaiser appelliert.-Fraglich bleibt die Interpretation der sententia utrorumque, die wegen des Osterfestes nicht vollstreckt und ausgesetzt worden sei; sollte vielleicht nur über zwei der genannten Männer ein Todesurteil, für den dritten eine mildere Strafe verhängt worden sein? Jedenfalls werden auch in n. 219 nur Adrian und Peter genannt, die möglicherweise Georg (in dem Brezzi den dux Gregor von Ravenna erkennen will, vgl. n. 277 ) nur kurzfristig als dritten Komplizen gewannen. Durch den Text nicht belegbar ist die Auffassung von Langen, die Vollstreckung sei gänzlich vertagt worden, so daß nach seiner Meinung n. 219 anschließend an das hier vorliegende Fragment eingeordnet werden könnte. Ewald, Brit. Sammlung 394 datiert auf 853, in diesem Jahr fiel das Osterfest auf den 2. April. Sollten die im Text erkennbaren Spannungen sich tatsächlich auf Ravenna beziehen, so würden die Texte gut zum Jahr 853 passen, obwohl eine größere Zeitspanne nicht auszuschließen ist.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 280, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0853-04-00_1_0_1_4_2_280_280
(Abgerufen am 23.11.2017).