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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) schickt dem Patriarchen Ignatios von Konstantinopel ([Ignat]io patriarche [Constan]tinopolitano) das von diesem übersandte Pallium (pallium superhumerale) zurück, weil die römische Kirche (magistra et caput ... aecclesiarum) selbst das Pallium in ganz Europa (per totam Europeun) vergebe.-[V]idimus animi puritate, et sola ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: - Kop.: - Insert: Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit Lib.: Ms. add. 8873) fol. 170v. Drucke: Ewald, Brit. Sammlung 392 n. 42; MG Epist. V 607 n. 41. Reg.: JE 2647. Lit.: Mann, Lives II 298; Haller, Nikolaus 16f.; Grumel, Schisme 259; Grotz, Hadrian 54; Dvomik, Photian Schism 20, 110; Dvornik, Photius, Nicolas I and Hadrian II 35; Lounghis, Ambassades byzantines 188; Bishop, Nicholas 342; Stiernon, Interpretations 674f.; Herbers, Leo 306-309.

Kommentar

Das nur in der Coll. Brit. überlieferte Brieffragment zeigt laut Dvornik, wie schlecht der Patriarch von Konstantinopel kanonische Bräuche kannte. Zu der byzantinischen Gesandtschaft, die das Pallium nach Rom brachte und die nur aus dem vorliegenden Brief erschlossen werden kann, vgl. Grumel-Darrouzès, Regestes Constantinople 89 n. 446 (vgl. Lounghis, Ambassades byzantines 383). Mit der päpstlichen Ablehnung des Palliums wird der Führungsanspruch der römischen Kirche betont; Ewald und MG datieren auch aufgrund der Anordnung des Stückes innerhalb der Sammlung auf das Jahr 853 (vgl. Ewald, Brit. Sammlung 396; zur Problematik dieser Chronologie vgl. Herbers, Leo 51f., 62f. und 87f.). Grotz denkt daran, allerdings ohne Begründung, daß die Übersendung des Palliums mit der Absetzung des Gregor Asbesta zusammenhing (vgl. n. 271 ) (ähnlich datiert Haller ohne Begründung in die Zeit des Pontifikatsendes von Leo IV.), und Grumel plädiert für den Zeitraum von 847 bis 852 bzw. 853. Schließlich hat Dvornik zur Datierung festgestellt, daß der Brief zwar gut in die Anfangszeit der Regierung von Patriarch Ignatios passe (etwa 848-850), um dann jedoch die problematischen Überlegungen von Ewald, der noch eine kontinuierliche Übernahme der Texte aus dem Register Leos annahm, seiner Datierung zugrunde zu legen und für eine Datierung in das Jahr 854 zu plädieren. Stiernon sieht einen Zusammenhang mit der nach Rom übersandten Inthronistika und geht also wohl von einem Zeitansatz um 847 aus. Demgegenüber ist jedoch (die Echtheit des Stückes bzw. ein echter Kern vorausgesetzt) der weite Datierungsvorschlag Grumels, der mögliche Zusammenhänge mit der Inthronistika sowie mit der Angelegenheit des Gregor Asbesta gleichermaßen berücksichtigt, vorzuziehen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 113, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0847-00-00_3_0_1_4_2_113_113
(Abgerufen am 23.03.2017).