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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) tadelt (Erzbischof) Fredold (von Narbonne) (Fredulfo),(1) weil er den Priester Gauta widerrechtlich (contra canones) wegen eines nicht erwiesenen Vergehens bereits vor drei Jahren suspendiert (ab honore proprio alienum ...) und exkommuniziert habe; (2) er bemängelt außerdem, er habe trotz des früheren an ihn gerichteten Papstbriefes (n. 109) den genannten Priester tätlich verletzt und erneut exkommuniziert, als dieser das Papstschreiben auf einer (Provinzial)synode vorzeigte. Wegen dieses Verstoßes (erga precipua canonum statuta nostramque egisti clementiam) exkommuniziert er seinerseits Fredold und Bischof Audesind (von Elne) bis zur Wiedereinsetzung Gautas in sein früheres Amt.-[C]um venerabiles ac prefixos sanctorum ... (- [N] ostram epistolam, quam tibi direximus ...)

Überlieferung/Literatur

Orig.: -. Kop.: -. Insert: Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 161 v) Drucke: Ewald, Brit. Sammlung 377f. n. 5; MG Epist. V 587 n. 5. Reg.: JE 2623. Lit.: Lesne, Hierarchie épiscopale 158; Griffe, Hist. religieuse de l'Aude 107f; Haller, Nikolaus 174.

Kommentar

Als Adressat der nur in der Coll. Brit. überlieferten Brieffragmente gilt trotz der unsicheren Sedenzzeit übereinstimmend Erzbischof Fredold von Narbonne, vgl. auch Duchesne, Fastes I 305, zumal sich der ebenfalls genannte Audesind dem Narbonner Suffraganbistum Elne zuordnen läßt, vgl. ibid. 320. Das im Text erwähnte frühere Papstschreiben, das der sonst unbekannte, laut den Vermutungen von Griffe wohl in Elne fungierende Priester Gauta aus Rom überbrachte, ist verloren, jedoch geht aus dem Zusammenhang hervor, daß hierin bereits erstmals eine Wiedereinsetzung des Gauta verlangt wurde, vgl. n. 109 . Unklar sind die näheren Umstände des bei Hefele-Leclercq, Hist., und Werminghoff, Synoden, nicht verzeichneten Konzils. Lesne und Griffe denken am ehesten an eine Provinzialsynode; im Text ist von ... episcoporum concilio ... die Rede. Unsicher bleibt, wer außer den genannten Personen teilnahm und wie der Papst von den Ereignissen so detaillierte Kenntnisse erhielt; jedenfalls heißt es im Anschluß an den Bericht über die Verletzung Gautas: ... ut [Gauta] ad nos nullo modo pervenisset. Quod nullus non solum venerabilium archiepiscoporum aut episcoporum verum etiam magnorum imperatorum facere cogitavit. Zu der einschränkenden Klausel si ita vgl. Herbers, Leo 410. Lesne und Griffe sehen im Verhalten des Narbonner Metropoliten eine schlechte Imitation des Erzbischofs Hinkmar von Reims; Haller wertet den Eingriff des Papstes in die Bistumsangelegenheiten insgesamt als noch eher zurückhaltend. Ewald, Brit. Sammlung 396 datiert aufgrund der Anordnung innerhalb der Sammlung auf die Zeit nach September 852, vgl. jedoch zur Problematik Herbers, Leo 51 f., 62f. und 87f. Die Sedenzzeiten der erwähnten Personen lassen zwar keine zeitliche Einschränkung innerhalb des Pontifikates Leos zu, jedoch dürften die ersten neun Monate wegen der erstmaligen Intervention Leos (n. 109) ausscheiden.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 159, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0848-00-00_1_0_1_4_2_159_159
(Abgerufen am 27.05.2017).