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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo IV. behandelt auf einer Synode gemeinsam mit Kaiser Ludwig (II.) sowie Erzbischöfen, Bischöfen und Äbten den Streit zwischen Bischof Cancius von Siena und Bischof Petrus von Arezzo um Kirchen im Gebiet von Siena, die das Bistum Arezzo gewaltsam in seine Abhängigkeit gebracht habe; beide Parteien begründen ihren jeweiligen Rechtsstandpunkt und zitieren die früheren Entscheidungen der Päpste Konstantin (I.) und Hadrian (I.) sowie der Könige Liudprand und Karl (des Großen). Papst Leo (IV.) und Kaiser Ludwig (II.) vertagen das Konzil um 12 Tage, damit die jeweiligen Rechtstitel vorgelegt und geeignete Zeugen vorgeführt werden können.

Überlieferung/Literatur

Druck: Manaresi, Placiti (FSI XCII 176-187 n. 53). Erw.: Urk. Honorius' II. von 1125 Mai 5 (JL 7210; Kehr, PUU Toskana 154 n. 40). Reg.: Lami, Florentinae monumenta III p. CXIV; J p. 231; JE I p. 331; Böhmer-Mühlbacher 2 n. 1179a; Hübner, Gerichtsurkunden, 2. Abt. 37 n. 744; Werminghoff, Synoden 616; Kehr, PUU Toskana 148 n. *9 und 200 n. *9; Reg. chartarum Pistoriensium 34f. n 38; Zagni, Atti arcivescovili milanesi 42 n. 21; Böhmer-Zielinski n. † 68. Lit.: Hefele-Leclercq, Hist. IV/1, 211 und IV/2, 1312; Besta, Diritto romano 83-87; Fichtenau, Genesius 84; Tafi, Chiesa aretina 282f.; Maroni, Prime communità 141ff.; Polock-Schneider, Synodalurkunde 495-502; Polock, Sinodo romano 73ff.; Tafi, Vescovi Arezzo 42f.; Rauty, Storia di Pistoia 176.

Kommentar

Zur Überlieferung der nur in einer Abschrift aus dem 13. Jh. erhaltenen Synodalurkunde vgl. zuletzt Polock-Schneider. Vgl. ibid. sowie bei Polock die nach früheren Zweifeln von Besta, Tafi und Maroni bisher umfassendste Auseinandersetzung zur Echtheit. Demnach muß die Synodalurkunde im 12. Jh. entstanden sein, als sich der Streit um die Besitzungen zwischen Arezzo und Siena verschärfte, wahrscheinlich etwa 1124-1125, weil die Erwähnung erstmals auf den vorliegenden Akt Bezug nimmt. Im Streit um die verschiedenen Kirchen ging es um die Vergrößerung des Gebietes von Siena. Das von den Gastalden von Siena neu in Besitz genommene Gebiet unterstand kirchlich weiterhin Arezzo, woraus sich die Konflikte ergaben. Zur lokalen Situation vgl. Schneider, Reichsverwaltung in Toscana 86ff.; Bognetti, Nazionalità 408ff., Tafi 193f, Maroni, Fatucchi, L'eredità sowie die weitere Literatur bei Polock-Schneider 499 Anm. 26. Zu den zitierten Urkunden Konstantins und Hadrians (I.) vgl. Kehr, PUU Toskana 147 n. † 2 und n. *6; zur Urkunde Liudprands vgl. Pasqui, Documenti 16-24 n. 3-7; zu Karl d. Gr. vgl. DKdGr. n. 196. Zur Fortsetzung der Synode nach 12 Tagen vgl. n. † 229 . Die Datierungsvorschläge schwankten bisher zwischen 853 (weil man einen Zusammenhang mit n. 307 herstellen wollte) und 850, weil man die Synode am Itinerar Ludwigs II. orientierte (vgl. n. 220 ). Will man ein Datum ermitteln, auf das hin gefälscht wurde, so ist 850 und die zeitliche Orientierung an der Kaiserkrönung Ludwigs II. wahrscheinlicher, vgl. auch Polock-Schneider 499.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. F227, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0850-04-00_2_0_1_4_2_227_F227
(Abgerufen am 28.07.2017).