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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Sergius (II.) übergibt dem Abt Markward von Prüm die Gebeine der Heiligen Chrysanthus und Daria sowie der "46 Heiligen".

Überlieferung/Literatur

Erw.: Translatio ss. Chrysanti et Dariae (MG SS XV,1, 375). Reg.: Goerz, Mittelrhein. Regesten 156 n. 546; GP X 281 n. *4. Lit.: Floß, Romreise Markward 123f.; Lentz, Romreise 147; Haubrichs, Kultur der Abtei Prüm 57ff., 114ff.; Neu, Eifelabtei Prüm 55; Herbers, Rom im Frankenreich 140 und 156-158.

Kommentar

Mit der erwähnten Übergabe der Reliquien in Rom verbinden sich einige Probleme, die Floss am ausführlichsten behandelt hat. So ließen die Päpste Paul I., Paschalis I. und noch Stephan V. Reliquientranslationen innerhalb Roms durchführen und die Gebeine von Chrysanthus und Daria an jeweils unterschiedlichen Orten deponieren. Dabei wird von Papst Stephan V. überliefert, er habe die Leichname in den Lateran bringen lassen (vgl. außer der bei Floss berücksichtigten "Inventio" auch das "Carmen de inventione ... ", MG Poet. lat. IV, 1, 404f.), dorthin, wo Markward sie gut fünfzig Jahre früher angeblich empfangen hatte. Floss 130 läßt offen, ob 844 die Leichname aus einer anderen römischen Kirche in den Lateran gebracht wurden oder ob sie bereits früher dort lagen. Vielleicht blieb auch 844, wie Floss als weitere Möglichkeit nicht ausschließt, eine Reliquie im Lateran zurück. Jedoch ist die Übergabe der Chrysanthus- und Daria-Reliquien an Abt Markward laut den AASS Okt. XI 448f. und Floss glaubwürdig, hingegen sind andere Translationen unter Nikolaus (vgl. JE 2681) und Stephan V. eher zweifelhaft. Die Frage einer Mehrfachvergabe erübrigt sich allerdings, wenn man die im Mittelalter übliche Bedeutung von corpus berücksichtigt, vgl. Herbers. Das in Thommen ausgestellte DLo I. n. 85 (Schieffer, MG Dipl. Karol. III 207-209) vom 25. Mai 844 für Prüm widerspricht (wie bisher noch unbeachtet) dem Bericht der Translatio. Dort wird Abt Markward als persönlich anwesender Petent genannt. Von der älteren Forschung wurde das Diplom in das Jahr 845 eingereiht, von Böhmer-Mühlbacher 2 1115 und Schieffer aus diplomatischen Überlegungen in das Jahr 844 gesetzt. So sind zumindest Bedenken gegenüber der Datierung des Diploms oder des Translationsberichtes anzumelden.-Setzt man trotzdem die Glaubwürdigkeit der Translation voraus, so ergibt sich die Datierung aus dem weiteren Bericht; demnach dauerte nach einem unmittelbaren Aufbruch in Rom die Rückreise bis nach St. Goar fünfzig Tage, dort blieb Markward zwei Tage und schickte Mönche mit den corpora nach Prüm voraus, wo sie am 4. Juli (quarto nonas Julii ) eintrafen (die spätere Depositio der Reliquien in der cella Münstereifel ist auf den 25. Oktober zu datieren, vgl. Goerz n. 547f., 551). Die MG-Edition rechnet zurück vom 4. Juli (Prüm) auf den 2. Juli (St. Goar) und von diesem Datum auf den 14. Mai als Abreisetag in Rom. Nicht berücksichtigt wurde hierbei jedoch die Reisezeit von St. Goar bis nach Prüm, die bei einer Entfernung von ca. 90 km Luftlinie mindestens 4 Tage in Anspruch genommen haben muß. Daraus ergibt sich der 12. Mai 844 als wahrscheinlicher Abreisetag und wohl auch als Tag der Übergabe der Reliquien in Rom. Der Papst stellte vielleicht ein Begleitschreiben aus, wie Boshof (vgl. GP) vermutet, jedoch ist dies nicht belegt. Zur Rückkehr des Abtes vgl. die Glückwünsche des Abtes Lupus von Ferrières (MG Epist. VI 81; Levillain, Loup I 154; Marshall 89); vgl. auch das Martyrolog Wandelberts (MG Poet. lat. II 597), die Beschreibung des Klosterschatzes (Beyer, Mittelrhein. UB I 717 n. 3), den Bericht von Otler, Chronicae relationes rerum gestarum 160ff. sowie zur weiteren Nachwirkung (samt Literatur) auch Boshof in GP.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 28, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0844-05-12_1_0_1_4_2_28_28
(Abgerufen am 26.05.2017).