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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) übereignet der von den Sarazenen verwüsteten Kirche S. Peter (in Rom) (... in basilica beati Petri ...) zahlreiche Geschenke, darunter Tücher, Leuchter, Schmuckkelche und Bilder, die insbesondere für den Chorraum bestimmt waren; er läßt in S. Peter eine Kapelle mit Altar und Ziborium zu Ehren des Papstes Leo (I.) erbauen und schenkt dem Leo-Oratorium einen Behang sowie zwei größere und acht kleinere Tücher; er läßt die Confessio mit Silberbalustraden und Bildern verzieren und den Altar der Kirche mit drei Silbertafeln schmücken, weiterhin später den von den Sarazenen entehrten Hochaltar (... beatissimi apostolorum principis Petri sacratissimum altare ...) mit einem wertvollen Antependium aus Gold und Email verzieren, auf dessen Tafeln die Auferstehung, Petrus, Paulus, Andreas sowie Papst Leo (IV.) und Kaiser Lothar (I.) dargestellt sind. Er läßt außerdem die Confessio mit Silbertafeln verschönern, silberne Türen zur Confessio errichten und schenkt elf goldverzierte Tücher sowie einen weiteren Behang, für die Oratorien des hl. Paulus, der hl. Processus und Martinianus, der hl. Petronilla, der hl. Maria und des hl. Hadrian weiterhin je eine verzierte Decke.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 111-114); Petrus Mallius, Descriptio (Valentini-Zucchetti, FSI XC 391 f.); Giovanni Villani, Hist. univ. (Muratori, SS rer. Ital. XIII 80); Maphaeus Vegius, De rebus antiquis et memorabilibus basilicae S. Petri Romae (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 381); Tiberio, Basilicae Vaticanae structura (Cerrati 33). Reg.: -. Lit.: Witte, Talmi 2f.; Ladner, Papstbildnisse I 148f.; Schramm, Kaiser und Könige in Bildern 163; Herbers, Leo 165 und 182f.

Kommentar

Verschiedene kurze Passagen auf den angegebenen Seiten der Leovita berichten einzeln über die ausgesprochen umfangreichen Geschenke des Papstes. Bei den Gaben aus Edelmetallen wird in der Regel das Gewicht angegeben. Petrus Mallius verzeichnet wie auch manche später schreibende Autoren die Geschenke des Papstes für S. Peter (vgl. auch n. 121, n. 171, n. 175, n. 266, n. 295 und n. 317) summarisch und hebt das Ziborium (des Leo-Oratoriums oder das in n. 175 erwähnte Ziborium) gesondert hervor. Für einige der Instandsetzungen bzw. Schenkungen gibt der Lib. pont. als Grund die Zerstörung durch die Sarazenen (Duchesne II 111 f., 113) an, insbesondere beim Altar sowie den Balustraden der Confessio. 28 der geschenkten Tücher waren für die Interkolumnien des Presbyteriums bestimmt und stellten die Geschichte des Apostels Petrus dar; ein Tuch für das Oratorium des Papstes Leo I. war mit der historia aquilarum verziert. 16 Silberkelche sowie ein calix pendentilis (zugleich Lampenhalter) waren nicht als Altargerät, sondern als Schmuck gedacht, vgl. Braun, Altargerät 29. Das Leo-Oratorium ließ Leo IV. wohl lediglich wiederaufbauen und ausschmücken, nicht neu errichten, vgl. Duchesne II 136 Anm. 21. Dort fand auch der Leichnam des Papstes Leo I. seine Ruhestätte (corpus beati Leonis confessoris atque pontificis recondens). Später ruhten dort alle Leichname der Päpste Leo I., Leo II., Leo III. und Leo IV., vgl. Petrus Mallius, Descriptio 391-393f., Maphaeus Vegius, De rebus antiquis et memorabilibus basilicae S. Petri Romae (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 390) sowie Tiberio, Basilicae Vaticanae structura (Cerrati 39); vgl. auch Montini, Tombe 100f. und Borgolte, Petrusnachfolge und Kaiserimitation 119, 143ff. sowie 334. Zur Dekoration des Altarraumes heißt es (Duchesne II 111 f.), Leo habe drei vergoldete Bilder mit einem Gewicht von 103 Pfund Silber mit den Darstellungen von Jesus Christus in der Mitte, Petrus und Petronilla (rechts) sowie Andreas und Leo IV. (links) herstellen lassen. Die weitere Verschönerung, insbesondere des Altares (Duchesne II 113f., auch bei Petrus Mallius und Tiberio) scheint nicht nur deshalb erfolgt zu sein, weil die erste den Ansprüchen des Papstes noch nicht entsprach (vgl. Lib. pont. 113f. sowie die Interpretation von Ladner), sondern wurde wohl erst durch die Hilfe des Kaisers möglich, der die Renovierung sicher auch materiell unterstützt hatte (vgl. n. 162 und n. 165 ) und zusammen mit Leo gleichsam als Stifter auf dem Bild dargestellt wurde, vgl. hierzu Schramm und Herbers 183. Das Gewicht der Gold-/Emailtafeln wird mit 216 Pfund angegeben. Die Tafeln dieser zweiten Renovierung des Altares waren im 12. Jh. noch vorhanden, vgl. Petrus Mallius. Nach seinem Zeugnis fügte Leo der Salvatordarstellung noch 20 weitere Bilder hinzu (Tiberio nennt die zwölf Apostel). Die Silbertafeln für die Confessio erhielten Darstellungen des Salvators mit Cherubim und Seraphim; die Silbertüren trugen das Bildnis Peters und Pauls. Diese zweite Ausstattung ist später zu datieren: Patratis itaque omnibus atque perfectis operibus, quorum iam singillatim superius nomina scripta vel memorata sunt ..., lag aber wohl noch in derselben, wahrscheinlich kurz vor Beginn der 12. Indiktion. Die Schenkungen für die fünf Oratorien werden nur im Lib. pont. in einem zusammenhängenden Absatz (S. 114) unmittelbar aufeinander folgend erwähnt und dabei jeweils die einzelnen Verzierungen beschrieben. Alle genannten Oratorien befanden sich im Petersdom, vgl. die jeweiligen Registereinträge bei Vogel, Lib. pont. III. Zu der zuweilen auch als selbständige Kirche bezeichneten Petronillakapelle vgl. auch Hülsen, Chiese 422f. n. 21. Die Datierung aller Notizen ergibt sich aus der weitgehend chronologischen Berichterstattung nach Indiktionen im Lib. pont., vgl. dazu n. 121. In der Edition von Duchesne II 111 beginnen die Aufzeichnungen der 11. Indiktion wohl mit der ersten hier verwerteten Notiz. Die Vermerke von Duchesne II 113f. scheinen hingegen eher dem 2. Teil der Indiktion anzugehören. Zu S. Peter vgl. außer IP I 132ff. auch Corpus Basilicarum Christianarum V 165 ff. mit weiterer Literatur. Zur Baugeschichte allgemein vgl. Arbeiter, Alt-St.-Peter.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 142, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0847-00-00_1_0_1_4_2_142_142
(Abgerufen am 27.05.2017).