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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Sergius (II.) empfängt (den Sohn Kaiser Lothars I.), König Ludwig (II.), der mit Gefolge und einem Heer nach Rom gezogen war (Böhmer-Zielinski n. 21-23), am Sonntag nach Pfingsten (in ipso die dominico post Pentecosten ) mit seinem Klerus auf den Stufen von S. Peter, nachdem Ludwig neun Meilen vor der Stadt von römischen Richtern mit signa und laudes, dann eine Meile vor der Stadt von Milizen und Scholen, darunter die Schola der Griechen, unter dem Gesang von kaiserlichen Laudes bis nach S. Peter begleitet worden war. Im Beisein von Klerus und Volk gehen Sergius und Ludwig ins Atrium. Als vor den silbernen Türen ein fränkischer Krieger wie vom Teufel besessen erscheint, läßt der Papst die Türen verschließen und sich von Ludwig dessen friedlicher Absichten versichern. Daraufhin erlaubt der Papst die Öffnung der Türen, und Papst und König schreiten mit Gefolge zur Confessio Petri.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Lib. pont. (Duchesne II 88; Prerovský II 522-525); Ann. Bertiniani a. 844 (Grat 46); Pseudo-Liudprand, Liber (Migne, PL CXXIX 1244); Radulfus Niger, Chr. (Krause 216); Vinzenz von Beauvais, Speculum naturale 2460; Tholomeus von Lucca, Hist. eccl. (Muratori, SS rer. Ital. XI 1009); Johannes Garzo, De dignitate urbis Bononiae commentarius (Muratori, SS rer. Ital. XXI 1145f.); Thomas Ebendorfer, Chr. pont. Rom. (MG SS rer. G. NS XVI 282f.). Reg.: J p. 229; Böhmer-Mühlbacher 1081a; JE I p. 327; Böhmer-Mühlbacher 2 n. 1115a; Böhmer-Zielinski n. 24. Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich I 2 250; Eiten, Unterkönigtum 144f.; Henggeler, Salbungen und Krönungen 28-35; Eichmann, Kaiserkrönung 175; Hees, Kaiser Ludwig 32f.; Fritze, Papst und Frankenkönig 50; Drabek, Verträge 48; Hack, Empfangszeremoniell 322f., 331 f., 359f., 608.

Kommentar

Ausführlich über diesen Empfang berichtet nur die Sergiusvita im Lib. pont. und von deren späten Fassung abhängig auch Thomas Ebendorfer; in den Ann. Bertiniani findet sich nur eine knappe Notiz. Die weiteren Quellen heben hervor, daß es bei der Romreise Ludwigs vor allem um eine Bestätigung der Erhebung von Papst Sergius II. gegangen sei (nur Johannes Garzo spricht von einer Dankesreise des Königs). Die ohne kaiserliche Bestätigung erfolgte Weihe des Papstes (vgl. n. 5 ) dürfte die Reise in der Tat maßgeblich bestimmt haben (vgl. n. 32 ); zur Vorgeschichte und Beteiligung an der Romfahrt vgl. Böhmer-Zielinski 21-23. Das Empfangszeremoniell lehnt sich vielleicht an dasjenige an, das auch zum Jahre 774 in der Vita Hadriani (Duchesne I 497) beschrieben wird. Vgl. hierzu sowie zur Interpretation der signa Kantorowicz, Laudes Regiae 75 Anm. 33 sowie Hees 32 und jüngst Hack. Das geleistete Sicherheitsversprechen deutet Drabek als ein Zeichen für die Atmosphäre gegenseitigen Mißtrauens, vgl. auch Fritze im Zusammenhang mit vergleichbaren Sicherheitseiden.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 30, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-06-08_1_0_1_4_2_30_30
(Abgerufen am 29.03.2017).