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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig bestätigt (stabilitatis preceptum sancimus) Bischof Isaak (von Grenoble) und dessen Nachfolgern auf Bitten seiner Mutter, der Königin Irmingard, im Einvernehmen mit zahlreichen Großen (una cum episcopis, comitibus seu nonnullis regiminis nostri principibus) das Präzept seines Vaters, König Bosos (preceptum vel donum quod pius genitor noster Boso rex fecerat: Dep. Prov.25/Reg. 2795), der die Kirche Notre-Dame et Saint-Donat im Comitat von Vienne im Ort Jovinzieux (heute Saint-Donat-sur-l’Herbasse) (de ḝcclesiis s. Mariḝ seu s. Donati confessoris eximii ... in comitatu Viennensi in vico Jovinziaco) mit allen geistlichen Rechten (cum suis spiritualibus obsequiis) (der Kirche in Grenoble unterstellt hatte), zählt die der Kathedralkirche (mater ḝcclesia) zustehenden Rechte (omnes virtutes ... in omnibus ecclesiasticis ordinibus) im einzelnen auf (crisma ... benedicendo, penitentiam ... dando eiciendoque ex ḝcclesia et suscipiendo, ... festivitates cḝlebrando, pauperes ibi et nobiles mortuos sepeliendo), bestätigt dem Bischof ferner zu erblichem Eigen (hereditario iure) seinen gesamten Besitz in den Gauen von Vienne und Lyon sowie in der Provence (in pago Viennensi vel Lugdunensi atque in Provincia) sowie sonstwo in seinem Regnum (in quibuscumque locis regni nostri), gewährt ihm für all seinen Besitz Immunität und Schutz (sit omnimodis protectus atque defensatus ... sub nostrḝ immunitatis tuicione) und sichert ihm im Falle von Streitigkeiten die Anhörung am Königshof zu (usque in nostram suspendantur presentiam, quatenus ibi finitivam accipiant sententiam). – Pön 30 Pfund Gold quam lex Theodosii precipit.

Originaldatierung:
.III. Id. Aug., Inciae castello – a. inc. 893, a. r. 4, Ind. 12.
Incipit:
Dignum est
Empfänger:
Bischof Isaak (von Grenoble)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Ms. lat. 13 879, Chartular A von Grenoble, Anfang 12. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 314), fol. 75v – 77v n. 27 (C); Grenoble, Arch. dép. de l’Isère, 4 G 36 (vormals G 209), Chartular C von Grenoble, 12. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 316), fol. 58r – 59r n. 110 (C’); ebd., 4 G 40, Kopie des verlorenen Chartulars (Magnus Liber) des Aimon de Chissé (Vérité, Répertoire [I], Nr. 332), 1. Hälfte 15. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 333), fol. 404v – 406r, aus C oder C’; Sion/Sitten, Kantonsarchiv, Pierre de De Rivaz, Diplomatique de Bourgogne, vol. I, n. 25, Kopie Ende 18. Jh., aus C oder C’. – Mehrere unselbständige Kopien 17./18. Jh. zumeist aus C (darunter auch Ms. lat. 17 197, fol. 86r – 87r, und Ms. lat. 10 949, pp. 97 – 106) verzeichnet Prou-Poupardin, Recueil, S. 55.

Drucke:Chorier, Dauphiné, II, S. 59 – 68; Baluze-Mansi, Miscellanea novo ordine, II1, S. 156 – 158; III2, ed. Mansi, Collectio nova, S. 34 – 35, aus C = Bouquet, Recueil 9, Nr. 2 S. 675 – 676; Marion, Cartulaire de Grenoble, Nr. 27 S. 65 – 67, aus C C’; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 30 S. 55 – 57.

Regg.: B 1449; Pierre de De Rivaz, Diplomatique de Bourgogne, vol. I n. 25, ed. Chevalier, S. 5 – 6; Bréquigny, Diplomata, I, S. 350; Chevalier, Cartulaire Chissé, Nr. 65 S. 25 – 26; Ders., Reg. Dauphinois, Nr. 913. – Auch erwähnt von Chorier, Hist. de Dauphiné I1, S. 708, 870 = I2, S. 545.

