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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig überträgt (concedo) der (erzbischöflichen) Kirche von Vienne (ecclesiae s. Mauricii) und ihren Kanonikern (suisque canonicis) für die Mensa der Brüder (ad victum in refectorii mensam... mensa fratrum) zu seinem und dem Seelenheil seiner Eltern, die in der Kathedrale ihr Grab gefunden haben (in eadem s. matre ecclesia, ubi tumulata habentur patris vel matris meae ossa [vgl. Reg. 2923]), die Villa Crotis mit der Kirche S. Desiderii und allen Pertinentien zu freiem Eigen (iure hereditario). – Geistliche Pön und 10 Pfund Gold. – Uboldus notarius iussu domni imperatoris scripsit. – M. (SI).

Originaldatierung:
.V. Kal. Dec., Viennae – a. imp. 27.
Incipit:
Si sacris locis
Empfänger:
(erzbischöflichen) Kirche von Vienne

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Coll. Baluze 75, fol. 366r-v, Abschrift 17. Jh. (mit Korrekturen Baluze), aus dem verlorenen Chartular (Ende 12. Jh.) des Domkapitels von Vienne fol. 77 n. 182 (E); ebd., Ms. lat. 5214, pp. 97 – 98, 17. Jh., gleichfalls aus dem verlorenen Chartular (F) (daraus Kopie Ende 19. Jh. von A. Dopsch, München, MGH-Archiv A 116, vgl. Archiv Geschichtskunde 7, S. 838); Paris, BnF, Ms. lat. 11 743, fol. 152v – 153r, 17. Jh., aus dem verlorenen Chartular (I); Grenoble, Bibl. Municipale, Ms. R 8907 (Secousse 904), fol. 10r, Abschrift 17. Jh., aus gleicher Quelle; Paris, BnF, Ms. lat. 17 191, fol. 108r-v, Abschrift Martène 17. Jh., wie F (J).

Drucke: Chevalier, Cartularium St.-Andreae, Append., Nr. 11* S. 231 – 232, aus E F; Dümmler, Urkunden der italienischen Könige, Nr. 25 S. 320 – 321, aus F; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 66 S. 117 – 118.

Regg.: Jean-Baptiste Moulinet, Vérification et description du Cartulaire du chapitre de Saint-Maurice de Vienne, 1771, mit Hinweis auf das Siegel Ludwigs: „le seing figuré dud. empereur“, ed. Chevalier, Description Saint-Maurice, S. 43 Nr. 192; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 1081.

Vgl. Mermet, Histoire de Vienne, S. 277.

Kommentar

Das Regierungsjahr führt auf 927 November. – Zur Überlieferung siehe bes. D 3 (Reg. 2510). Das Erzbistum Vienne scheint damals vakant gewesen zu sein. Man könnte erwägen, daß die Vakanz von den Kanonikern bewußt zur Erlangung der Schenkung, die im Nekrolog der Kathedrale von Vienne eigens erwähnt wird (vgl. Poupardin, Vorbemerkung), genutzt wurde. Der neue Erzbischof Sobon ist erstmals einen Monat später bezeugt (D 68/Reg. 2995). – Der Notar Ubold, in den Jahren 923/24 durch Elias ersetzt, scheint hier in D 66 und im nachfolgenden D 68 (Reg. 2995), den beiden letzten datierten Urkunden Ludwigs des Blinden, wieder Verwendung gefunden zu haben; vgl. Prou-Poupardin, Recueil, S. XIII; Zielinski, Urkundenwesen, S. 179f. Protokoll und Eschatokoll und die formelhaften Teile des Kontextes sind kanzleigemäß (die Arenga ist schon in schon in dem ohne Rekognitionsformel überlieferten D 65/Reg. 2983 begegnet), speziell die Intitulatio (vgl. D 59/Reg. 2960) und die Datierung sind charakteristisch für Ubold (vgl. DD 54, 56, 59 – 60 = Regg. 2948, 2954, 29602961). Der Kontext selbst ist in knapper Diktion (Corroboratio) nicht sonderlich elegant gehalten (unübliches concedo in der Dispositio, ed. Poupardin, S. 118 Z. 12), mit ausführlicher frei stilisierter Pönformel (vgl. D 56/Reg. 2954), in der erstmals geistliche und weltliche Strafandrohung verbunden erscheinen. – Das Grab Bosos und Irmingards ist schon D 47 (Reg. 2923) erwähnt; siehe auch Reg. 2923. – Ob Crotis mit dem in Reg. 2970 erwähnten Crottis im Comitat von Lyon identisch ist, das damals an Bonus ging? – Zum Hl. Desiderius (frz. Didier), Erzbischof von Vienne († 607), siehe Schilling, Gallia pont. III/1, S. 34, 80 – 83 Nr. 54 – 60. – Siehe noch Manteyer, Provence, S. 499 – 500

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2993, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f8ef5305-6684-42d1-8e40-7a2028ee7f05
(Abgerufen am 23.10.2017).