Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

Sie sehen den Datensatz 267 von insgesamt 571.

Königswahldekret (electio): Die auf der Synode anwesenden Geistlichen (sancti patres ... conventum celebraturi) wählen wegen der durch den Tod des Königs (Ludwigs des Stammlers) (rege communi morte recepto) und durch äußere Feinde (per visibiles inimicos) eingetretenen Notlage (ob instantem necessitatem) Boso, der sich schon unter Karl (dem Kahlen) und Ludwig (dem Stammler) in vielfältiger Weise als geeignet für das Königsamt erwiesen hat (defensor et adiutor necessarius; cernens eius insignem prudentiam) und nicht nur in Gallien, sondern auch in Italien so sehr hervorgetreten ist, daß ihn Papst Johannes (VIII.) wie einen Sohn (instar filii complexus, vgl. Reg. 2718) zu seinem Schutz bestellt hat, ungeachtet seines anfänglichen Widerstrebens (et qua consideratione tanti laboris renuerit et abdixerit ... tandem obedienter colla promittendo submisit) einmütig zum König (communi animo parique voto et uno consensu clarissimum principem domnum Bosonem ... ad hoc regale negocium petierunt et unanimiter elegerunt)

Originaldatierung:
Actum apud Mantalam, publice, a. inc. 879, Ind. 12, Id. Oct.
Incipit:
Cum convenissent
Unterschriften:
Unterschriften (omnium episcoporum subscriptio) der Erzbischöfe Otramnus von Vienne, Aurelian von Lyon, Teutramnus von Tarentaise, Rostagnus von Arles und Theoderich von Besançon sowie der Bischöfe Rotbert von Aix, Adalgar von Autun, vertreten durch einen Archidiakon, Ratbert von Valence, Bernarius von Grenoble, Elias von Vaison (-la-Romaine), Emico von Die, Adalbert von (Saint-Jean-de-) Maurienne, Biraco (Birico) von Gap, Eustorgius von Toulon, Girbald von Chalon (-sur-Saône), Baldemar von Vence (?), Hieronymus von Lausanne, Richard von Agde (oder Apt?), Guntard von Mâcon, Etherius von Viviers, Leodoin von Marseille, Germard (Gemard) von Orange, Ratfrid von Avignon, Walafrid von Uzès und Edold von Riez.

Überlieferung/Literatur

Königswahlurkunde (electio), edd. Hartmann, MGH Conc. 5, Nr. 12A S. 158f.; MGH Capit. 2, Nr. 284C, S. 368 – 369: „(C) Electio Bosonis regis“.

Vgl. auch Martin, Conciles Lyon, Nr. 176.

Kommentar

Die genannten Geistlichen – fünf Erzbischöfe (Boehm, Rechtsformen, S. 345, nennt versehentlich sechs Erzbischöfe) und 20 Bischöfe (mit Adalgar von Autun) – sind in der das Wahldekret abschließenden Unterschriftsliste genannt. Diese ist allerdings nur sehr schlecht überliefert, was die Unsicherheit im Falle der Bischöfe von Vence und Agde/Apt (vgl. Bautier, Origines, S. 51) erklärt. Unterschrieben haben auch der Chorbischof Leoboin von Lyon, der Propst Manno (aus dem Jurakloster Saint-Oyand-de-Joux, dem späteren Saint-Claude) sowie der Abt Geilo (von Saint-Philibert de Tournus). Zur Identifizierung vgl. im einzelnen Poupardin, Provence, S. 98f.; Boehm, Rechtsformen, S. 345 – 347; Bautier, a.a.O., S. 50 – 53 (mit einer Karte); Cartron, Pérégrinations, S. 227 (mit einer Karte). Fehlerhaft, was die angebliche Teilnahme des Erzbischofs von Embrun betrifft, Poly, Provence, S. 16f. (vgl. Poupardin, Provence, S. 110 m. Anm. 4; Bautier, a.a.O., S. 50). – Die von Bautier, a.a.O., und Cartron, a.a.O., vorgelegten Karten zeigen, daß die Bischöfe aus der Provence im engeren Sinne nur etwa zur Hälfte anwesend waren (elf von 23, so Poly, a.a.O., S. 16), insbesondere fehlte der östliche Teil der Provence (der allerdings wegen seiner unbedeutenden Randlage im burgundischen Gesamtraum von altersher nur wenig hervorgetreten ist: Mazel, Horizons, S. 464, 472), der sukzessive erst an Kaiser Ludwig II. von Italien (Reg. 2555) und dann, zumindest formal, an Karl III. von Ostfranken gefallen war (vgl. Regg. 2626 u. 2724). Aus dem zum westfränkischen Reich gehörenden nördlichen Burgund waren die Bischöfe von Autun, Chalon und Mâcon vertreten, aus dem südlichen Lotharingien, das 879 ebenfalls Karl III. von Ostfranken formal unterstand (vgl. Regg. 2707 u. 2762), der Erzbischof von Besançon und der Bischof von Lausanne. Die Teilnahme des isolierten Bischofs von Agde in Septimanien (Kirchenprovinz Narbonne) ist nicht gesichert (vgl. oben). – Zu formalen Aspekten des Wahldekrets, das sich in Wortwahl und Stil an Ordines zur Bischofsweihe anlehnt und als dessen Verfasser man Erzbischof Otramnus von Vienne erwogen hat, vgl. Boehm, a.a.O., bes. S. 374 – 381; Schramm, Ges. Aufsätze II, bes. S. 260f. – Zur Wertung des Vorgangs siehe unter der Reg. 2749 verzeichneten Literatur bes. Bautier, Origines, S. 49 – 53; Cartron, a.a.O., S. 226 – 231. Von einer territorialen Beschränkung des Königtums Bosos ist nirgendwo die Rede, so daß dessen Königsherrschaft als prinzipiell offen für weitere Anhänger in West- und Ostfranken zu gelten hat. Boso hat damals möglicherweise beabsichtigt, sein Königtum in der Nachfolge Ludwigs des Stammlers auf ganz Westfranken auszudehnen; vgl. Bouchard, Bosonids, S. 411; MacLean, Kingship, S. 21; Mazel, Horizons, S. 462f., 464; Cartron, a.a.O., S. 226.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2752, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f8fce0f5-8466-4156-a8a3-dcb750bedd55
(Abgerufen am 26.03.2017).