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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Leo (IV.) verbietet allen Christen (omnibus Christianis), die Gaben und Oblationen auf dem Altar und in der Kirche S. Paolo (fuori le mura) (in Rom) (altaris ... Pauli apostoli totiusque templi ejus) zu entfremden, dort einen Vorsteher gegen die Satzungen der Väter oder des Papstes einzusetzen sowie Besitz zu zerstören oder zu verkaufen.-Quicunque dona vel oblationes sacratissimi ...

Überlieferung/Literatur

Angebl. Orig.: Marmortafel in S. Paolo (Breite 1,37 m, Höhe 2,14 m). Kop.: 16. Jh., Venedig Bibl. Marc.: Ms. Cod. Marc. lat. X c.195 fol. 288r-v; 16. Jh., Sanseverino Bibl. com.: A. Massarelli, Misc. fol. 136; 16. Jh., Rom Arch. Vat: Misc. Arm. II t. 46 fol. 16v 16. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 11898 fol. 84r; 16., Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 12125 fol. 125v; 17. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 3457 fol. 40v; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 16 fol. 154v; 17. Jh., Rom Arch. S. Paolo: Ms. 366. Faks.: Grisar, Analecta, Tafel V n. 1; Silvagni, Mon. epigraphica christiana Tab. XXXVIII n. 5. Erw.: Urk. Gregors VII. von (1073-1085) März 14 (IP I 168 n. 16, Santifaller, Gregor VII. 26 n. 36). Drucke: Panvinius, De praecipuis urbis basilicis 72; Margarini, Inscriptiones antiquae 28 n. 384; Pucinelli, Memorie sepolcrali 53; Margarini, Bull. Cas. II 20 n. 24; Muratori, Nov. thes. vet. inscr. IV 1901 n. 5; Cocquelines-Mainardi, Bull. Rom. I 161 n. 2; Tomassetti, Bull. Rom. I 258 n. 2; Migne, PL CXXIX 971 n. 4; Galletti, Inscr. I 17 n. 20; Nicolai, Basilica S. Paolo 206 n. 426B; Mai, Script. vet. V 215 n. 1; Grisar, Analecta 184; Herbers, Leo 458. Reg.: J 1931; JE 2535; IP I 167 n. 7. Lit.: Pflugk-Harttung, Papsturkunden auf Marmor 173f. und 181; Grisar, Analecta 184f.; Herbers, Leo 448.

Kommentar

Der Text des päpstlichen Schreibens (zu den weiteren Kopien vgl. IP) befindet sich auf einer Säule in S. Paolo fuori le mura, die bis 1823 in der Kirche stand und heute im Museo lapidario zu sehen ist. Die dortige Überprüfung auch der handschriftlichen Überlieferung verdanke ich Herrn Dr. Bertram (Deutsches Historisches Institut, Rom). Möglicherweise war der Text ursprünglich auf Papyrus geschrieben und erst dann auf die Säule übertragen worden. Vgl. allgemein zu Urkunden auf Stein außer Pflugk-Harttung auch Soyer, Inscriptions gravés, sowie Müller, Urkundenschriften 7. Für eine nachträgliche Einmeißelung in den Stein könnte auch die Tatsache sprechen, daß der Text gleich nach der Adresse und der etwas ungewöhnlichen Notiz ... notitiam contestationis ... mit dem Kontext beginnt, vgl. Pflugk-Harttung. Grisar geht hingegen von einer Vollständigkeit und Echtheit des Textes aus. Das auch sonst ungebräuchliche dreimalige fiat am Schluß der Inschrift vergleicht Grisar mit dem dreimaligen Amen der bullae maiores. Insgesamt erscheint das Formular jedoch ungewöhnlich, und auch die Gregorurkunde, welche die Verordnung erwähnt, ist nicht unverdächtig. Das fiat gehört wohl eher in die Nähe von Malediktionsformeln (vgl. auch Little, Formules malédiction) bzw. von synodalen Schriftstücken, die ähnliche Formulierungen verwenden. Eine Datierung fehlt, deshalb wurde die Urkunde bisher auch verschiedenen Päpsten zugeschrieben, insbesondere Leo III., jedoch ist nach den Beobachtungen von De Rossi und Kehr in IP am ehesten an Leo IV. zu denken, während Silvagni aufgrund der Schrift auch einen Papst des 10. Jh. für möglich hält. Zur ersten Vermutung paßt allerdings die Zerstörung der Kirche (vgl. hierzu IP I 164f., Armellini, Chiese II 1160 sowie allgemein Corpus Basilicarum Christianarum V 93-164) durch die Sarazenen, die ja sogar noch in der Benediktvita hervorgehoben wird, vgl. n. 369 .

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 84, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0847-00-00_16_0_1_4_2_84_84
(Abgerufen am 24.07.2017).