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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) (Leo iunior) beantwortet (rescribo) die briefliche Anfrage (IP X 405 n. *39) des Bischofs Johannes von Sardinien (Iohanni episcopo Sardinie), der sich über die von mehreren Päpsten geübte Zulassung von Anklagen ohne Zeugenverhör (... segregatam accusationem ...) gewundert hatte, mit der Bemerkung, die Vorschriften der Kirche müßten den Zeitumständen entsprechend geändert werden.-Vestris mihi significantius litteris comperi ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: -. Kop.: -. Insert: Coll. Taurinensis (12. Jh., Turin Bibl. naz. univ.: Ms. E. V. 44 c. 46v-47r). Drucke: Ewald, Drei Schreiben 363f.; Pflugk-Harttung, Acta II 20 n. 47; MG Epist. V 611 n. 48; Bellieni, L'attività diplomatica 69. Reg.: Pflugk-Harttung, Iter 175 n. 32; JE †2122; JE 2650; IP X 405 n. *39 und 406 n. 40. Lit.: Kuttner, Urban II. 65f.; Bellieni, L'attività diplomatica 60-63; Bellieni, Sardegna II 707; Fuhrmann, Papst Ideo 93; Landau, Rechtssammlungen 42.

Kommentar

Den wegen des Titels Leo iunior von Ewald zunächst (Drei Schreiben 363f.) Papst Leo II. zugeschriebenen Brief bezog Ewald später (Turiner Sammlung 608) auf Leo IV., vor allem weil er hinter dem angesprochenen Johannes denselben Adressaten wie in n. 98 vermutete, vgl. auch JE t 2122a. Zu "iunior" vgl. auch Rabikauskas, Papstname und Ordnungszahl 4ff. Das Schreiben ist nur in der Turiner Sammlung überliefert, deren Unzuverlässigkeit neben der vielleicht etwas übertriebenen Kritik bei Pflugk-Harttung, Fälschung von Canones (bei Pflugk-Harttung, Acta, ist der Brief als Fälschung eingereiht) auch von Perels, Briefe 124f. hervorgehoben wurde. Bellieni, L'attività diplomatica schöpft keinen Verdacht, sondern verweist auf die Auseinandersetzungen des Ikonoklasmus und die Notwendigkeit mehrerer Zeugen bei Anklagen. Allerdings klingen auch von Kuttner zitierte Formulierungen wie: Multa in sancta ecclesia ordinata fuerunt et adhuc ordinantur pro temporum qualitatibus, que quidem mutantibus temporibus oportet et cum ipsis mutari zumindest recht ungewohnt, so daß die Zuordnung zu Leo IV. und die inhaltliche Echtheit anzweifelbar sind. Landau vergleicht die Form des Prozeßberichtes mit den pseudoisidorischen Dekretalen und vermutet deshalb eine Fälschung oder Verfälschung erst nach deren Verbreitung. Insgesamt ist also der überlieferte Textbestand zumindest nicht über alle Zweifel erhaben, obwohl ein echter Kern nicht ausgeschlossen werden kann. Die Datierung ist nicht näher eingrenzbar.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 99, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0847-00-00_31_0_1_4_2_99_99
(Abgerufen am 03.12.2016).