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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Placitum (placitum ... in Vienna civitate in mallo publico) unter Leitung des Grafen Gerhard (von Vienne), des Erzbischofs Ado (von Vienne), des Vizegrafen Angilboto und unter Mitwirkung zahlreicher genannter iudices et vicariis sowie boni homines über die Klage des Salomon in Vertretung seiner Frau Anastasia gegen Benedicta. Letztere erkennt eine von ihr in einem früheren – unter Leitung des Grafen Gerhard abgehaltenen – Placitum (Dep., siehe das vorige Reg.) angefochtene Charta nunmehr als rechtmäßig an, da Salomon gemäß des damaligen Beschlusses unter Berufung auf ein ihm von König Lothar (II.) verliehenes Recht eidwillige Zeugen präsentiert (preparatus fuit una cum sua testimonia ad ipsum sacramentum peribendum) und sich zum Zweikampf bereit erklärt (seu et ad batalia sicut ei concessit domnus Lottarius rex [siehe Reg. 2604]). – Bertrannus admanuensis fici iussi (lies: feci oder fieri iussus?). – Datierung nach Post-Obitum-Jahren Lothars (II.): in mense Apreli, anno primo co Lottarius rex obiit. – Zahlreiche Zeugenunterschriften.

Überlieferung/Literatur

Placitum (notitia placiti), edd. Bernard/Bruel, Recueil des chartes de l'abbaye de Cluny, Nr. 15 S. 18 – 20.

Reg.: Hübner I, Nr. 382.

Kommentar

Das in üblichem fränkischen Formular abgefaßte bemerkenswerte Placitum belegt, daß Karl der Kahle in Vienne, wo Graf Gerhard zu seinen Gegnern zählte (vgl. Regg. 2630 – 2632), im April 870 noch nicht anerkannt war; vgl. Poupardin, Provence, S. 38 Anm. 1; Kremers, Ado, S. 51; Louis, Girart I, S. 114. Lothar II. war am 8. August 869 gestorben (Reg. 2605), wodurch sich die Datierung der Notitia zu 870 April ergibt. Zu weiteren Urkunden, die nach Post-Obitum-Jahren Lothars II. datieren, vgl. Regg. 2619, 2641 u. 2651; siehe auch Airlie, Unreal Kingdom, S. 351. – Bei der concessio Lothars II. zugunsten Salomons wird man mit Schieffer, a.a.O., kaum ein Deperditum Lothars II. annehmen dürfen (siehe Reg. 2604), da ein klärender Begriff wie carta oder praeceptum an zitierter Stelle fehlt. Von der Sache her sind solche den Empfänger im Falle einer Urkundenschelte vor Gericht begünstigende Verfahrensregeln am ehesten im Rahmen der Verleihung von Immunität und Königsschutz zu erwarten. – Für den Diplomatiker von besonderem Interesse ist noch jene Passage, in der berichtet wird, daß Benedicta die strittige Charta durchstochen hatte (transpunxit [S. 18; vgl. S. 19: in manu Salomonis transpunxit]), um sie ungültig zu machen. Vgl. auch Grimaldi, Justice, S. 68 (mit falschem Verständnis der oben zit. Passage: seu et ad batalia ...) u. S. 71. – Der Bertrannus admanuensis, der die Urkunde geschrieben hat, könnte mit dem ehemaligen Kanzler Karls von der Provence identisch sein (zuletzt Regg. 2541 – 2542, der vielleicht auch sonst als Schreiber von nicht-königlichen Urkunden in Vienne begegnet; vgl. Regg. 2503, 2637 u. 2641. – Zum Vizegrafen Angilboto vgl. Manteyer, Provence, S. 99 m. Anm. 3. Zu dem jüngeren Vizegrafen Berilo (vgl. Reg. 2918 und seiner Familie siehe Poupardin, Provence, S. 351 – 356. – Im selben Monat fand in Vienne auch eine Synode statt (das folgende Reg.).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2621, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fd7e26c1-2241-4f21-8ae4-6a9394ce9f08
(Abgerufen am 27.03.2017).