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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo IV. fordert das Heer der Franken ([ex]ercitui Francorum) (1) zum mutigen Kampf gegen die (sarazenischen) Glaubensfeinde (... contra inimicos sancte fidei ...) auf; (2) erinnert an die Siege ihrer Vorfahren und (3) verspricht den im Kampf Fallenden das Himmelreich (... quisquis ... in hoc belli certamine fideliter mortuus fuerit, regna illi celestia minime negabuntur ...).- [O]mni timore ac terrore deposito ... (- Ubi usque nunc parentes vestri ...)(- [O]mnium vestrum nosse volumus kantatem ...).

Überlieferung/Literatur

Orig.: -. Kop.: -. Insert: Coll. Brit. (Ende 11/Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 167v); Ivo von Chartres, Coll. tripartita (Ende 12. Jh., Paris Bibl. Nat.: Ms. lat 3858B fol. 61v; Anf. 13. Jh., Berlin StBibl. Preuß. Kulturbesitz: Ms. lat. Fol. 197 fol. 80v) [nur (1), (2) und erster Satz von (3)]; Ivo von Chartres, Decretum X 87 (Migne, PL CLXI 719f.); Ivo von Chartres, Panormia VIII 30 (Migne, PL CLXI 1311); Codex Guarnerius (Anf. 12. Jh., San Daniele di Friuli: Bibl. Civica Guarneriana: Ms. 203 fol. 142v) [nur (1), (2) und erster Satz von (3)]; Gratian, Decretum C. 23 qu. 8 c. 9 [nur (1) und erster Satz von (3)] und C. 23 qu. 5 c. 46 [nur zweiter Satz von (3)] (Friedberg I 955 und 944); Petrus Comestor, Responsio ad patriarcham Ierosolimitanum (ed. Leclercq, Studia Gratiana 592) [nur erster Satz von (3)]. Drucke: Mansi, Coll. XIV 888; Migne, PL CXV 655-657; MG Epist. V 60 1 n. 28. Reg.: J 1971; Ewald, Brit. Sammlung 388 n. 28; JE 2642; Acta pont. iur. gentium 553 n. 3. Lit.: Gottlob, Kreuzablaß und Almosenablaß; 19; Erdmann, Kreuzzugsgedanke 23, 248 und 317; Rupp, Chrétienté; 27; Hubrecht, Juste guerre 173 Anm. 40; Sprandel, Ivo 141; Prinz, Klerus und Krieg 31; Brundage, Canon Law and Crusader 22 und 145; Brundage, Holy War 105, 117-119; Herbers, Leo 120-124.

Kommentar

Die in mehrere kanonistische Sammelwerke aufgenommenen Brieffragmente werden in Ivos Panormia und im Dekret Gratians (der erste Satz des dritten Fragmentes) Papst Nikolaus (I.?) zugeschrieben, wahrscheinlich irrig, vgl. auch Hubrecht. Zur Überlieferung in einer kanonistischen Handschrift in San Daniele vgl. Blumenthal, Codex Guarnerius 18. Zur weiteren Rezeption Hehl, Kirche und Krieg 11, 77-80, 85, 88, 156 und 238. Bezeichnend für die Abfassungszeit der Sammlungen ist die Tatsache, daß der zweite und dritte Satz des dritten Fragmentes in Ivos Coll. tripartita und San Daniele fehlt, bei Gratian von den übrigen Textteilen getrennt ist. Zu den unterschiedlichen Akzenten in den einzelnen Sammlungen vgl. Herbers. Nimmt man beide Sätze zusammen, so ist Brundage zuzustimmen, daß hier noch kein Ablaß, sondern ein frommer Wunsch ausgedrückt werde. Außer JE 3195 bedeutet der Brief das einzige päpstliche Lohn versprechen für den Tod im Kampf vor dem 11. Jh.; er kann als frühes päpstliches Zeugnis angesehen werden, in dem spätere Entwicklungen des Kreuzzuggedankens präfiguriert erscheinen. Ewald, Brit. Sammlung 395f. datiert wegen der Anordnung innerhalb dieser Sammlung auf 853 (zur Problematik vgl. Herbers, Leo 51 f., 62f. und 87f.), jedoch passen die Fragmente ebenso gut zur Heerfahrt König Ludwigs II. gegen die Sarazenen von 847-848, wie z. B. von Böhmer-Mühlbacher 2 1131b in Betracht gezogen wird. Böhmer-Zielinski 88 stellt das Fragment zu dem (nicht ganz sicheren) weiteren Süditalienzug Ludwigs II. von 852. Da keine eindeutige Zuordnung möglich ist, gelten hier beide Kriegszüge Ludwigs II. (vgl. Böhmer-Zielinski 53 und 88) als zeitlicher Rahmen.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 111, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0847-00-00_1_0_1_4_2_111_111
(Abgerufen am 22.01.2017).