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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) läßt die Kirche (S. Peter in Rom) (in basilica celesti clavigeri ) renovieren und verschönern, insbesondere die von den Sarazenen zerstörten (vgl. n. 59 ) Tore, den Torvorbau, die Dächer sowie die Portikus zur Andreaskapelle (porticum quae sancti Andreae cohaeret ecclesiae ), für die er unter anderem einen mit dem Papstbildnis verzierten Seidenbehang schenkt; der Peterskirche übereignet er 27 versilberte Kerzenständer, Silberbalken für Eingang und Mitte des Presbyterium (trabes in ingressu et in medio presbyterii ), einen großen und kleinen Kronleuchter, vier Seidenbehänge, weitere weiße, mit Rosen verzierte Seidenbehänge, zwei goldene Kronleuchter sowie ein Silberkreuz.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 127-129; Prerovský II 571); Petrus Mallius, Descriptio (Valentini-Zucchetti, FSI XC 392 und 429); Maphaeus Vegius, De rebus antiquis et memorabilibus basilicae S. Petri Romae (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 397); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 290); Flavius Blondus, Roma instaurata (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 274); Tiberio, Basilicae Vaticanae structura (Cerrati, 20, 115f., 195). Reg.: -. Lit.: Ladner, Papstbildnisse I 150f.; Corpus Basilicarum Christianarum V 176; Herbers, Leo 172-174.

Kommentar

Am ausführlichsten berichten die Stellen des Lib. pont. über die päpstlichen Maßnahmen, die teilweise gleichsam zusammenfassend gelobt werden und die Rolle Leos als Stifter unterstreichen. Die weiteren Quellen beschreiben die Peterskirche und nennen Leo als Mäzen besonders für das mittlere Portal, die Porta argentea . Die Silbertafeln, welche die Portale verzierten, waren mit Darstellungen geschmückt. Zur Porta argentea vgl. auch Valentini-Zucchetti in FSI LXXXVIII 251 mit Anm. 8. Die Verzierung der aula Dei durch Silber (mit Gewichtsangabe) bezieht sich wohl auf die gesamte Peterskirche, eventuell aber auch nur auf die Vorhalle. Obwohl im Text von der ecclesia und nicht von einem Oratorium des hl. Andreas die Rede ist, scheint es sich um die neben dem linken Seitenschiff von S. Peter gelegene Andreaskapelle gehandelt zu haben. Mit der camera vor den portae argenteae ist vielleicht der Torvorbau mit mehreren Kammern gemeint. Die Geschenke des Papstes werden stellvertretend für die Gaben des Papstes an die verschiedensten Kirchen Roms aufgelistet, die Geschenke aus Edelmetallen mit Gewichtsangabe. Die Kerzenständer waren für das Presbyterium bestimmt; die vier seidenen, lauchgrünen Altartücher (in circuitu altaris beati Petri ) (von denen Ladner annimmt, sie seien mit den in n. 295 erwähnten vela identisch) waren mit einer Salvatordarstellung sowie mit Bildern von Petrus und Paulus, des Papstes Leo IV. und weiteren Aposteldarstellungen verziert. Sie sollten an Festtagen aufgehängt werden, die weißen Seidentücher hingegen zur Osterzeit hl. Gegenstände verhüllen (... Paschae obumbrantia sacra ...). Die beiden goldenen Kronleuchter (die unter Leo wohl erstmals aus reinem Gold hergestellt wurden, wie der Text hervorhebt) mit Bildern von Christus und weiteren Heiligen waren für den Raum rechts und links des Hauptaltares bestimmt; das links vom Eingang stehende Silberkreuz identifiziert Duchesne II 138 Anm. 54 mit einem von Panvinius noch beschriebenen, 1550 eingeschmolzenen Kreuz, vgl. auch Vogel, Lib. pont. III 124. Dieses Kreuz ist seit 1981 wieder als Nachguß in Mainz und Rom vorhanden, vgl. Weidemann, Jahresbericht (33/1986), 852 und 897 und (34/1987) 743. Zu S. Peter vgl. außer IP I 132ff. auch Corpus Basilicarum Christianarum V 165ff. mit weiterer Literatur. Vgl. zur Baugeschichte allgemein Arbeiter, Alt-St.-Peter. Die Maßnahmen des Papstes scheinen sich über einen längeren Zeitraum erstreckt zu haben. Zu einer weiteren, im Lib. pont. hier erwähnten rückweisenden Bauaktivität im 1. Pontifikatsjahr vgl. n. 120 . Die Datierung ergibt sich aus der weitgehend chronologischen Berichterstattung nach Indiktionen im Lib. pont., vgl. n. 121 und n. 256 .

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 266, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0852-00-00_11_0_1_4_2_266_266
(Abgerufen am 21.02.2017).