Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

Sie sehen den Datensatz 228 von insgesamt 870.

Papst Leo (IV.) bestätigt (statuimus, sanccimus et ... decernimus ) Kaiserin Irmengard und dem Kloster Erstein im Elsaß (domne Innengarde auguste et per vos venerabili monasterio sancte Dei genitricis Mariae et sancte virginis et martiris Cecilie, quod est situm in ducatu Elisacensi in villa que vocatur Herestein ) auf deren durch die Legaten des Kaisers Lothar (I.), nämlich den Bischof Joseph (von Ivrea), den (Erzbischof) Hilduin (von Köln) und den Priester Roland (Joseph ... episcopum et Hiltuvinum notarium ... prespiterum suum Rolandum ...) überbrachte Bitte hin die von Irmengard für das neugegründete Kloster Erstein (monasterium ... in provincia Elisacensi super fluvium qui Illa dicitur et in villa que Herestein nuncupatur ...) getroffenen Verfügungen, insbesondere zur Wahl der Äbtissin 〈und zur Inanspruchnahme päpstlicher und kaiserlicher Hilfestellung in Notzeiten〉, nachdem er zuvor über die von der Kaiserin mit Zustimmung Kaiser Lothars (I.) vom Papst erbetene und gewährte Genehmigung zur Klostergründung und die Übersendung von Reliquien (n. 210) berichtet hat.

Scriptum per manum Teodori notarii, regionarii et scriniarii sancte Romane ecclesie, in mense Aprilis, indictione XIII. [Datum] IV kal. Mai per manum Tyberii primicerii sancte sedis apostolice imperante domino nostro piissimo perpetuo augusto Lothario a Deo coronato magno imperatore .

Incipit:
Credite speculacionis impellimur cura, amore ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: - Kop.: 14. Jh., Straßburg Arch. dép.: G 2733. Druck: Scheffer-Boichorst, Geschichte 291 (ND 362). Reg.: JE 2603; GP III 31 n. 2. Lit.: Scheffer-Boichorst, Geschichte 295f. (ND 367f.); Hörger, Fürstäbtissinnen 223; Friedel, Erstein 32; Büttner, Gesch. Elsaß I, 143f. (ND 130f.); Büttner, PUU Elsaß 7 (ND 232); Hotzelt, Translationen ins Elsaß 9f.; Pfaff, Sankt Peters Abteien 195; Boshof, Traditio Romana 62-65; Herbers, Leo 361-363; Herbers, Rom im Frankenreich 140 und 144f.

Kommentar

Zur Überlieferung und zu einer Übersetzung der Kopie vgl. GP; der dort gegebene Hinweis auf einen Erstdruck der Urkunde von L. Laguille bezieht sich jedoch auf den Druck von DLoI. 106, einer Schenkungsurkunde vom 6. September 849 zugunsten der "schon in der Vorbereitung begriffenen Gründung" des Klosters Erstein, vgl. Schieffer, Vorbemerkung zu DLoI. 106. Der Kopist des 14. Jh. benutzte wahrscheinlich eine Vorlage aus dem 12. Jh., vgl. GP. Hierbei fügte er wohl verschiedene Passagen hinzu, jedoch entspricht das Formular teilweise dem LD, und auch das Eschatokoll erregt keinen Verdacht, vgl. Scheffer-Boichorst, Santifaller, LD 93 und Santifaller, Elenco 48f. sowie 256. "Der zweite Teil erweckt den Eindruck einer völlig selbständigen Urkunde" (Boshof). Ein erster Teil über die päpstliche Genehmigung zur Klostergründung sowie über die Reliquientranslation (n. 210) und die Narratio erscheinen teilweise verdächtig. In letzterer wird ausführlich über die Klostergründung und über die von Irmengard getroffenen Verfügungen berichtet. Demnach habe die Gründerin dem Konvent des Kanonissenstiftes die freie Wahl der Äbtissin zugestanden sowie die Beanspruchung der päpstlichen Hilfe in Notfällen empfohlen, und zwar solle der Papst durch Legaten jeweils den regierenden Frankenherrscher zur Gewährung der Unterstützung veranlassen: mater spiritalis eius loci ad sedem apostolicam dirigat et ei, qui auctore Deo pro tempore fuerit, summo pontifici necessitatis sue causas exponat, ... ipse autem, qui tunc temporis pontifex fuerit, ad imperatorem sive regem Francorum legatos suos dirigens pro recuperando et conservando statu ipsius monasterii supplicet .. . Diese Formulierungen verleiten teilweise zur Bezeichnung der Urkunde als "Schutzprivileg", wie Hörger, Büttner und Pfaff - wenn auch mit gewissen Einschränkungen-dargelegt haben. Allerdings betonte bereits Büttner, hier spiegele sich eher die Rechtslage des 11./12. Jh. wider (vgl. auch die Urkunde Viktors IV, GP III 32 n. 3), so daß diese Teile wohl nicht der ursprünglichen Urkunde Leos IV. entstammen dürften, vgl. besonders GP und Boshof. Gesichert sind jedoch die bereits früher erfolgte Reliquienübertragung (n. 210) und die Gesandtschaft Lothars I., die im April 850 zur Kaiserkrönung Ludwigs II. (n. 220) in Rom eingetroffen sein könnte, vgl. Scheffer-Boichorst, Schieffer in seiner Vorbemerkung zu DLoI. 106 und Boshof. Der echte Kern der Urkunde wäre am ehesten als "Bestätigung des Besitzes und der Gründungsbestimmungen" zu bezeichnen (jedoch ohne Nennung eines besonderen päpstlichen Schutzes), während der erste Teil einem Translationsbericht entnommen sein könnte, vgl. Boshof.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 228, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0850-04-28_1_0_1_4_2_228_228
(Abgerufen am 31.03.2017).