Vgl. Terrebasse, Boson, S. 186; Mermet, Histoire de Vienne, S. 266; Vallentin, Iovinzieu, S. 419f., 427.

Kommentar

Indiktion und Königsjahr führen auf 894, stimmen aber nicht mit dem Inkarnationsjahr 893 überein. – Einige Handschriften lesen in Cias, Incias oder Nicias anstelle von Inciae im Actum (nicht berücksichtigt von Poupardin, ed. cit.) und denken an Nizza als Ausstellort; vgl. Champollion-Figeac, Documents inédits I/1, S. 275. Das Kastell Inciae ist nicht identifiziert; nach Chorier, Hist. de Dauphiné I1, S. 708; I2, S. 545, handelt es sich um das „Châteaux des Ayes“. Möglicherweise ist an Izieux, Ct. Saint-Chamond, Dép. Loire, zu denken, wo sich ein Saint-Pierre in Lyon unterstehendes Priorat befand: Gerner, Lyon, S. 225. – Zur Überlieferung in den Chartularien von Grenoble siehe Vérité, Répertoire [I], Nr. 314ff.; Ripart, Sermorens, S. 273 Nr. 27. – Das ohne Rekognition mit zahlreichen ungewöhnlichen Wendungen im Kontext (im einzelnen aufgeführt von Poupardin, Vorbemerkung) und in den Schlußformeln (ungewöhnliche Pönformel) überlieferte D 30 ist schon von Poupardin als interpoliert eingestuft worden (vgl. Poupardin, Provence, S. 111 Anm. 7, 200 Anm. 9; siehe auch Marion. a.a.O., S. XXXIII – XL). Ein echtes Privileg Ludwigs des Blinden, im Formularrahmen vergleichbar mit D 29 (Reg. 2878), hat unübersehbar im Protokoll, der Arenga (Hausmann/Gawlik, Arengenverzeichnis, Nr. 712), dem Beginn der Dispositio mit der Promulgatio, in der Corroboratio und im Datum (Unterscheidung zwischen Actum und Datum, Nennung des Inkarnationsjahrs) Pate gestanden, wie überhaupt an der Sache selbst, der Übertragung der mitten in der Diözese Vienne gelegenen Kirche Saint-Donat an Grenoble, kaum zu zweifeln ist; vgl. D Prov. 25 (Reg. 2795). Sicherlich im Zuge der hieraus resultierenden Streitigkeiten zwischen Vienne und Grenoble ausgangs des 11. Jahrhunderts, von denen schon in Reg. 2795 die Rede war (vgl. auch D LdJ. 36/Reg. 2600, wurde zumindest die Verleihung der oben zitierten geistlichen Rechte über Saint-Donat, über die Ludwig der Blinde ohnehin nicht verfügen konnte, interpoliert. Urheber der Verfälschung ist wahrscheinlich der emsige Bischof Hugo von Grenoble (1080 – 1132) selbst, wie Schilling, Guido von Vienne, bes. S. 125f., näher ausgeführt hat. – Zu Bischof Isaak von Grenoble siehe zuletzt Reg. 2880. – Auf die eingeschränkte Bedeutung von Provincia im oben zit. Kontext macht aufmerksam Poupardin, Provence, S. 284f. – Mit der lex Theodosii ist die Lex Romana Visigothorum gemeint. Zu den dortigen Bußbestimmungen vgl. Conrat, Breviarium Alaricum, S. 652 – 661, bes. S. 659; siehe auch Mordek/Schmitz, Troyes, S. 182 (zu Erzbischof Sigebod von Narbonne, der auf der Synode darauf hingewiesen hatte, daß die Lex Romana keine Bestimmungen über Sakrilegien enthalte), 193. Allgemein zum Breviarium siehe neuerdings den Sammelband: Le Bréviaire d’Alaric; zu seinem Nachleben in Lyon siehe Ganivet, L’épitomé de Lyon, bes. S. 282 – 288.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2889(F), in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f97e190d-4706-4917-98e1-5db81a73bb2c
(Abgerufen am 28.05.2017).