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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Sergius (II.) veranlaßt die Restaurierung der baufälligen Kirche SS. Silvestro e Martino (ai Monti) (in Rom) und verschönert insbesondere die Apsis mit farbigen Fenstern, das Presbyterium mit Marmorskulpturen sowie den Altarraum mit einem Ziborium aus Silber und vier Porphyrsäulen. Der Papst läßt zahlreiche genannte Heiligenleichname aus (römischen) Friedhöfen in einem feierlichen Zug, an dem Klerus und Volk Roms beteiligt sind, in die Kirche zur Niederlegung unter den Altar übertragen, 〈gewährt allen dorthin kommenden Gläubigen an den Festtagen der Heiligen einen Ablaß von drei Jahren und dreimal vierzig Tagen〉 und übereignet der restaurierten Kirche nach der Konsekration zahlreiche Geschenke, darunter liturgische Geräte, Vorhänge und wertvolle Stoffe.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 93-97; Prerovský II 529-531); Inschrift der Apsis von SS. Silvestro e Martino (MG Poet. lat. II 663); Petrus Mallius, Descriptio (Valentini-Zucchetti, FSI XC 413); Inschrift in der Kirche SS. Silvestro e Martino (13. Jh.) (Vielliard, Saint-Martin aux Monts 84-87); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 284). Reg.: IP I 46 n. 4. Lit.: Vielliard, Saint-Martin aux Monts 69-71 und 84-88; Armellini, Chiese I 268-270; Michel, Griech. Klostersiedlungen 38; Corpus Basilicarum Christianarum III 90; Buchowiecki, Kirchen Roms 883f.; Schimmelpfennig, Ablaßfälschungen 646f.

Kommentar

Am ausführlichsten berichtet der Lib. pont. über Restaurierung und Reliquientranslation; etwas knapper bleiben die davon abhängigen Berichte im Lib. pont. des Petrus Guillelmus bzw. Pierre Bohier (danach auch Thomas Ebendorfer) und bei Petrus Mallius (der letztere vermerkt nur die Restaurierung). Die Inschrift (Vielliard) verzeichnet die Namen der übertragenen Leichname sowie die Indulgenz; vgl. auch Montini, Tombe 444. Zu weiteren knappen Hinweisen auf Sergius II. als Mäzen vgl. die bei Vielliard 71 und bei Duchesne 103 Anm. 26 gedruckten Inschriften sowie n. 79; zur Abhängigkeit der Quellen vgl. Schimmelpfennig. In den Quellen wird hervorgehoben, die Initiative zum Bau hinge mit dem Presbyterat des Sergius an dieser Titelkirche vor seiner Erhebung (vgl. n. 2 ) zusammen. Vielleicht wurde auch sein schlechter Gesundheitszustand (... cum enim esset idem pontifex imbecillis membris ob humorem podagricum, incessu pedum et pene manuum officio carebat ..., Duchesne II 97) als Folge des Zustandes der Kirche gedeutet, so jedenfalls Vielliard. Zeitgenössische Kritiker hielten der Bauinitiative des Sergius entgegen, die Kirche sei vorher schön gewesen (ecclesiam ... beati Martini, quae fuerat opere mirabili antiquitatis constructa ) und (mutwillig?) zerstört worden (ut sub praetextu istius deiectionis et reaedificationis liberius valeret depraedationes in ecclesiis et in populis peragere, Duchesne II 98), insbesondere weil Benedikt, der Bruder des Sergius (vgl. n. 52 ), sich habe bereichern wollen. Dies geht zumindest aus einer der Fassungen der Sergiusvita im Lib. pont. hervor. Die oben angeführte Inschrift (ed. Vielliard) ist eine Kopie aus dem 17. Jh., die auf einer Vorlage aus dem 13. Jh. beruht, vgl. Vielliard im Anschluß an Silvagni. Wenn auch nicht letztlich klar ist, inwieweit die Liste der Heiligen in dieser Inschrift von der 2. Fassung der Sergiusvita im Lib. pont. abhängt (vgl. Vielliard 86f. mit drucktechnischer Auszeichnung der abweichenden Heiligennamen), so ist sicher die gewährte Indulgenz eine Zufügung des 13. Jh., bei der bezeichnenderweise auch die Initiative des Papstes Sergius II. nicht erneut hervorgehoben wird (vgl. jedoch auch die Indulgenzliste von Hülsen, Chiese 152 mit Nennung von Sergius iunior und 800 Jahren Ablaß). Zu den Unterschieden beider Fassungen der Sergiusvita (von denen die erste teilweise dem Bericht über die Renovierung von S. Prassede durch Papst Paschalis I. folgt) bezüglich des Wiederaufbaues von SS. Silvestro e Martino vgl. Duchesne II p. IV. Eine ausführliche Liste der Schenkungen bietet nur der Lib. pont. (Duchesne II 94-97). Die spätere von Pierre Bohier glossierte Lib. pont.-Fassung vermerkt die päpstlichen Geschenke nur in einem summarischen Satz und legt den Schenkungsakt in die Zeit nach der Konsekration, womit wohl auch die feierliche Reliquienübertragung gemeint ist. Eine vollständige Auflistung der einzelnen Gaben verbietet sich hier angesichts der drei Druckseiten umfassenden Liste im Lib. pont.; jedoch sei vermerkt, daß Sergius II. seine ehemalige Titelkirche SS. Silvestro e Martino außergewöhnlich reich bedachte und in beiden Fassungen der Sergiusvita bis auf wenige Unterschiede dieselben Geschenke (wenn auch teils in vertauschter Reihenfolge) aufgelistet werden. Auffälligerweise ist in diesem Fall jedoch die zweite Fassung ausführlicher und möglicherweise sind nachträgliche Veränderungen anzunehmen, vgl. Duchesne II p. IV.-Zu literarischen und praktischen Konsequenzen der Weitergabe von Reliquien vgl. Herbers, Rom im Frankenreich 147f. bei Anm. 65 sowie n. 40. Einen Anhaltspunkt zur Datierung bietet allenfalls die Anordnung des Lib. pont.; die Restauration und Reliquientranslation kann demnach frühestens in der 8. Indiktion (844/845) erfolgt sein. Andererseits suggeriert die Tatsache, daß Papst Leo IV. die Ausgestaltung des Kirchenraumes fortsetzte (n. 79), eine Datierung, die eher gegen Ende des Pontifikates von Sergius II. liegen müßte; vgl. auch die vorhergehenden Regesten (n. 43, n. 44, n. 45 und n. 46).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 47, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0845-08-00_5_0_1_4_2_47_47
(Abgerufen am 25.03.2017).