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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) gewährt dem von König Sigmund erbauten Kloster S. Maurice d'Agaune (D. Sitten) auf Bitten des dort anstelle des Abtes fungierenden Königs Arnulf (monasterium sanctorum Agaunensium in regnum Burgundie situm, super flumen Rodanum, quem in honore beati Mauricii vel aliorum martyrum Sigismundus ... construxisse dinoscitur, in quo idem Arnulfus rex uicem abbatis gerere videtur) (unter teilweiser Wiederholung einer Urkunde Eugens I.; GP II/2 139 n. †1; Anton, Klosterprivilegien 12-23) ein Privileg mit Bestätigung genannter Besitzungen sowie von Zehnteinnahmen; verbietet insbesondere die Machtausübung durch irgendeinen Priester außer dem Bischof von Sitten (civitas Valentia), verbietet jedem, die Zehnten zu erheben, das Chrisma zu weihen oder dort Messen außer auf Einladung des Konventes zu feiern und hebt die Unterstellung unter den Papst hervor.

Leo Deo auctore in hac serie privilegii ob amorem Dei et sanctorum martyrum honorem a me facta relegens subscripsi ac episcopos nostri presulatus subtus adnotare iussi. Es folgen sechs Zeugenunterschriften.

Incipit:
Quia Dommus noster oves proprias ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: -. Kop.: Ende 10.-Anf. 11. Jh., St-Maurice Arch. de l'Abb.: tir. 1 paquet 1 n. 3 bis;15.Jh., Turin Arch. di Stato: Bénéfices delà des monts fol. 6r-7v; 17. Jh., Rom Bibl. Vat: Cod. Barb. lat. 3071 fol. 31r-33r;1634-35, St-Maurice Arch. de l'Abb.: Copiae documentorum fasc. II. fol. 116r-117v; ca. 1660, St-Maurice Arch. de l'Abb.: Nomenclatura abbatum p. 128-131; ca. 1750, Turin Bibl. Reale: Eugenio de Levis, Abbates S. Mauricii Agaun., Misc. st. 134,7. Insert: Chr. monasterii Agaunensis (Gremaud, Origines 35 bzw. 355). Drucke: Petri, Germania Canonico-Augustiniana 82; Historia Patriae Monumenta Chart. II 146 n. 115; Gremaud, Origines 35 (= Mémorial de Fribourg IV 355 n. 6); Aubert, Tresor de St-Maurice 212f. n. 6. Reg.: Hidber, Schweiz. Urkundenregister I (1863) 194 n. 915; JE †2660; GP II/2, 141 n. †4. Lit.: Santifaller, Verbalinvokation 56 und 87; Anton, Klosterprivilegien 8f., 38-40; Zufferey, Abtei Saint-Maurice 89f., 220 und 321; Herbers, Leo 445.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. GP sowie Anton 8f. (mit Diskussion zum Verhältnis der Hss.). Der in das Chr. monasterii Agaunensis inserierte Text erscheint dort als Anhang und ist bei Gremaud und Aubert gedruckt; vgl. zum Chr. auch Anton 38f. mit Anm. 10. Der als Arnulf bezeichnete Frankenkönig, der auch dem Kloster zur fraglichen Zeit vorgestanden haben soll, ist nicht sicher zu identifizieren. Aubert denkt an einen Sohn Ludwigs des Frommen, der sich die Vogteirechte von St-Maurice angeeignet hätte. Vielleicht hat der Name Arnulf Hidber dazu veranlaßt, das Regest aus Gründen der Chronologie zu Leo V. zu setzen. Ungewöhnlich sind die-auch in den weiteren frühen PUU für St-Maurice üblichen-Zeugenunterschriften, die in den Hss. der Leourkunde nach dem Namen Nikolaus abbrechen: Gregorius peccator iussus a donno papa subscripsi. Benedictus peccator iussus a donno papa subscripsi. Ambrosius peccator iussus a donno papa subscripsi. ... annus pp iussus a donno papa subscripsi. Becius peccator iussus a donno papa subscripsi. Martinus peccator subscripsi. Nicholaus ... Die Urkunde ist durch das Formular, das sich an die frühere Urkunde von Eugen I. (JE † 2084) anschließt (vgl. Santifaller, LD 93 sowie ausführlich Anton), schon seit langem als Fälschung eingestuft, die wohl im 10. Jh. hergestellt wurde. Zufferey vermutet, daß sie zusammen mit anderen Texten verfaßt wurde, nachdem das Kloster um 940 verwüstet worden war. Allerdings könnte der Text sogar in einigen Passagen auf einem echten Kern beruhen, vgl. die eindringliche Untersuchung der vergleichbaren Urkunde Eugens I. bei Anton. Sicher ist auch, daß St-Maurice in der Mitte des 9. Jahrhundertes schon Papstprivilegien besaß, wie aus n. 408 hervorgeht (... monasterium ... apostolicis privilegiis munitum ...). Der Zeitpunkt, auf den hin die Leourkunde angefertigt wurde, ist nicht näher einzugrenzen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. F100, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0847-00-00_32_0_1_4_2_100_F100
(Abgerufen am 28.05.2017).