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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) ermahnt in einem Brief (den Herzog) Nominoë von der Bretagne .

Überlieferung/Literatur

Erw.: Synodalbrief von Juli oder August 850 an Nominoe (MG Conc. III 203-206); JE 2708; Synodalbrief von Soissons 866 August (MG Conc. IV 219). Reg.: -. Lit.: Levillain, Etude 307-311; Lot-Halphen, Charles le Chauve 218, 220f.; Duchesne, Fastes II 267; Hefele-Leclercq, Hist. IV/2, 1316-1320; Duine, Schisme breton 441 Anm. 1; Guillotel, L'action de Charles le Chauve 19-21; Herbers, Leo 328.

Kommentar

Das in dem genannten, wohl von Abt Lupus von Ferrières verfaßten Synodalbrief zweifach erwähnte Papstschreiben war demnach eine Reaktion auf Nominoës Bitte zur Aufnahme in das päpstliche Gebet. Anschließend habe Nominoe jedoch die Annahme des päpstlichen Briefes verweigert, weil er einen ungünstigen Inhalt befürchtet habe; vgl. ähnlich auch den Brief der Synode von Soissons 866 (MG Conc. IV 219). Im Brief der Synodalteilnehmer von 850 heißt es weiter, sie hätten ebenfalls ein Exemplar des päpstlichen Schreibens erhalten, dessen Inhalt für Nominoe nicht verletzend sei, und sie böten deshalb an, den päpstlichen Legaten zum zweiten Mal zu Nominoe zu senden. In JE 2708 ist nur summarisch von den unter Leo IV. an die bretonischen Könige, den Erzbischof von Tours und dessen Bischöfe ergangenen Briefen die Rede. Merlet, Emancipation 25ff. setzt die Erwähnung des vorliegenden Briefes mit dem Fragment n. 235 gleich, vor allem, weil es kurz zuvor in dem Synodalschreiben heißt: episcopi legitimi sedibus propriis expulsi et, ut mitius loquamur, quia dicere nolumus fures et latrones, mercenarii introducti ... und die Formulierung non fures et latrones auch dort verwendet werde. Dieser Deutung sind jedoch Duchesne und entschiedener Levillain (ähnlich Lot-Halphen und Hefele-Leclercq) entgegengetreten, vor allem weil die sonstigen genannten Ereignisse eine Datierung dieses Schreibens auf Juli-August 850 nahelegen, vgl. auch Duine und Hartmann (MG Conc. III 202). Außerdem wäre es verwunderlich, wenn der Überbringer von n. 235 an der Synode von Anjou nicht teilgenommen hätte, wie besonders Duchesne hervorgehoben hat. Wahrscheinlich war das Papstschreiben die päpstliche (von Nominoës Gegnern erbetene?) Reaktion auf Nominoës Bischofsabsetzungen in Coetleu (MG Conc. III 185-191) sowie auf dessen weitere Kriegszüge in den Jahren 849 und 850, vgl. hierzu Lot-Halphen 217ff. sowie Guillotel, L'action de Charles le Chauve 19-21. Die Datierung ergibt sich aus der Abfassungszeit des Synodalbriefes.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 231, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0850-07-00_1_0_1_4_2_231_231
(Abgerufen am 21.01.2017).