Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

Sie sehen den Datensatz 239 von insgesamt 870.

Papst Leo IV. teilt Kaiser Lothar (I.) (Lothario augusto ) in Beantwortung seines Briefes (n. 213) mit, er könne den Erzbischof Hinkmar von Reims (Hincmaro Remensi archiepiscopo ) nicht wie erbeten als Vikar in jenen Gebieten (illis in partibus ) einsetzen (non constituimus ), weil sein Vorgänger Sergius (II.) auf Bitte Lothars (vestra deprecatione ) den Erzbischof Drogo (von Metz) (Drogoni archiepiscopo ) hierzu ernannt habe (concessimus ) (n. 35); er verleiht Hinkmar jedoch das ebenfalls erbetene Recht zum täglichen Gebrauch des Palliums (n. †(?) 240).-[D]irexistis nobis litteras vestras, quibus ...

Incipit:
[D]irexistis nobis litteras vestras, quibus

Überlieferung/Literatur

Orig.: - Kop.: -. Insert: Coll. Brit (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 163r-v). Drucke: Ewald, Brit. Sammlung 381 n. 12; MG Epist. V 590 n. 12. Reg.: JE 2607. Lit.: Schrörs, Hinkmar 58; Dümmler, Ostfränk. Reich I 2 339; Hacke, Palliumverleihungen 126f.; Parisot, Lorraine 738f.; Calmette, Diplomatie 187-190; Pfister, Drogon 121f. Anm. 5; Lesne, Hincmar et Lothaire 34-49; Schmidt, Trier und Reims 80; Barion, Synodalrecht 382 Anm. 103; Fuhrmann, Patriarchate II 40/1954, 10f.; Oexle, Stadt des hl. Arnulf 350; Martí Bonet, Palio 98; Goetting, Hildesheim 78; Herbers, Leo 344-349.

Kommentar

Das nur in der Coll. Brit. überlieferte päpstliche Schreiben hängt eng mit n. 137, n. 138, n. 213 und n. †(?) 240 zusammen. Flodoard von Reims, der zwar über eine zweimalige Palliumverleihung an Hinkmar zu berichten weiß (n. 138 und n. †(?) 240), scheint jedoch diesen (für den Reimser Erzbischof nicht in allen Punkten positiven) Brief nicht zu kennen. Die aus dem Zusammenhang mit den anderen Regesten resultierende Schwierigkeit, die verschiedenen Erwähnungen in Einklang zu bringen, führte Parisot zu Zweifeln an der Echtheit des vorliegenden Briefes. Er machte vor allem geltend, daß Lothar I. es wohl kaum gewagt hätte, um einen Vikariat für einen Erzbischof aus dem Reich Karls des Kahlen zu bitten, und daß zudem JE 2824 und ein Brief Hinkmars von 867 (MG Epist. VIII 216), die auch auf den Gebrauch des Palliums durch Hinkmar eingehen, gegen die Verleihung eines pallium quotidianum sprächen. In Fortführung dieser Thesen nahm Calmette an, es sei nur eine einzige (einfache) Palliumverleihung an Hinkmar wohl im Jahre 851 erfolgt; kurz vor der Pallienübergabe seien der vorliegende Brief und n. †(?) 240 verfälscht worden, so daß Flodoard aus den Fassungen, wie sie heute die Coll. Brit. enthält, auf eine zweimalige Verleihung des Palliums geschlossen habe. U. a. die Tatsache, daß Calmette den Akt der Fälschung auf die Mitte des 9. Jh. und die Nähe von Reims eingrenzte, bot Lesne einen Anhaltspunkt, um wiederum für die Echtheit beider Stücke einzutreten. Er kann sich weder bei Hinkmar selbst, noch in der Reimser Kirche, noch beim Kreis der von Ebo geweihten Kleriker, noch bei Erzbischof Drogo von Metz, noch in Rom ein Interesse an der Fälschung vorstellen (46-49) und hält einen Vikariatsplan Lothars I. im Jahre 851 für durchaus möglich (42). Allerdings scheint seine Zurückweisung Drogos von Metz als eventuellem Fälscher am wenigsten überzeugend, für dessen Vikariat Lothar ja noch 844 eingetreten war (Hirsch-Gereuth liest in der MG-Edition irreführend nostra statt richtig vestra deprecatione, wie schon Ewald korrekt edierte). Nimmt man hinzu, daß eine Verleihung des pallium quotidianum ungewöhnlich war, die übrigen Briefe Leos IV, die an Hinkmar oder andere zu Reimser Angelegenheiten gerichtet waren (n. † 134, n. 135, n. 246, n. 290), sehr reserviert klingen und auch sonstige in der Coll. Brit. überlieferte Briefe nicht über jeden Zweifel erhaben sind, dürften-auch wenn teilweise die neuere Literatur in Unkenntnis des früheren Schrifttums stillschweigend von der Echtheit ausgeht (vgl. Herbers 345 Anm. 239)-zumindest Vorbehalte hinsichtlich der Echtheit angebracht sein. Zur Möglichkeit, daß vielleicht sogar im Umkreis Hinkmars der Text leicht verfälscht wurde, vgl. Herbers. Sollte ein echter Kern vorliegen, ist zur Datierung an dem bereits von JE vorgeschlagenen Jahr 851 festzuhalten, weniger wegen der Stellung innerhalb der Brit. Sammlung, sondern wegen des inzwischen erfolgten Todes des ehemaligen Reimser Bischofs Ebo, der erst die endgültigen Voraussetzungen für Hinkmars Ambitionen schuf.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. F?239, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0851-00-00_1_0_1_4_2_239_F239
(Abgerufen am 23.01.2017).